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Springreiten : Alice im Wunderland

  • -Aktualisiert am

Traumduo: Simone Blum und Alice Bild: dpa

Die junge Reiterin Simone Blum kann sich auf das Springvermögen ihre Fuchsstute Alice verlassen – und bei der WM nach Einzel-Gold greifen. Zur Belohnung schält sie Mangos.

          3 Min.

          Simone Blum schläft nachts gut. Das ist eine nützliche Eigenschaft, gerade jetzt, da sie zweimal als Führende bei der Weltmeisterschaft der Springreiter ins Bett ging. Am Freitag nach dem Nationenpreis. Und nach dem Ruhetag am Samstag noch einmal. An diesem Sonntag wird sie als Führende aufstehen und versuchen, diese Position in den beiden imposanten Runden zu verteidigen, in denen die Einzelmedaillen vergeben werden. Bei anderen Leuten würden jetzt die Schmetterlinge im Bauch rumoren, in ihrer Phantasie würden Luftschlösser wachsen und wieder zusammenbrechen, Angst und Euphorie würden sie auf eine innere Achterbahnfahrt schicken. Bei ihr eher nicht. Obwohl Simone Blum ganz neu ist da oben.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Vor zwei Jahren kannte sie noch kaum jemand, und von der Teilnahme an einem Championat konnte sie nur träumen. Sie war schon glücklich, als sie überhaupt die Chance dazu erhielt. Und noch glücklicher, als sie dann wirklich nominiert wurde. Und noch glücklicher, als sie die erste Runde der WM in Tryon mit ihrer Stute Alice fehlerlos bezwang. Und noch glücklicher, als dies in der zweiten auch gelang. Und noch glücklicher nach der dritten, in der sie mit einer weiteren Null-Fehler-Runde einen wichtigen Beitrag zum Gewinn der Bronzemedaille für die deutsche Equipe leistete und die Führung im erlesenen WM-Feld übernahm.

          „Da haben wir den Salat“, sagte sie mit unbewegter Miene. „Klar ist der Druck da. Ich hatte mir vorher nicht unbedingt gewünscht, als Führende in das Einzelfinale zu gehen. Ich habe es wohl zu gut gemacht.“ Aber da ist natürlich eine Menge Koketterie dabei angesichts der vielen Hindernisfehler auch ausgewiesener Cracks in den vom Iren Alan Wade gestalteten Parcours. Auf jeder Linie wurde Reiter und Pferd auf den Zahn gefühlt, die Hindernisse hatten maximale Ausmaße, und die technischen Aufgaben waren äußerst anspruchsvoll. Dass es ihm gelang, eine Menge Fehler zu provozieren und dabei keinen der Reiter in eine echte Krise zu stürzen, wurde besonders von den Teilnehmern gelobt, die so die Resultate als absolut gerecht empfanden. Auch die Spitzenposition für die 29 Jahre alte Debütantin.

          Ob die WM für sie so weitergeht? „Ich bin eigentlich recht nervenstark“, sagt sie mit ihrem kleinen bayerischen Unterton. „Und dass ihr die Energie ausgeht – das gibt es bei Alice nicht.“ Ihre Stute Alice ist nicht so cool wie ihre Reiterin. Dieses Pferd, elf Jahre alt, ist im Augenblick das beste Springpferd Deutschlands. Und vielleicht auch der Welt. Ein hübscher Fuchs mit einem überbordenden Zug zum Hindernis und mächtigem Springvermögen. Nur ihr Nervenkostüm ist wacklig, da ist sie das Gegenteil von Simone Blum. Und schon das ist ein Grund, warum ihre Reiterin immer ruhig bleiben muss. Alles andere würde Alice anstecken. Esoteriker würden vielleicht sogar behaupten, dieses Pferd habe sich seine Reiterin ausgesucht, um ins innere Gleichgewicht zu kommen. Ein hysterischer Mensch in ihrem Sattel – das wäre eine Katastrophe.

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