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Sprinter Julian Reus : Der Rekord als Frucht solider Arbeit

Ganz schön schnell: Julian Reus ist im Ziel Bild: dpa

So schnell war noch kein Deutscher in der Halle: Julian Reus sprintet die 60 Meter in 6,52 Sekunden. Mit dem neuen nationalen Rekord besteht er die Bewährungsprobe mit Bravour.

          Nun hat er auch den zweiten Rekord. Julian Reus, der schnellste Mann Deutschlands, ist bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Leipzig die 60 Meter in 6,52 Sekunden gerannt. Sein Jubel war kurz und heftig, aber – anders als der vieler anderer Sprinter – nicht triumphal.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Im Grunde seines Herzens ist Reus überzeugt, dass man Rekorde nicht erzwingen kann, sondern dass sie von sich aus kommen – wenn man sie verdient, besser: erdient. „Ich habe viel richtig gemacht“, urteilte er nach seinem besten Rennen des Winters, „vor allem vor der Saison.“ Und dann sprach er von seinem Training, seiner Gesundheit, der Qualität seines Trainings. Auch darauf schaut er mit ganz eigenem Blick: Gesundheit ist etwas, das er, gemeinsam mit Arzt, Physiotherapeut und Trainer, selbst gestaltet: „Ich war noch nie so beschwerdefrei wie jetzt.“ Was auch am Sonntag der Schlüssel zu jenen 20,55 Sekunden über 200 Meter war – der drittschnellsten Zeit eines Deutschen bislang.

          Eine Hundertstel schneller

          Wenn er den Moment genießt, weiß der 28 Jahre alte Reus, dass dies die Frucht solider Arbeit ist. Zwei Mal war er in den vergangenen Wochen schon 6,53 Sekunden gespurtet, so schnell wie nur der neunmalige DDR-Meister Sven Matthes aus Berlin 1988. Das war im Geburtsjahr von Reus. Nun lief der in der Arena zu Leipzig eine Hundertstelsekunde schneller. Matthes, der das Rennen im Fernsehen sah, glaubt gar, dass Reus, hätte er nicht auf die Digitaluhr neben der Ziellinie geschaut, den Rekord um eine weitere Hundertstelsekunde verbessert hätte. Da scheint also noch was drin zu sein.

          Doch den Aufschwung beendet Reus nun und lässt sich nicht hinreißen, bei den Hallen-Weltmeisterschaften einer Medaille nachzujagen, die in Reichweite scheint. „Trainieren und den Körper gesundhalten“ will er stattdessen. „Der Körper braucht Substanz für die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele. Die sind viel wichtiger als eine Hallen-WM in Portland.“

          Alle Zeiten deuten darauf hin, dass Reus in der Olympia-Saison stärker sein wird als in der vergangenen. Da unterbot er schließlich über 100 Meter den deutschen Rekord, den der einstige Europameister Frank Emmelmann seit 1985 hielt. Im Zwischenlauf der deutschen Meisterschaft rannte Reus 10,05 Sekunden. Bei seinem Sieg im Finale war zwar der Rückenwind zu stark, um die Zeit in die Rekordliste aufzunehmen. Doch mit 10,01 schmeckte Reus in den Bereich hinein, in dem die Schallmauer für jeden Sprinter steht: die zehn Sekunden-Grenze. Im Training hat er besonders die Beschleunigungsphase des Rennens trainiert, die zwanzig, dreißig Meter nach dem Aufrichten.

          Die Hallensaison war die erste Bewährungsprobe. „Das habe ich mit Bravour gemeistert, das habe ich überragend umgesetzt“, freute er sich nach dem Rekord. „Die Geduld, auf den letzten zwanzig, dreißig Metern, auch wenn man am Anfang nicht gleich weg ist, trotzdem zu ziehen, der Mut, das eigene Rennen durchzuziehen: Das ist der Schlüssel, wie ich die hundert Meter rennen muss.“

          Reus stammt aus Hanau, startet für den TV Wattenscheid und trainiert in Erfurt. Im April wird er mit der Nationalmannschaft zum Training nach Florida fliegen. Gemeinsam mit seinen Konkurrenten und Mannschaftskameraden wird er die beiden großen Ziele dieses Jahres angehen. Bei der Europameisterschaft in Amsterdam wird jeder für sich um einen Platz im Finale und vielleicht sogar auf dem Podium rennen. In Rio wollen die Sprinter gemeinsam in den Endlauf der Staffeln. Julian Reus, keine Frage, ist ihr Zugpferd.

          Ergebnisse von der Hallen-DM der Leichtathleten

          Männer:

          60 m: 1. Julian Reus (Wattenscheid) 6,52 Sek. (DR); 2. Christian Blum (Wattenscheid) 6,60; 3. Robert Hering (Leipzig) 6,69 200 m: 1. Julian Reus (Wattenscheid) 20,55 Sek.; 2. Robert Hering (Leipzig) 20,88; 3. Robin Erewa (Wattenscheid) 21,12 400 m: 1. Eric Krüger (Magdeburg) 47,11 Sek.; 2. Marc Koch (Berlin) 47,30; 3. Robert Hind (Saarbrücken) 47,76 800 m: 1. Jan Riedel (Dresden) 1:49,86 Min.; 2. Sören Ludolph (Braunschweig) 1:50,27; 3. Christoph Kessler (Karslruhe) 1:50,76 1500 m: 1. Florian Orth (Regensburg) 3:51,20 Min.; 2. Marius Probst (Watterscheid) 3:51,54; 3. Steffan Hettich (Gomaringen) 3:51,60 3000 m: 1. Florian Orth (Regensburg) 8:07,39 Min.; 2. Timo Benitz (Dornstetten) 8:08,32; 4. Clemens Bleistein (München) 8:09,10 60 m Hürden: 1. Erik Balnuweit (Leipzig) 7,61 Sek.; 2. Alexander John (Leipzig) 7,64; 3. Martin Vogel (Chemnitz) 7,67 4 x 200 m: 1. TSV Bayer 04 Leverkusen (Aleixo-Platini Menga, Kai Köllmann, Lukas Blechschmidt, Nico Menzel) 1:24,72 Min.; 2. LAZ Saar 05 1:24,88; 3. MTG Mannheim 1:25,89 Hochsprung: 1. Mateusz Przybylko (Leverkusen) 2,29 m; 2. Eike Onnen (Hannover) 2,26; 3. Tom Schenker (Chemnitz) 2,10 Weitsprung: 1. Alyn Camara (Leverkusen) 7,82 m; 2. Julian Howard (Karlsruhe) 7,76; 3. Marcel Kirstges (Neuwied) 7,55 Dreisprung: 1. Max Heß (Chemnitz) 17,00 m; 2. Martin Seiler (Ludwigshafen) 15,85; 3. Marcel Kornhardt (Erfurt) 15,79 Stabhochsprung: 1. Carlo Paech (Leverkusen) 5,60 m; 2. Daniel Clemens (Zweibrücken) 5,50; 3. Florian Gaul (Sindelfingen) 5,50 Kugelstoß: 1. Tobias Dahm (Sindelfingen) 20,00 m; 2. Robert Dippl (Fürth) 18,74; 3. Bodo Göder (Baden-Baden) 18,71

          Frauen:

          60 m: 1. Tatjana Pinto (Münster) 7,07 Sek; 2. Rebekka Haase (Thum) 7,20; 3. Nadine Gonska (Mannheim) 7,29 200 m: 1. Rebekka Haase (Thum) 23,10 Sek.; 2. Lisa Mayer (Oberkleen) 23,30; 3. Inna Weit (Paderborn) 23,64 400 m: 1. Lara Hoffmann (Köln) 53,41 Sek.; 2. Friederike Möhlenkamp (Köln) 53,45; 3. Frederike Hogrebe (Leverkusen) 54,32 800 m: 1. Christina Hering (München) 2:02,48 Min.; 2. Carolin Walter (Leverkusen) 2:05,47; 3. Tanja Spill (Dormagen) 2:05,59 1500 m: 1. Maren Kock (Regensburg) 4:36,59 Min.; 2. Lena Klaassen (Leverkusen) 4:37,32; 3. Thea Heim (Regensburg) 4:37,69 3000 m: 1. Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) 8:56,36 Min.; 2. Alina Reh (Erbach) 9:00,58; 3. Jana Sussmann (Hamburg) 9:11,07 60 m Hürden: 1. Cindy Roleder (Leipzig) 7,88 Sek.; 2. Nadine Hildebrand (Sindelfingen) 8,01; 3. Ricarda Lobe (Mannheim) 8,10 4 x 200 m: 1. TV Wattenscheid 01 (Esther Cremer, Anne-Christina Haack, Monika Zapalska, Pamela Dutkewicz) 1:35,31 Min. ; 2. LC Paderborn 1:35,97; 3. LT DSHS Köln I 1:36,62 Hochsprung: 1. Marie-Laurence Jungfleisch (Tübingen) 1,95 m; 2. Katarina Mögenburg (Leverkusen) 1,86; 3. Ariane Friedrich (Frankfurt/Main) 1,86 Weitsprung: 1. Alexandra Wester (Mainz) 6,75 m; 2. Maryse Luzolo (Frankfurt) 6,51; 3. Melanie Bauschke (Berlin) 6,42 Dreisprung: 1. Jenny Elbe (Dresden) 14,15 m; 2. Kristin Gierisch (Chemnitz) 13,97; 3. Neele Eckhardt (Göttingen) 13,76 Stabhochsprung: 1. Silke Spiegelburg (Leverkusen) 4,56 m; 2. Martina Strutz (Schwerin) 4,51; 3. Annika Roloff (Holzminden) 4,46 Kugelstoß: 1. Lena Urbaniak (Filstal) 18,32 m; 2. Anna Rüh (Magdeburg) 17,68; 3. Josephine Terlecki (Leipzig) 17,14

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