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Fabian Hambüchen im Interview : „Ach komm, du willst doch mehr!“

„Der Kopf ist nicht nur dazu da, Medaillen umgehängt zu bekommen.“ Aber auch. Fabian Hambüchen nach seinem Sieg am Reck in Rio 2016. Bild: Reuters

Nach Olympia-Gold in Rio wird Fabian Hambüchen Sportler des Jahres. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Selbsthypnose, sein Karriere-Ende und er verrät, warum er keine einzige Liegestütze machen kann.

          9 Min.

          Fabian Hambüchen ist halb daheim aufgewachsen, halb in der Turnhalle in Wetzlar, wo sein Vater als Trainer arbeitet. Nach Bronze in Peking 2008 und Silber in London 2012 krönte er mit 29 Jahren seine Karriere bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit der Goldmedaille am Reck. Es war sein letzter internationaler Wettkampf. Am Sonntagabend wurde Hambüchen in Baden-Baden als „Sportler des Jahres 2016“ ausgezeichnet.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Herr Hambüchen, Sie haben neben Ihrer Turnkarriere das Abitur gemacht und studiert. Wie bekommt man das unter einen Hut?

          Das funktioniert nur, wenn man ein gutes Team um sich hat. Das waren zur Schulzeit primär meine Eltern. Meine Mutter hat alles organisiert. Schon bevor ich zur nächsten Schule gekommen bin, ist sie dort hin und hat mit dem Direktor gesprochen und gefragt, ob er in der Lage ist, einen Leistungssportler wie mich zu haben. Wir sind das immer sehr aktiv angegangen. Das war die Grundlage, aber klar, ich musste diszipliniert und fleißig sein. Auch wenn ich unterwegs war, habe ich probiert zu lernen. Ich war auch darauf angewiesen, dass mir die Lehrer Stoff per Mail schicken. War nicht immer einfach, nicht jeder Lehrer unterstützt so etwas. Es gibt auch ein paar Sportmuffel, die der Meinung sind, der Kopf sei nicht nur dazu da, Medaillen umgehängt zu bekommen. Womit sie ja auch recht haben. 

          Es war immer klar, dass Sie die Schule zu Ende machen würden?

          Ja, aber es gab Momente, als die Leistungskurse losgingen in der zwölften Klasse, da habe ich überlegt, es sein zu lassen und es irgendwann nachzuholen. Es schien, als wäre es nicht mehr machbar, es war eine Lehrerin dabei, die versucht hat, mir das Leben schwerzumachen. Das war hart, aber meine Mutter hat darauf bestanden, dass ich es durchziehe. Und dann ging es auch. Zwischen Abitur und Studienbeginn lagen bei mir fünf Jahre. Da habe ich ein Fernstudium probiert, zwei Semester, hat aber nicht funktioniert, und in dieser Phase ohne Studium, ohne Lernen habe ich gemerkt, das ist nichts. Wenn du nur Sport machst, wenn du dich nicht aktiv mit noch etwas anderem beschäftigst, und sei es nur ein Hobby, verblödest du irgendwie. Aber ich hatte kein Hobby neben dem Turnen. Mein ganzes Leben fand in der Turnhalle statt.

          Deshalb dann das Sportstudium in Köln?

          Ja, und das kam für mich goldrichtig. Es hat mir gutgetan, in jeder Beziehung. Ich habe gesehen: Es ist kein Nachteil, wenn man den Kopf auch anderweitig nutzt als für den Sport. Ich habe in den stressigsten Prüfungsphasen die besten Trainingsleistungen gehabt und oft auch die besten Wettkämpfe. Die Sporthochschule unterstützt uns Sportler, ich musste nicht in sechs Semestern durch sein. Ich bin jetzt das neunte Semester hier, und ich denke, ich werde noch drei brauchen bis zum Abschluss.

          Ihr Vater hat Sie früh mit in die Halle genommen, schon mit drei Jahren. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

          Nur Gute. Wenn sich die Kinder draußen getroffen haben, war ich in der Turnhalle. Das war mein Spielplatz. Ich glaube, ich habe die Energie aus dem Spaß gewonnen, den mir das alles gemacht hat. Mein Vater, mein Bruder, alle haben geturnt und haben diese Leidenschaft über Jahre vorgelebt. Ich habe die turnerischen Gene meines Vaters geerbt und auch seine Verrücktheit. Es gab Zeiten, da war ich morgens um sechs wach und habe mir am Fernseher die ersten Turnkassetten reingehauen.

          Jeden Tag in der Halle - das ist Ihnen nie zu viel geworden?

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