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Sportsponsoring : „Massive Verarmung"

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DOSB-Präsident Bach: Tiefer Graben in der Sportlandschaft Bild: dpa

DOSB-Präsident Bach kritisiert das Sponsoring-Verbot für ARD und ZDF an Sonn- und Feiertagen und nach 20 Uhr. „Dadurch wird ein tiefer Graben durch die Sportlandschaft gezogen und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen.“

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          Das von den Ministerpräsidenten beschlossene Sponsoring-Verbot für ARD und ZDF von 20.00 Uhr an ist für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eine Zäsur in der Sportvermarktung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit einschränke. Betroffen sind vor allem „kleinere Sportarten“, die erhebliche Einnahmerückgänge befürchten. „Dadurch wird ein tiefer Graben durch die Sportlandschaft gezogen und eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen“, kritisierte DOSB-Präsident Thomas Bach am Freitag die Entscheidung der Politiker auf ihrer Tagung in Magdeburg.

          Die neue Regelung gilt vom 1. Januar 2013 an und sieht auch ein generelles Sponsoring-Verbot an Sonn- und Feiertagen vor. Derzeit werden sonntags vor allem die mehrstündigen Wintersport-Übertragungen durch Produkthinweise unterstützt. Ausgenommen vom Sponsoring-Verbot sind nur Großereignisse wie Olympische Spiele sowie Welt- und Europameisterschaften im Fußball.

          Negative Auswirkungen für die Olympia-Bewerbung

          „Viele kleinere Sportarten werden wie ein Licht nur zu Olympia angeknipst und danach wieder ausgeschaltet. Das ist zu wenig. Wir brauchen mehr Ausgewogenheit“, so der Appell von Bach an ARD und ZDF, trotz der Änderung im Rundfunkstaatsvertrag die Grundversorgung bei Sportübertragungen sicherzustellen. Bach sieht auch negative Auswirkungen für die Olympia-Bewerbung von München für die Winterspiele 2018 (siehe: Olympia 2018: Punktsieger München). Die Wintersport-Begeisterung der deutschen Bevölkerung sei eines der gewichtigsten Argumente der Bewerbung. Weniger TV-Zeit für den Wintersport wäre deshalb mit Blick auf 2018 ein „verheerendes Signal“, so die DOSB-Führung.

          Auch ARD und ZDF hatten vor einem Sponsoring-Verbot gewarnt. Nach einer Studie des ARD-Werbezeitenvermarkters AS & S könnten mit der Änderung 40 Prozent der Sportsendungen im „Ersten“ nicht mehr durch ein Programm-Sponsoring begleitet werden. „Damit droht eine massive Verarmung der deutschen Sportlandschaft, denn es wären vor allem viele kleinere Sportarten und regionale Sportereignisse betroffen“, heißt es in der Studie. Sie prognostiziert auch weitreichende Auswirkungen auf die Einnahmesituation der Sportveranstalter. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky spricht von Konsequenzen bei der Sportberichterstattung. „Es brechen erhebliche Summen weg“, sagte er. Zu der Größenordnung konnte er noch nichts sagen: „Das müssen wir im Detail noch prüfen.“ Balkausky kündigte Sparmaßnahmen an. „Entweder erhalten die Sportverbände weniger Geld oder wir treten beim Rechteerwerb kürzer.“

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