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Horrende Summen im Golf : Her mit den Saudi-Milliarden!

  • -Aktualisiert am

Den Champagner gibt’s dazu: Pat Perez, Talor Gooch, Patrick Reed und Dustin Johnson (von links) jubeln. Bild: AP

Platzreife geschafft. Zeit, die Golfausrüstung im Keller zu lassen – oder? Wäre doch gelacht, wenn sich von den Milliarden der Saudis nicht ein paar Dollar einspielen lassen. Eine Glosse.

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          Es ist eine Weile her, da habe ich Ihnen an dieser Stelle von meinen und den Bemühungen meiner Frau erzählt, die Platzreife im Golf zu erwerben, sprich die Erlaubnis, ein Wägelchen voller Schläger über den heiligen Rasen des heimischen Golfclubs zu schieben und hin und wieder zu versuchen, einen kleinen Ball in ein kaum größeres Loch zu schlagen.

          Unsere Bemühungen waren erst im zweiten Versuch erfolgreich, weil der schottische Pro zum Ende unseres ersten Versuchs der Meinung war, dass das Wägelchen-Schieben zwar eindrucksvoll gelang, die Präzision unserer Schläge aber den Anforderungen nicht ganz genügte. Dieser Eindruck mag sich in einer Szene verfestigt haben, als eine Freundin, die unseren Kurs ergänzte, den Ball derart kraftvoll gegen einen Baum vor ihr schlug, dass der Abpraller deutlich hinter ihr zum Erliegen kam.

          Schnee von gestern. Im zweiten Anlauf hatten wir die Platzreife in der Tasche. Der Pro zeigte sich nun angetan ob unserer Schlagfertigkeit, auch die Bäume hatten diesmal keinen Grund zur Klage.

          Sportswashing!

          Leider geriet meine erhoffte professionelle Golf-Karriere schon kurz nach Erlangen der Platzreife ins Stocken. Schläger und Wägelchen fanden einen Platz im Keller und fielen bald dem Vergessen anheim. Bis vor ein paar Tagen. Bis zu einer Nachricht, die alles veränderte. Die Saudis und deren Scheich, las ich, haben eine Golf-Tour ins Leben gerufen. Mit einem Haufen Geld werben sie der altehrwürdigen PGA-Tour Profis ab.

          Was das mit mir zu tun hat? Nun, es gibt auf der Scheich-Tour eine Menge Dollars zu verdienen, was meinen Profi-Ambitionen entgegenkommt. Zudem sind die Ansprüche nicht allzu hoch. Die Abtrünnigen, lese ich, sind fast alles Spieler, die seit Langem nichts mehr gewonnen haben. Und was soll ich sagen, ich bin einer von ihnen, ich habe sogar noch nie was gewonnen.

          Zwei Milliarden Dollar wollen die Saudis bis 2025 für ihre Tour ausgeben. Sogar Martin Kaymer aus Mettmann, seit Menschengedenken ohne Turniersieg, kassierte für drei Auftritte auf der Scheich-Tour schon eine runde Million. Diese Serie, Sie werden mir recht geben, ist mir auf den Leib geschnitten. Den Cut nicht schaffen, das schaffe ich auch.

          Jetzt höre ich ein paar Schlaumeier rufen: Sportswashing! Sobald ich bei der Tour unterschreibe, helfe ich den Saudis, das ramponierte Ansehen ihres Staates herauszuputzen. Aber ich weiß, was ich darauf zu antworten habe: Man muss im Gespräch bleiben, muss kleine Schritte machen, kurze Schläge, dann wird das schon mit den Menschenrechten. Ist ja auch schon viel besser geworden in den letzten Jahren. Soweit bekannt, hat der Saudi-Scheich seit Khashoggi 2018 ja keinen einzigen Kritiker mehr massa­krieren lassen, zumindest nicht in Istanbul.

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