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Sportpresseball : Goldene Momente

  • Aktualisiert am

Nun auch offiziell eine „Legende des Sports”: Heiner Brand Bild: dpa

Es war nicht das erste Mal, dass auf dem Sportpresseball die Auszeichnung „Sportler mit Herz“ vergeben wurde. Doch dass die gewiss nicht kleine Bühne der Alten Oper in Frankfurt kaum ausreicht, um alle Geehrten zu fassen, war eine Premiere.

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          Dass die gewiss nicht kleine Bühne der Alten Oper in Frankfurt am Main kaum ausreichte, um alle Geehrten bei der Wahl „Sportler mit Herz“ zu fassen, hatte es vor diesem Samstagabend noch nicht gegeben. Und erst recht nicht, dass dabei neben Sportgrößen wie Rudi Altig, Anke Huber, Christa Kinshofer, Rosi Mittermeier, Christian Neureuther, Sven Ottke, Axel Schulz und Toni Schumacher Künstler wie Art Brauss, Günther Maria Halmer und Gundis Zambo sowie Politiker wie Laurenz Meyer standen.

          Des Rätsels Lösung: Sie alle gehören dem „Eagles Charity Golf Club“ an, der seit elf Jahren Golfturniere mit Prominenten veranstaltet, um mit dem Erlös Kindern in Not zu helfen. Neun Millionen Euro haben die Teilnehmer bislang eingespielt, bald soll die Zehn-Millionen-Marke übertroffen sein, obwohl ihr Handicap in den seltensten Fällen mit dem der Könner konkurrieren kann.

          „Golfspielen kann doch keinen Spaß machen“

          „Auf dem Golfplatz fühlen sie sich alle wie Tiger Woods“, spottete Vereinsschatzmeister Neureuther. Doch Schauspieler Brauss gestand mit entwaffnender Offenheit seine Einstellung: „Der Schläger viel zu klein, der Ball auch, das kann man nicht erlernen - Golfspielen kann doch keinen Spaß machen.“ Und Axel Schulz ergänzte: „Ick hab schon beim Boxen kaum getroffen, erst recht nicht beim Golfen.“ Doch immerhin kommt so viel Geld zusammen, das an Hilfsorganisationen etwa für missbrauchte und misshandelte oder krebskranke Kinder geht.

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          Sportpresseball : Goldene Momente

          Die thüringische Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski, die zusammen mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch die Auszeichnung übergab, würdigte die Sportler und Künstler jedenfalls als Vorbilder: „Sie nutzen ihre Popularität um anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht.“

          Uwe Seelers Tanzpause

          Und damit waren die Geehrten auf dem „Deutschen Sportpresseball“ nicht alleine. Der Ehrenspielführer der Fußball-Nationalmannschaft, Uwe Seeler, konnte sich freuen, den Erlös der Tombola von über 30.000 Euro für seine Stiftung entgegennehmen zu dürfen. Die wiederum hilft vor allem seelisch, körperlich und geistig Behinderten.

          Natürlich wurde auf dem Ball auch wieder ausgiebig getanzt und gefeiert. „Auch Fußballer können tanzen, nur oft wollen sie nicht, und wenn es darauf ankommt, haben sie meist eine Zerrung vorzuweisen“, gab „uns Uwe“ schelmisch zu. Doch der mittlerweile 71-jährige Seeler hatte noch eine weitere gute Ausrede: Seine Frau war nicht mitgekommen. „Daheim herrscht Chaos, wir haben die Handwerker im Haus“, entschuldigte er sie.

          Dopingfälle als Schattenseiten

          Zum „Deutschen Sportpresseball“ gehört traditionell auch der Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr. Walter Mirwald vom Veranstalter, dem Verein Frankfurter Sportpresse, und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung als Schirmherr erwähnten auch die Dopingfälle als Schattenseiten. Doch im Vordergrund stand das Positive. Als zwischen dem Hauptgang mit gebratener Entenbrust, Schupfnudeln und Bratapfelrotkraut und dem Himbeermousse-Dessert in der Schokoladenträne die schönsten WM-Bilder der deutschen Gold-Handballer eingespielt wurden, gab es spontan stürmischen Applaus.

          Auch der WM-Triumph der Frauenfußball-Nationalmannschaft riss den Saal mit. Handball-Trainer Heiner Brand wurde dabei eine ganz besondere Ehrung zuteil: Er wurde mit dem erstmals vergebenen Preis „Legende des Sports“ bedacht und von den rund 2800 Ballgästen enthusiastisch gefeiert, darunter die frühere Dressurreiterin Ann Kathrin Linsenhoff. So unbeschwert feiern wird sie wohl nicht mehr können, wenn sie im nächsten Februar selbst als Gastgeberin eines Balls Verpflichtungen hat: Als erste Frau an der Spitze der Stiftung Deutsche Sporthilfe wird sie dann in Wiesbaden den „Ball des Sports“ eröffnen.

          Kaum war Heiner Brand hochoffiziell zur Legende geworden, verriet der Handball-Bundestrainer eines der letzten Geheimnisse. „Nach dem gewonnenen WM-Finale gegen Polen bin ich auf das Spielfeld gelaufen und habe zu Christian Schwarzer gesagt, eigentlich müsste ich jetzt aufhören“, erzählte Brand, blickte kurz auf seine neue Trophäe und schmunzelte auf die ihm ganz eigene Weise.

          Ungeachtet des neuen Titels will der mit einer wohltuenden Nüchternheit ausgestattete Brand weiter an seiner einmaligen Erfolgsgeschichte schreiben. Vor zwei Wochen hatte der „Beckenbauer des Handballs“, der als bislang einziger in seinem Sport als Spieler (1978) und Trainer (2007) Weltmeister wurde, seinen Vertrag bis 2013 verlängert.

          Horst Eckels Stehvermögen

          Erstaunliches Stehvermögen bewies eine weitere Legende: Horst Eckel, einer von nur zwei noch lebenden Spielern der Fußball-Weltmeisterelf von Bern 1954, zeigte trotz seiner 75 Jahre auch um kurz vor ein Uhr nachts noch keinerlei Anzeichen von Müdigkeit. Die einstündige Mitternachtsshow Roger Ciceros im großen Saal der Alten Oper erlebte er begeistert mit. Der Swing-Newcomer des Jahres mit dem obligatorischen Hut bewies seine Entertainerqualitäten. Und Cicero kam zusammen mit seiner elfköpfigen Big Band immer dann am besten an, wenn seine streitbaren und oft nicht gerade frauenfreundlichen Texte weniger im Vordergrund standen als Musik und Unterhaltung.

          In Frankfurt ging es wieder ums Sehen und Gesehenwerden gehen. Beim Sportpresseball fiel das oft fotografierte Rückendekolleté von Schauspielerin Sylvia Leifheit ebenso auf wie die eher an Fastnacht erinnernde blaue Uniform des adoptierten Prinzen Michael von Anhalt. Schauspielerin Jutta Speidel, wie immer vom Ehemann Bruno Maccallini begleitet, kam dagegen im wallenden langen Kleid. Etwas aus dem Rahmen fielen Hochspringerin Ulrike Meyfarth im dunklen Hosenanzug und Bundesjustizministerin Brigitte Zypries mit schwarzer Hose und graugrüner Bluse.

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