https://www.faz.net/-gtl-9zv72

Sportstars über Polizeigewalt : „Dann ist Revolte die einzig logische Reaktion“

  • Aktualisiert am

Footballprofi Colin Kaepernick und sein berühmt gewordener Kniefall während der amerikanischen Hymne. Bild: LE/CLH/

Der Schwarze George Floyd stirbt nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis. Viele amerikanische Sportstars reagieren wütend. Darunter auch der ehemalige Quarterback Colin Kaepernick.

          2 Min.

          Der ehemalige Quarterback der nordamerikanischen Footballliga NFL, Colin Kaepernick, hat sich eindeutig über den Fall eines bei einem brutalen Polizeieinsatz getöteten Schwarzen geäußert. „Wenn gutes Benehmen zum Tod führt, ist Revolte die einzig logische Reaktion“, schrieb er im sozialen Netzwerk Twitter. „Wir haben das Recht, zurückzuschlagen! Ruhe an der Macht, George Floyd“, heißt es weiter.

          Kaepernick ist in Amerika nicht nur als herausragender Sportler bekannt, er macht auch seit Jahren auf Polizeigewalt gegenüber Schwarzen und Rassismus aufmerksam. So stieß er eine große Debatte an, indem er sich vor einem Footballspiel weigerte, bei der amerikanischen Hymne aufzustehen. Stattdessen kniete er. Seiner symbolischen Geste schlossen sich daraufhin etliche weitere Sportstars an, selbst in der Bundesliga ahmte etwa Hertha BSC das nach.

          Amerikas Präsident Donald Trump warf dem heute 32 Jahre alten Sportler damals allerdings vor, die Vereinigten Staaten nicht ausreichend zu würdigen. Er forderte von den Vereinen die Entlassung aller protestierenden Spieler und riet speziell Kaepernick auszuwandern aus den Vereinigten Staaten. Kaepernick hat bis heute keinen neuen Job in der NFL erhalten. Er leitete deswegen rechtliche Schritte gegen die Liga wegen systematischer Ausgrenzung und entgangener Einnahmen ein. Letztlich kam es zu einer außergerichtlichen Einigung, dem Spieler wurden weniger als zehn Millionen Dollar Entschädigung bezahlt.

          Basketballer LeBron James griff Kaepernicks Geste auf, zeigte auf Instagram ein Bild des knieenden Kaepernicks und daneben Georges, wie ihn gerade der Polizist malträtiert. „Wenn euch dieses Foto nicht verstört und stinksauer macht, dann weiß ich auch nicht“, schrieb Basketballer Steph Curry auf Instagram zu einem Screenshot aus dem in Minneapolis aufgenommenen Video des Vorfalls, das in den Vereinigten Staaten seit seiner Veröffentlichung für große Aufmerksamkeit sorgt. „George hat um Hilfe gefleht und wurde einfach ignoriert, was klar und deutlich aussagt, dass sein schwarzes Leben keine Rolle gespielt hat“, schrieb Curry. Auch das NFL-Team der Minnesota Vikings und die deutsche Basketballerin Satou Sabally äußerten sich.

          Der Tod George Floyds in Minneapolis hatte Proteste in der amerikanischen Stadt ausgelöst. Auslöser war ein rund zehn Minuten langes Video aus der Stadt im Bundesstaat Minnesota, das auf Facebook gestellt wurde: Ein weißer Polizist drückte sein Knie mehrere Minuten lang an den Hals Floyds, der wiederholt um Hilfe flehte, bevor er das Bewusstsein verlor. Wiederholt sagte der Afroamerikaner: „Ich kann nicht atmen.“ Er starb kurz danach in einem nahen Krankenhaus.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat eine Untersuchung des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI angeordnet. Trump versicherte am Mittwochabend (Ortszeit) auf Twitter: „Der Gerechtigkeit wird Genüge getan!“ Er habe die Behörden zu beschleunigten Ermittlungen aufgefordert. Zugleich sprach Trump den Angehörigen und Freunden des Opfers sein Mitgefühl aus. Der Präsident nannte den Tod Floyds „sehr taurig und tragisch“. „Es sollte in Amerika kein Todesurteil sein, schwarz zu sein“, sagte der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, in einer emotionalen Pressekonferenz. Die vier in den Fall involvierten Polizisten seien mit sofortiger Wirkung entlassen worden.

          In den Vereinigten Staaten kommt es immer wieder zu Vorfällen, bei denen vor allem schwarze Bürger übermäßiger Gewaltanwendung durch Polizisten ausgesetzt sind. In 2014 kam Eric Garner (43) ums Leben, weil er bei seiner Festnahme von einem Beamten gewürgt wurde. Seine Rufe: „I can’t breathe! (Ich kann nicht atmen, Anm. d. Red.)“, wurden zu einem Slogan der „Black Lives Matter“-Bewegung.

          Die Universität Minneapolis hat bereits Konsequenzen aus dem Video gezogen und die Zusammenarbeit mit der Polizei beendet. Künftig werden keine Beamten mehr größere Veranstaltungen der Universität begleiten. Darunter auch die Spiele der Division-I-College-Football-Mannschaft Golden Gophers.

          Nicht nur Steph Curry ist erschüttert vom Tod eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz.

          Weitere Themen

          Liverpool stottert den hundert Punkten entgegen

          Premier League : Liverpool stottert den hundert Punkten entgegen

          Der FC Liverpool muss nach einem Unentschieden gegen Burnley aus den verbleibenden drei Spielen noch sieben Punkte einspielen für die angestrebte Hundert-Punkte-Marke. Ein deutscher Landsmann von Jürgen Klopp muss derweil in die Zweitklassigkeit.

          Topmeldungen

          Ein Forscher des Australian Institute of Marine Science vermisst am Clerke Reef Korallenschäden.

          Wende in der Klimakrise? : Noch ist nichts verloren

          Der Klimaforscher Mojib Latif glaubt an die Wende in der Klimakrise – gerade nach dem Corona-Schock. In seinem neuen Buch „Heißzeit“ erklärt er, was auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zukommt.
          Bewohner des dicht besiedelten Viertels Hillbrow in Johannesburg, Südafrika

          Bevölkerungswachstum : Afrikas demographisches Dilemma

          Bis zum Ende des Jahrhunderts leben elf Milliarden Menschen auf der Erde. Vor allem in Afrika steigt die Zahl. Was bedeutet das für den Kontinent und seinen Nachbarn Europa – auch im Hinblick auf das Coronavirus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.