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Sportmomente 2020 : „Alles ein bisschen besser genießen“

  • -Aktualisiert am

14. Oktober: Kevin Krawietz (links) und Andreas Mies nach dem zweiten French-Open-Sieg Bild: AFP

Wieder gewinnen Kevin Krawietz und Andreas Mies die French Open im Doppel. Ist der zweite Titel anders als der erste? Und wie kann man so einen großen Sieg im Finale in Corona-Zeiten überhaupt feiern?

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          Ein komisches Phänomen, dass man sich im Moment eines großen Triumphs einfach nicht mehr auf den Beinen halten kann. Das sieht man ja selbst bei den Stars. Jeder lässt sich irgendwie hinfallen. Ich habe mich immer gefragt, warum. Jetzt weiß ich es. Das durchzuckt einen einfach, kommt ganz spontan. Bei unserem ersten Sieg bei den French Open vor einem Jahr lagen Andi (Andreas Mies, die Redaktion) und ich beide ausgestreckt auf dem Rücken.

          Diesmal meinte er vor dem Finale halb im Scherz, halb im Ernst: „Was machen wir eigentlich, wenn wir gewinnen?“ Aber da wollte ich bloß nicht drüber reden. Ein bisschen abergläubisch bin ich schon. In der Kabine habe ich vor dem Match gesehen, dass der Trainer unserer Gegner zwei Champagnerflaschen in der Tasche hat. Da musste ich schmunzeln. Ich habe noch gedacht: Vielleicht frage ich ihn nachher, ob er die noch braucht.

          Die Emotionen nach den beiden Siegen in Paris waren fast dieselben. Im ersten Jahr war vielleicht noch ein bisschen mehr Gefühlschaos. Wir kannten das ja noch gar nicht. Es kam quasi aus dem Nichts. Diesmal war es außerdem viel ruhiger im Stadion. Wegen Corona waren kaum Zuschauer da. Vielleicht konnte man so alles ein bisschen besser genießen. Am Abend saßen wir dann in kleiner Runde im Hotel zusammen. Feiern gehen war nicht drin. Wir durften ja nirgendwo hin.

          Insofern war der zweite Sieg in Paris genauso schön wie der erste, aber anders. Weil 2020 eben ein „anderes“ Jahr war. Während des Lockdowns habe ich zusammen mit einem Kumpel im Supermarkt gejobbt. Die hatten Bedarf, wir hatten Zeit. Die Saison war unterbrochen. Ich habe Regale eingeräumt oder als Security vor dem Laden gestanden.

          Auch die ein oder andere Frühschicht um 5 Uhr war dabei. Da wird dir wieder bewusst, was für ein Glück du hast. Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen. Wenn man sich dann mal wieder auf dem Tennisplatz über die Bälle, den Wind oder die Sonne aufregen will, denkt man daran. Ich glaube, dass mir diese Erfahrung viel gebracht hat.

          Aufgezeichnet von Pirmin Clossé.

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