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Springreiter-EM : Frech und locker kommt Ehning voran

Ganz schön schnell: Marcus Ehning Bild: AP

Eile muß in Donaueschingen kein Fehler sein. Marcus Ehning nahm den Parcours bei der Springreiter-EM mit dem Hannoveranerhengst For Pleasure mutig in Angriff.

          3 Min.

          So ganz ernst hat es Lars Nieberg wohl nicht gemeint. Als er mit seinem ersten Becher Bier in der Hand in Zivilkleidung am Einritt stand, grüßte er herüber und erklärte: "Ich überlege mir, ob ich wirklich wieder zurück in die Mannschaft will. So erlebt man eine Europameisterschaft doch viel entspannter." Aber natürlich war ein Platz im Team von Donaueschingen das große Ziel des Springreiters aus Homberg/Ohm für dieses Jahr gewesen. Schließlich hatte er seit 1996 ständig zu den deutschen Championatsequipen gehört. Aber diesmal hat es nicht geklappt mit der Nominierung. Nieberg ist wegen der Riders Tour hier, die sich ausnahmsweise als Rahmenprogramm in ein Turnier einbauen ließ, und so hat er viel Zeit, als Luxuszuschauer mitzufiebern, wenn ein Kollege sich für Deutschland im Parcours abkämpft.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Besonders Marcus Ehnings Auftritt im Zeitspringen hat Nieberg gefallen. Schließlich startet der Weltcupsieger bei den Titelkämpfen mit dem Hannoveranerhengst For Pleasure, einem Pferd, mit dem Nieberg 1996 Mannschafts-Olympiasieger wurde. "Diesen Ritt habe ich besonders gern gesehen", sagt Nieberg. Frech und locker hatte Ehning den Parcours in Angriff genommen, der erst den ganz Eiligen seine ganzen Tücken offenbarte, sie aber bei guter Leistung reich belohnte: Trotz eines Abwurfs an einem Oxer, der mit vier Strafsekunden bestraft wurde, erreichte er noch die zweitbeste Zeit, mit 77,36 Sekunden war er nur zwei Hundertstelsekunden langsamer als der fehlerfreie Führende, der Däne Thomas Velin auf dem französischen Hengst Carnute. So geschmeidig war For Pleasure über die Sprünge gehuscht, so eng hatte er sich wenden lassen, so willig hatte er auch riskante Distanzen hingenommen. Nur einmal konnte er nicht anders, als eine Stange mitzunehmen, doch diesen Fehler nahm der Reiter auf sich: Er war zu nahe an das Hindernis herangeritten. "For Pleasure hatte keine Chance", sagte Ehning selbstkritisch. Da half auch die lange Erfahrung des vierbeinigen Europameisterschafts-Ältesten nicht mehr weiter: For Pleasure ist bereits siebzehn, macht aber noch manch einem Jüngeren etwas vor.

          Dazu nickt noch so ein entspannter Zuschauer: Herbert Meyer, der einstige Erfolgstrainer der deutschen Equipe. Zwei Weltmeistertitel, zwei Olympiasiege und zwei Europameistertitel haben seine Teams geholt. Sein Nachfolger Kurt Gravemeier hat nach dem Olympiasieg 2000 ein schweres Erbe übernommen, und bis zum Nationenpreis, der bei Redaktionsschluß dieser Ausgabe noch nicht beendet war, die Goldserie nicht fortsetzen können. Meyer klopft dem gestreßten Nachfolger aufmunternd auf auf die Schulter. "Immer nach vorne schauen." Der deutsche Meister der Springreiter indes pirscht sich langsam an die Championate heran. Auch er ist Zuschauer, wenn um Medaillen geritten wird. "Da weiß man, was eines Tages auf einen zukommt", sagt Marco Kutscher. Obwohl er bei den nationalen Titelkämpfen in Gera alle deutschen Europameisterschaftsteilnehmer auf ihren besten Pferden besiegt hat, gehört er nicht zum Team. "Für mein Pferd Montender wäre das auch zu früh gekommen", sagt er. "Er ist schließlich erst neun Jahre alt." So bekam der dunkelbraune Hengst nach dem Sieg von Gera eine Pause und startete erstmals wieder am Donnerstag, wo er sich eine weitere Arbeitserleichterung erarbeitete: Mit zwei Abwürfen verpaßte er die Qualifikation für die Riders Tour an diesem Samstag. Nun bleibt ihm nur noch ein "Trostspringen". Dazwischen drückte Kutscher seinem Trainer und Chef Ludger Beerbaum die Daumen, der mit dem Hengst Goldfever eine dosierte erste EM-Runde geplant hatte und sich dann im Parcours vor einem stilisierten Zaun mit der Distanz vertat. Auch Otto Becker mit Cento holte sich an dieser Stelle den für die Deutschen langsam zur unguten Gewohnheit gewordenen einen Fehler pro Runde. Für Christian Ahlmann mit Cöster war es nach einem akrobatisch kleinen Kringel vor einem großen weißen Oxer so weit. "Trotzdem gut", sagt Kutscher. Schließlich gingen sie als Führende in den Nationenpreis.

          Ersatzreiter Sören von Rönne gibt sich derweil alle Mühe, sich nicht allzusehr zu langweilen. Längst ist ja klar, daß die Equipe ihn und seine Stute Chandra diesmal nicht braucht, auch sie vertritt sich in der Riders Tour die Beine. Dort trifft sie im übrigen auf Anka, die Stute, mit der Marcus Ehning an Ostern Weltcupsieger wurde. Und auf Gladdys, mit der Ludger Beerbaum vor zwei Jahren den Europameistertitel gewann. Die beiden Stuten dürfen diesmal den Herren Fuchshengsten den Vortritt lassen. Mal sehen, wie die Machos im Stall sich machen. Was nicht heißt, daß die Damen die Hufe hochlegen. Gladdys hat schon als Siegerin am Donnerstagmorgen die ersten 3300 Euro Preisgeld verdient, Anka als Zweite 2800. Kleinvieh macht schließlich auch Mist.

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