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Springreiterin Simone Blum : Alice im Badner Land

  • -Aktualisiert am

Reiterin und Pferd: Simone Blum mit Alice. Bild: Picture-Alliance

Zurück nach längerer Pause: Weltmeisterin Simone Blum und ihre Stute Alice reiten wieder auf Angriff und rocken das Mannheimer Maimarkt-Turnier mit zwei Siegen.

          Da sind sie wieder. Und wieder ganz vorn. Simone Blum und ihre einzigartige Fuchsstute Alice, die im vergangenen Jahr den Gipfel ihres Sports im Sturm eroberten, haben das Badner Land gerockt. Sie schafften das Double: Am Sonntag gewannen sie beim Maimarkt-Turnier in Mannheim das Championat, am Dienstag das traditionelle Highlight, die Badenia. Mit demselben Pferd gelang dieses Kunststück erst einmal zuvor, im Jahr 1993, Meredith Michaels mit Quick Star, als sie noch nicht den Doppelnamen Michaels-Beerbaum trug.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Simone Blums Siegerlächeln war dem Reit-Publikum schon vorher gut bekannt. Die junge Frau aus Bayern wurde im September 2018 in Tryon in North Carolina überraschend Weltmeisterin der Springreiter. Und das nicht etwa mit Glück, sondern weil Alice mit ihren Hufen in fünf extrem schweren Runden keine einzige Hindernisstange berührte. Nicht mal ein Wackler war zu erkennen. Das Erstaunen war groß: In anderthalb Jahren auf eins. Gerade noch Amateurreiterin – nun Weltmeisterin. Die nächste Frage lautete: Und jetzt? Wie sollte sie diese raketenhafte Karriere nun fortsetzen? Simone Blum heiratete erst einmal. Ihr Mann heißt jetzt Hans Günther Blum, geborener Goskowitz.

          Spätestens jetzt, acht Monate nach dem großen Triumph, machte Simone Blum deutlich, dass sie auch diese Saison, in der eine Europameisterschaft stattfindet, wieder auf Angriff reiten will. Kein einziger Hindernisfehler passierte Alice in Mannheim in drei Springen. Die beiden Höhepunkte gewannen die beiden jeweils überlegen im Stechen, mit einer Sekunde Vorsprung das Championat und mit anderthalb Sekunden die Badenia. „Das Stechen“, sagt Simone Blum, „ist unsere Paradedisziplin.“ Nächster Einsatz der beiden wird der Nationenpreis in anderthalb Wochen in La Baule sein. Viel weiter hat Simone Blum noch gar nicht geplant. Das Turnier in München Ende Mai/Anfang Juni noch. „Dann gibt es erst einmal eine Woche Urlaub.“

          Klingt, als nähme sie das Leben locker. Aber es war nicht so leicht, den Trubel um den überwältigenden Triumph zu verkraften. „Der Rummel war groß“, sagte sie in Mannheim. „Und ich hatte wenig Zeit zum Reiten.“ Sie tat sich schwer, in die Normalität zurückzukommen, die nötig ist, um sich auf den Sport zu konzentrieren. Besonders mit einem so eigenwilligen Pferd wie Alice. Beim ersten Springen nach der WM, im Oktober, beim Weltcup-Turnier in Verona, wurde sie dann auch jäh aus ihrem Traum gerissen. Es gab ein Missgeschick an einer zweifachen Kombination, Simone Blum und Alice gingen beide zu Boden. „Wir hatten uns beide vertan“, sagt sie rückblickend. „In der Halle ist sie sowieso immer schwieriger. Zum Glück sind wir beide unverletzt geblieben.“ Im November, in Stuttgart, passierte das nächste Malheur.

          Ihr zweites Pferd, der junge Wallach Cool Hill, wurde abgelenkt und machte über dem Sprung eine unerwartete Bewegung. „Da ist es mir in den Rücken gefahren.“ Ein Nerv im Nacken wurde eingeklemmt. „Ich konnte nicht mehr ohne Hilfe aus dem Bett aufstehen.“ Sie startete trotzdem, aber das Pferd wirkte verunsichert. Alice, sagt Simone Blum, sei im Parcours praktisch allein unterwegs gewesen. Die beiden kämpften sich zwar durch, aber Spitzenresultate waren so nicht zu erzielen. Im Dezember in Genf gelang ihnen noch einmal ein versöhnlicher dritter Platz in einem schweren Springen. Dann beendete Simone Blum die Wintersaison und verabschiedete sich ins Krankenhaus. Ihre sieben Mal ausgekugelte Schulter musste operiert werden, was dreieinhalb Monate Reitpause bedeutete. „Das war gut, um runterzukommen“, sagt sie. Ihr Mann hielt in der Zeit, in der ihr das Reiten ganz verboten war, zu Hause auf dem Eichenhof in Zolling die Pferde fit.

          Ein gutes Pflaster

          Nach einem Abstecher nach Gorla Minore in Italien und einem Start in Hagen vor anderthalb Wochen war Mannheim für die beiden erst das dritte Turnier nach der Pause. Ein gutes Pflaster: Hier begann 2017 ihre internationale Karriere. „Wir sind ein Superteam nach einer so langen Pause“, sagt die Reiterin. „Wir haben wieder ganz zueinander gefunden.“ Ein bisschen Zeit haben sie aber gebraucht, um wieder ein eingespieltes Doppel zu werden, obwohl sie und das quirlige Pferd ein ausgesprochen enges Verhältnis haben, wie ein Reiter es vielleicht nur einmal erlebt.

          Simone Blum ist sicher: Vom Leben noch ein weiteres so herausragendes Pferd zu erwarten, wäre vermessen. Ihr Backup, den erst neunjährigen Wallach Cool Hill, vergleicht sie deshalb gar nicht erst mit ihrer Weltmeister-Stute. „Er hat eine tolle Einstellung und viel Vermögen. Er soll im Windschatten von Alice hinterherziehen“, sagt sie. Und für die Ausbilderqualitäten des Stalles Blum werben. Drum sei noch angemerkt: Auch Cool Hill, der in zwei Rahmenspringen startete, hat in Mannheim keinen Hindernisfehler gemacht.

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