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Sport in Zeiten von Corona : Der Preis der Einsamkeit

Leere Bahnen: Für Sportler und Vereine hat der Lockdown dramatische Folgen. Bild: dpa

Wegen der Corona-Regelungen ist an Gemeinschaftssport derzeit nicht zu denken. Während der Jugend ein Dasein als Couch-Potato droht, blicken Klubs und Vereine einer noch düsteren Prognose entgegen.

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          Faul wie die Waschbären – so beschreibt die Bundesregierung im Rückblick auf den Lockdown, wie die jungen Menschen von heute zu Helden, man muss sagen: geworden sein werden. Der Videoclip aus der Zukunft bewirbt ironisch die horizontale Existenz auf dem Sofa. Um das Virus zu bekämpfen, so übersetzt es auch der in der vergangenen Woche verlängerte Lockdown, sollen insbesondere die Jungen sich in Couch-Potatoes verwandeln. Sport jedenfalls ist, außerhalb des Schulunterrichts, nicht erlaubt, es sei denn, man trabt allein durch die Gegend oder macht einsam an der frischen Luft Klimmzüge.

          Dabei haben Spieltrieb und Bewegungsdrang, Ehrgeiz und die Sorge um Bauch, Beine, Po Abermillionen dauerhaft in Bewegung gebracht. Auf 27 Millionen Mitgliedschaften kommen die 90.000 Sportvereine Deutschlands, viele, viele Schwimmer, Radfahrer und Läufer kommen ohne Klub klar. Sie alle wissen, dass die Befristung der Einschränkungen bis kurz vor Weihnachten nicht bedeutet, dass im Januar die Vereine ihre Hallen wieder öffnen dürfen. Während die dauerhaften Bewohner von Polstermöbeln zunehmen, nimmt die Zahl der Mitglieder in den Sportklubs ab.

          Zehn bis fünfzehn Prozent lautet die Prognose, das entspricht bis zu vier Millionen Mitgliedschaften, könnten dem organisierten Sport bis ins nächste Jahr verlorengehen. So hoch die Zahl, so groß der Verlust, der sich bei einem Jahresbeitrag von, sagen wir: 150 Euro auf 600 Millionen Euro summieren könnte; die Ausfälle durch fehlendes Startgeld der Volks- und Silvesterläufe, nicht verkaufte Tickets, nicht verzehrte Würstchen und nicht gebackene Kuchen nicht mitgerechnet. Dies ist keine Austrittswelle, sondern das Ausbleiben von Neueintritten bei leicht gesteigerter Fluktuation.

          Ein Aufheulen ist nicht zu hören, von Widerstand und Auflehnung keine Spur. So ist der Sport: Regeln werden befolgt. Die Verlustrechnung bedeutet schließlich auch: 85 bis 90 Prozent der Mitglieder bleiben. Diese Treue ist ein Verdienst des Engagements der Vereine. Sie bleiben auf Trab, indem sie auf allen Kanälen sportliche Angebote wie menschliche Zuwendung in die Wohnungen tragen. Den Bedarf an Flexibilität seiner Mitglieder hat der Vereinssport gemeistert. Bald steht er vor der Herausforderung, Sport wieder zum Gemeinschaftserlebnis zu machen. Und zu beweisen: Auch Waschbären sind Gesellschaftstiere.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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