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Spitzentennis im Selbstversuch : Würstchens Feuerwerk

  • Aktualisiert am

Mit dem Mute der Verzweiflung: Thomas Klemm leider nicht bei seiner besten Rückhand Bild: Kretzer, Michael

Ein Match? Bitteschön! Andrea Petkovic macht sogar mal ihre Rückhandseite frei. Thomas Klemm spielt wie von Sinnen - und verzweifelt dennoch beim Ausflug aus der Ü40 in die Weltklasse.

          5 Min.

          Hier stehe ich und kann nicht anders. Die Verabredung steht seit Wochen, kneifen geht nicht mehr. Meine Hände sind feucht, was weniger an diesem supersonnigen Julitag liegt, als vielmehr an der Gegnerin. Sie heißt Andrea Petkovic und ist ein paar Nummern zu groß für mich. Als sie aus der Umkleide kommt, macht sie mich und meine ebenso verzagte Journalistenkollegin Uli noch kleiner, als wir uns sowieso schon fühlen. „Ich werde euch zerstören“, sagt Andrea Petkovic. Sie lächelt, doch ihre Worte wirken wie ein Nervengift. Oha, denke ich, mentale Kriegsführung!

          Ich bin aber nicht von gestern, habe meinen Brad Gilbert gelesen und weiß, wie „winning ugly“ funktioniert, also die Methode, den Gegner einzuschüchtern und seine Schwächen auszunutzen. Ich weiß auch, dass ich jetzt irgend etwas erwidern sollte, um meine eigene Kampfbereitschaft zu signalisieren. Doch Andrea Petkovics Panikmache ist gelungen - mir fehlen die Worte. Leider fehlt auch die Hoffnung, dass ich stattdessen auf dem Tennisplatz Taten sprechen lassen könnte.

          Weltspitze statt Bergen-Enkheim

          Andrea Petkovic ist mit ihren 25 Jahren im besten Tennisalter, sie hat voriges Jahr noch auf Platz neun der Damen-Weltrangliste gestanden, ist nach einer unfassbaren Verletzungsserie auf die Profitour zurückgekehrt und kämpft sich wieder nach oben.

          Ein Spielchen? Na klar - Andrea Petkovic übt sich in Psychokrieg
          Ein Spielchen? Na klar - Andrea Petkovic übt sich in Psychokrieg : Bild: Kretzer, Michael

          Ich habe zwei Lebensdekaden mehr auf dem Buckel und tingele, nach einem Dutzend Jahren freiwilliger Tennispause, seit meinem „Comeback“ im Tennisbezirk Frankfurt umher. Andrea Petkovics Reisen führen um die Welt. Meine Ziele heißen Bergen-Enkheim, Nieder-Erlenbach, Dortelweil.

          Was noch dazukommt: Die Darmstädterin ist - auch wenn sie sich am Mittwoch dieser Woche nach einer 4:6, 7:6(7:3), 3:6-Niederlage gegen die Italienerin Roberta Vinci in Cincinatti allzu früh verabschieden musste - sehr gut in Schuss, sie hat kurz vor unserem Aufeinandertreffen ein Profiturnier in Marseille gewonnen und in Nürnberg das Finale erreicht. Meine Form dagegen ist, selbst nach eigenen bescheidenen Maßstäben, bedenklich. Am Abend zuvor, bei der Generalprobe für den großen Auftritt, habe ich zwei Stunden mit einem Freund trainiert, das Niveau war so erbärmlich, dass wir uns vorübergehend in die Büsche verkrochen haben - um verschlagene Bälle zu suchen.

          „Mal sehen, ob einer, der über Tennis schreibt, auch Tennis spielen kann“ - Thomas Klemm schlägt sich wacker
          „Mal sehen, ob einer, der über Tennis schreibt, auch Tennis spielen kann“ - Thomas Klemm schlägt sich wacker : Bild: Kretzer, Michael

          Während ich am Rande des Offenbacher Centre-Courts im Schatten stehe, literweise Mineralwasser in mich hineinschüttete und schon beim Zuschauen schwitze, jagt Andrea Petkovic über den Platz. Eine Stunde lang dauert das Training mit ihrem Coach Petar Popovic. Sie hauen sich die Bälle um die Ohren, die meisten Schläge landen zentimetergenau vor der Grundlinie. Lässt Popovic, in der Herren-Weltrangliste einst auf Platz 411 notiert, einen Tick nach, macht die Darmstädterin kurzen Prozess, drischt auf den Ball und gewinnt den direkten Punkt. Ich befürchte, einzugehen wie eine Primel.

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