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Fabian Hambüchen im Interview : „Ach komm, du willst doch mehr!“

  • -Aktualisiert am
Hambüchen fällt in Peking vom Reck: „Die olympischen Spiele von 2008 haben bei mir immer einen faden Beigeschmack hinterlassen“
Hambüchen fällt in Peking vom Reck: „Die olympischen Spiele von 2008 haben bei mir immer einen faden Beigeschmack hinterlassen“ : Bild: dpa

Ihr Vater sagte danach, Sie seien bei der Gold-Kür „im Flow“ gewesen, Seele und Körper seien eins geworden. Haben Sie das auch so empfunden?

Ich kann das nicht mehr reproduzieren, weil alles so intensiv war. Aber er hat gesehen, dass ich im ersten Flugteil das richtige Gefühl aufgebaut hatte, und dann lief es immer so weiter.

Gab es solche perfekten Momente oft in Ihrer Karriere?

Nicht oft. Es waren auch viele Titelgewinne dabei, bei denen es harte Arbeit war, wo es nicht so rundlief, ich habe gut gekämpft und es nach außen hin gut verkauft. Ich war aber auch einige Mal im Flow, aber es ist selten, dass einmal alles passt.

Wie was der Gold-Moment?

Ich bin davor schier gestorben vor Aufregung, das war drei Mal schlimmer als vor der Reckübung selbst. Es war brutal. Als der letzte Konkurrent seine Übung hinter sich hatte, haben ich auf die Bande geschlagen wie ein Wahnsinniger und habe zu meinem Vater gesagt: Das muss jetzt endlich diese verdammte Goldmedaille sein! Es war von Peking her immer noch eine so große Belastung in mir, ich hatte mir immer gesagt, da hattest du die Chance deines Lebens auf Gold, und die hast du verpasst. Und als es dann in Rio Gold war, da musste ich nur noch alles rausschreien.

Hätte sich die ganze Arbeit, die ganze Karriere auch ohne dieses Gold gelohnt?

Ja, definitiv. Die Goldmedaille macht es perfekt, sie rundet die Karriere ab. Auch ohne sie wäre es ein tolle Karriere gewesen, aber es hätte wohl doch immer einen faden Beigeschmack gehabt, wenn ich an Peking gedacht hätte. Da hätte ich immer gedacht, ich habe es verbockt. Aber ich bin auch einer, der sich in solchen Situationen wieder fängt, ich hätte mir gesagt, gut, manchmal sollen Träume eben Träume bleiben. Ich hätte mir das mental so zurechtgebogen, dass ich darunter nicht gelitten hätte. Aber so, wie es jetzt ist, ist es perfekt.

Die deutsche Sportförderung setzt auf Zentralisierung. Ihre Karriere aber ist das Produkt eines Familienunternehmens. Was lehrt uns das?

Dass ein familiärer Background entscheidend und wichtig ist. Man muss individuell schauen, was für jeden Einzelnen das Beste ist. Die Bundeswehr und so, das ist alles eine Supersache für Leute, die es anders nicht schaffen würden. Bei manchen, die nicht den richtigen familiären Background haben, ist es auch sinnvoll, in eine Sportschule zu gehen. Für mich und meinen Bruder war es das nicht. Wir haben es mit der Familie geschafft, was nicht immer einfach war. Mein Bruder und ich fragen uns bis heute, wie es mein Vater mit einem ganz einfachen Trainerjob geschafft hat, uns und unsere Mutter da durchzubringen. Wie er es finanziell geschafft hat, mit uns jedes Jahr einen zweiwöchigen Campingurlaub in Frankreich zu machen. Ich hatte dann das Glück, mit 16 die ersten Sponsorenverträge zu bekommen.

Ihre Sportlerkarriere ist zu Ende. Wohin geht die Reise?

Ich werde erst mal das Studium abschließen und mir Zeit nehmen, zu überlegen, was ich wirklich machen will. Grundsätzlich kann ich mich vom Turnen nicht wegdenken. Ich denke, dass ich ihm auf irgendeine Weise immer verbunden bleibe. Ob ich mal als Trainer in der Halle stehe, vielleicht als Nachfolger meines Vaters in Wetzlar, weiß ich noch nicht. Andererseits probiere ich schon, bei Klaus Kärcher, meinem Manager, ein bisschen einzusteigen. Medienlandschaft ist auch eine Idee, aber letztlich ist noch alles offen.

Was werden Sie vermissen?

Ich werde vermissen, auf der internationalen Bühne zu stehen. So viel Stress und Druck es auch immer war, im Nachhinein ist es das, wofür ich bisher gelebt habe, was am meisten Bock gemacht hat. Ich werde das vermissen, andererseits wird mein Leben auch ein bisschen entspannter werden.

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