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Sportschütze Reitz : Auf den Spuren von Ralf Schumann

Die Medaille im Visier: Christian Reitz Bild: Röth, Frank

Der vielseitige Pistolenschütze Christian Reitz gilt als neue deutsche Galionsfigur. Mit seinem Leitmotiv „Passion für Präzision“ will er bei der Schieß-WM in Granada Goldmedaillen holen.

          Die erste unverhoffte Bewährungsprobe hatte er mit Bravour bestanden. „Ich mach jetzt mal den Delegationsleiter“, sagte Christian Reitz, als er sich rund um den Hinflug zur Schieß-WM in Granada um ein paar Jungtalente des Deutschen Schützenbundes (DSB) kümmerte und entscheidend Sorge dafür trug, dass am Flughafen in Málaga alle Sportwaffen in die Hände der richtigen Besitzer kamen.

          27 Jahre ist Reitz alt - die großen sportlichen Hoffnungen des Verbandes ruhen vor allem auf seinen Schultern. Kein Wunder: Der gebürtige Sachse, längst im hessischen Ort Raunheim sesshaft geworden und für Kriftel auf Vereinsebene schießend, ist ein verlässlicher Medaillenlieferant. Wann immer der Polizeihauptkommissar zur Schnellfeuerpistole greift: Wer nach dem späteren Sieger sucht, sollte es mal mit Reitz versuchen. Zu den zwei Weltmeisterschaftswochen in der Sierra Nevada ist Reitz mit einer beeindruckenden Empfehlungsliste angereist. Neun Siege, neun zweite Plätze und drei dritte Ränge im Weltcup: Reitz ist ein Garant für Erfolgsmomente. Auf seinem T-Shirt stehen drei Worte, die zugleich sein Leitmotiv sind: „Passion für Präzision“.

          In vier Konkurrenzen am Start

          Für das globale Kräftemessen mutet sich Reitz viel zu. Gleich in vier Konkurrenzen geht er an den Start. Damit ist er einer der am meisten beschäftigten Athleten bei diesen Weltmeisterschaften, bei denen mehr als 2000 Schützen aus 94 Nationen den Finger am Abzug haben. Reitz liebt die intensive Belastung, was wohl auch daran liegt, dass er nicht nur mit der Schnellfeuerpistole, sondern auch mit der Luftpistole, der Standardpistole und der Zentralfeuerpistole zurechtkommt. Das erste Ausrufezeichen aber, das Reitz am Donnerstag setzen wollte, blieb aus. Mit der Luftpistole schaffte er nicht einmal den Sprung ins Finale der besten acht. Mit 570 Ringen landete er auf einem für ihn indiskutablen 69. Platz. „Von Anfang bis Ende lief es unrund“, sagte er.

          Auf dem Weg zur Galionsfigur: Der Sportschütze Reitz hat Großes vor

          Was die Aufgabe in der Sierra Nevada nicht einfacher machte: In der Waffenkammer waren Reitz’ Schießschuhe spurlos verschwunden. „Ich musste meine Joggingschuhe anziehen“, sagte er. Das macht er zwar auch immer wieder mal im Training. „Doch im Wettkampf ist es besser, festen Halt zu haben. Mit den richtigen Schuhen rutschen die Füße nicht nach vorne.“ Der Körper bleibt stabil.

          Stichwort Finale: Die WM von Granada ist das erste Großereignis, bei dem ein neuer Modus greift. Nicht immer einfach zu verstehen. „Doch die Medien haben es so gewollt“, sagt Heiner Gabelmann, der Sportdirektor des Deutschen Schützenbundes. Was die Suche nach den Champions kompliziert macht: In jeder Schießsportdisziplin gibt es einen anderen Finalmodus. Der Kampf Mann gegen Mann steht nun mehr im Vordergrund, weil nach den einzelnen Schussserien jeweils der Letzte ausscheidet. Höchst befremdlich bei allen Shoot-outs: Wer den künftigen Weltmeistern mit Gewehr und Pistole ganz nah sein will, muss auf Geheiß des Veranstalters 10 Euro Eintritt zahlen. Das gilt auch für Trainer und Betreuer. Bei den Entscheidungen im Wurfscheibenschießen sind es sogar drei Euro mehr. Der DSB hat 7600 Euro investiert, nur damit seine Sportler und Trainer dabei sein dürfen.

          Es soll golden schimmern

          Christian Reitz und die Schnellfeuerpistole - das ist eine Beziehung der besonderen Art, denn ihm wird zugetraut, ein Stück weit in die großen Fußstapfen des Jahrhundertschützen Ralf Schumann zu treten. Schumann war jahrzehntelang die Ikone des DSB. Dreimaliger Olympiasieger, zweimaliger Weltmeister, siebenmaliger Europameister, 39-maliger Weltcupsieger: Schumanns Erfolge sind einzigartig. Reitz weiß, dass er immer wieder mal mit Schumann in Verbindung gebracht wird, was ihm so gar nicht behagt. Immerhin: Der Polizeihauptkommissar sträubt sich nicht dagegen, beim derzeit stattfindenden Umbruch eine Führungsrolle einzunehmen.

          „Christian Reitz gehört zu den Personen im Deutschen Schützenbund, die etwas darstellen“, sagt Sportdirektor Gabelmann - und erwähnt auch noch die Gewehrschützen Henri Junghänel und Daniel Brodmeier, die den Schützen-Express als Galionsfiguren in die Zukunft führen sollen. Brodmeier übrigens sorgte am Donnerstag für einen unverhofften Lichtblick. Im Liegend-Finale der Gewehrschützen wurde der 27 Jahre alte Systemelektroniker nach großem Kampf Zweiter hinter dem 52 (!) Jahre alten Australier Warren Potent. „Silber, das ist der absolute Hammer“, sagte der kernige Niederbayer aus Oberbayern, der dem Schützenbund damit den zweiten Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2016 in Rio sicherte.

          Auf Brodmeiers Spuren kann Vielstarter Reitz es sogar noch besser machen. Von ihm wird bei seinem zweiten Einsatz am Wochenende Edelmetall mit der Schnellfeuerpistole erwartet. Für den Schützenbund darf es gerne golden schimmern.

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