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Geschichten von Superathleten : Die Sehnsucht nach Helden

  • -Aktualisiert am

Dirk Nowitzki lieferte in seiner langen Karriere eine der beliebten Heldengeschichten des Sports. Bild: dpa

Im Zeitalter des Postheroismus gibt es nur noch ein Feld, auf dem Supermänner und Superfrauen gepflegt und gehegt werden. Der Spitzensport braucht diese Heldengeschichten – und sie liefern eine Erkenntnis.

          Im Sport gibt es noch Helden. Jeden Tag kommt einer um die Ecke und wird gefeiert: für das Tor in letzter Minute, für die Überwindung des Muskel-Schmerzes auf dem Weg zum Gipfel oder für die Rückkehr aus der Krise. Tiger Woods ist es so ergangen. Erst aufgefahren zum Superstar des Golfs, dann hinabgerauscht in den Höllenschlund und nun: „wiederauferstanden“?

          Man muss kein strenger Katholik sein, wenn die kolportierte „Auferstehung“ eines Sportlers rund um Ostern irritiert. Die Wortwahl mag zwar logisch sein. Denn mancher Woods unter den Superathleten ist im Laufe seiner Karriere gekreuzigt worden, zumindest mit Worten, während das Hosianna der Anbeter noch in den Ohren klang. Aber warum führt so ein Lebenslauf gleich in eine Vergötterung?

          Das Heldentum hat es schwer in diesen Zeiten. Eigentlich ist die Ära vorbei. Militärs, Politiker oder Industriemanager werden schon länger eher skeptisch betrachtet als mit Orden verziert. Die Alltagshelden, der couragierte Bürger, die aufopferungsvolle Krankenschwester, der Feuerwehrmann aus Paris, verschwinden so schnell, wie sie in den Blick rücken. Heute ein Held, morgen vergessen. Im Zeitalter des Postheroismus scheint es nur noch ein Feld zu geben, auf dem Geschichten von Supermännern und Superfrauen gepflegt und gehegt werden. Diese Woche war es Woods Comeback in Augusta, davor der Rücktritt von Dirk Nowitzki.

          Menschen, die zwanzig Jahre im Fokus stehen. Die, hätten sie die Wahl, auf ihre jüngste Vergöttlichung auf allen Kanälen gerne verzichten würden. Sie haben keine. Sie sind Teil der Sehnsucht geworden, die Menschen bewegt, ihnen zu folgen auf Schritt und Tritt, sei es auf dem Golfplatz, in der Arena oder in Gedanken.

          Meistens ist das harmlos, sogar beflügelnd. Es ist faszinierend, die Entfaltung eines besonderen Talents zu beobachten. Es ist wunderbar, dass sich Menschen von der Eleganz, von der Überwindungskraft, von der Kreativität, von der Leidensfähigkeit, vom Können ihrer Mitmenschen begeistern und anstecken lassen, es immer wieder selbst zu versuchen. Allein schon deshalb braucht der Spitzensport Heldengeschichten. Sie dienen der Selbsterhaltung, sie fördern die Sehnsucht des Menschen nach ewiger Jugend. Aber vor allem bieten sie die Erkenntnis, dass uns das Scheitern bestimmt ist.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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