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Jannis Zamanduridis : Monolog eines Ringers

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Aus Momenten des Schmerzes habe ich Kraft geschöpft Bild: Wohlfahrt, Rainer

Jannis Zamanduridis lässt sich vom Leben nicht in den Schwitzkasten nehmen. Das galt für seine Vergangenheit in der DDR und gilt noch heute. Der Sportdirektor im weithin vernachlässigten Ringen fragt: Was ist der Sport unserem Land wert?

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          Hier im Bundesleistungszentrum ist es kalt. Da hinten regnet es schon seit geraumer Zeit durchs Dach auf eine Ringermatte. Hier müsste investiert werden, um angemessene Bedingungen zu schaffen. Aber dafür fehlt das Geld. In meiner Rolle als Sportdirektor des Verbandes werde ich weiter darum kämpfen. Das ist mehr als ein Job. Ich will mein Herz fürs Ringen und den Sport weitergeben.

          Geld ist nicht das zentrale Thema im Ringen. Zunächst geht es immer um die Leidenschaft dafür. Die grundsätzliche Frage muss aber erlaubt sein: Welchen Stellenwert hat der Leistungssport in Deutschland? Der Sport sollte von der Politik die Wertschätzung bekommen, die er verdient, gemessen daran, was er zu bieten hat. Durch ihn werden Werte vermittelt, Eigenschaften, die sehr wichtig sind. Sich durchbeißen zum Beispiel, wenn es mal hart wird. Oder auch mal steinige Wege gehen. Die Fähigkeit zur Selbstreflektion und Selbstdisziplin. Leider aber habe ich den Eindruck, dass die Politik den Sport eher als Kostenfaktor ansieht, nicht als wertvolles Investitionsgut.

          Es reicht nicht, sich während der Fußball-Weltmeisterschaft vor einem Millionenpublikum neben die Fußballer zu stellen. Die Bedeutung des Sports muss viel mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Wir werden ja oft mit England verglichen, das mit weniger Trainern und weniger Sportlern zuletzt größere Erfolge hatte. Aber dort stehen Politik, Wirtschaft, die gesamte Bevölkerung hinter ihren Sportlern. Das haben wir in London erlebt. Wir dagegen haben es seit 1972 nicht einmal mehr geschafft, die Olympischen Spiele zu holen, weil wir Deutschen uns nicht einig sind, ob wir sie überhaupt wollen.

          Ich bin 1966 im einstigen Karl-Marx-Stadt geboren und habe meine Wurzeln im DDR-Sportsystem. Ich habe immer kritisch hinterfragt, und tue das auch heute noch. Damals war das allerdings eine Eigenschaft, die nicht von Vorteil war. Ich will mich nicht als Opfer hinstellen, aber vielleicht wäre unter anderen Umständen noch mehr für mich drin gewesen. Wir hatten gute Trainingsbedingungen.

          Der Sport stand immer an erster Stelle

          Aufgrund meiner körperlichen Voraussetzungen war ich ein physisch sehr betonter Ringer, hatte aber auch meine spezielle Technikstruktur. Aber ich habe nicht die Chance bekommen zu lernen, wie man Leistung zum Zeitpunkt X abruft. Das ist eine Fähigkeit, die man im Wettkampf entwickelt. Bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften. Aber ich war nicht angepasst, und das hat am Ende dazu geführt, dass ich sechs Jahre, erst zwei Jahre im Juniorenbereich und dann noch mal vier Jahre im Männerbereich, bei großen Titelkämpfen nicht zum Einsatz kam. Im Kampf um Nominierungen haben die Sportklubs gegeneinander gearbeitet.

          Ich war damals in einem Zivilsportklub, SC Motor Zella-Mehlis. Wir hatten immer das Nachsehen gegenüber dem Armee-Sportklub ASK oder dem Sportklub der Polizei, Dynamo. Ich hatte mir Freunde in der Kunst- und Musikszene gesucht, weil ich dachte, ich brauche doch noch andere Eindrücke als immer nur Sport. Das war für mich eine Art Horizonterweiterung. Dennoch stand der Sport für mich immer an erster Stelle. Die Freunde, mit denen ich Musik gemacht habe, haben auch gesellschaftskritische Texte geschrieben.

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