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Sport im Alter : „Man darf nicht faul werden – das gilt auch für den Sex“

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„Es müssen keine Viertausender mehr sein“: Heiner Geißler Bild: Bayerischer Rundfunk/Jürgen Eichinger

Skifahren, Bergsteigen, Klettern: Heiner Geißler ist jetzt 85 – und gibt keine Ruhe. Im FAZ.NET-Interview spricht er über Bewegung, Stillstand und lästigen Schweiß im Fitnessstudio.

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          Herr Geißler, haben körperliche und geistige Beweglichkeit miteinander zu tun?

          Ja, unbedingt. Der Mensch ist ja nicht, wie die alten Gnostiker gemeint haben und Teile der Theologen, gespalten in Leib und Seele, in Körper und Geist, sondern der Mensch ist eine Einheit, eine psychosomatische Einheit, und deshalb haben körperliche und geistige Beweglichkeit viel miteinander zu tun, sie gehören zusammen.

          Sie haben Ihr Leben lang Sport getrieben. Welche Wirkung hat körperliche Bewegung im Alter?

          Wenn wir keinen Sport mehr treiben, dann sind wir auch geistig nicht mehr so fit. Dann können wir zum Beispiel auch kein Buch mehr schreiben, weil das eine gewisse körperliche Belastung mit sich bringt. Wenn wir uns umgekehrt geistig überhaupt nicht mehr betätigen, dann verlieren wir auch den Willen, die Energie, uns körperlich anzustrengen. Dann werden wir bequem und faul.

          Ist Bewegung, ist Sport ein Grundbedürfnis des Menschen? Oder einfach nur Luxus?

          Bewegung gehört zur Natur des Menschen. Wir sind ja nicht als sitzende Wesen auf die Welt gekommen. Unser natürlicher Zustand ist Bewegung, und heute ist leider oft das Gegenteil der Fall: Stillstand, Unbeweglichkeit. Dem wirkt Sport entgegen, in jedem Alter. Es gibt keine Altersgrenze für Sport. Es kann noch jemand mit 60 anfangen, auch wenn er bis dahin in seinen ganzen Leben nie Sport gemacht hat. Er muss nur dranbleiben - und den Sport betreiben, der ihm möglich ist. Wenn einer im Rollstuhl sitzt, dann kann er natürlich keinen Marathon laufen, aber er kann sich auch im Rollstuhl körperlich betätigen, das beste Beispiel ist Wolfgang Schäuble, unser Finanzminister.

          Wie hat sich der Sport bei Ihnen entwickelt über die Jahrzehnte?

          Ich habe den Sport nie als Ausgleich empfunden, sondern immer als Spaß und Herausforderung. Eigentlich muss ich es umgekehrt sagen: Ich habe immer den Sport betrieben, der mir Spaß gemacht hat. Ich habe als Kind angefangen, im Donautal zu klettern, auch mit schwierigeren Bergbesteigungen, und ich habe dafür trainiert, habe meine Waldläufe gemacht. Ich mochte auch sehr gern Ballspiele, aber dazu fehlt einem doch oft die Gelegenheit. Bei mir hat es mit Klettern und Bergsteigen angefangen, und das habe ich bis heute durchgehalten.

          Was fasziniert Sie am Bergsteigen?

          Bergsteigen ist Hochleistungssport, wenn man es richtig macht. Gegenüber dem Rennen auf einer 400-Meter-Bahn hat es den großen Vorteil, dass man mehr können muss als rennen, man muss nicht nur körperlich fit sein, sondern auch geistig. Man muss die Technik beherrschen, muss das Wetter beurteilen können, die Sonne, den Mond, die Sterne, man muss rechtzeitig erkennen, wenn ein Gewitter kommt, man muss Karten lesen können, Höhenmesser. Alles zusammen genommen, ist Bergsteigen ein faszinierender Sport in einer sehr schönen Umgebung. Für viele Menschen, gerade auch für ältere, ist es das letzte Abenteuer, das sie erleben können.

          Sie sind Anfang März 85 Jahre alt geworden, welche Art von Sport treiben Sie heute noch?

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