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Spitzensurfer Kelly Slater : Der Meerversteher

  • Aktualisiert am

Der Superstar der Szene ist im Surfort Cocoa Beach an Floridas Atlantikküste groß geworden Bild:

Kelly Slater ist der König der Surfer, neunmaliger Weltmeister und spielt in der ersten Promi-Liga. Im F.A.Z.-Gespräch erzählt Slater von der Rückkehr in die Weltspitze, seinem Hass auf Baywatch und dem Traum vom ganz normalen Leben.

          Der Ozean ist sein Element, doch er muss erst einmal ins Wasser kommen. Wenn Kelly Slater bei den großen Surfevents zu seinem Wettkampf gerufen wird, muss er aus der sicheren Festung des Fahrerlagers auf den Dünen hinunter ans Meer, und das ist für ihn oft anstrengender als der folgende halbstündige Zweikampf, den Slater in der Regel zu gewinnen pflegt.

          Zwei Bodyguards nehmen den Amerikaner dann in die Mitte und eskortieren ihn durch johlende Fans und kreischende Mädchen. Slater, der in Cocoa Beach in Florida aufwuchs, ist der Superstar der Surfszene, gerade ist er in Mundaka im spanischen Baskenland zum neunten Mal Weltmeister geworden, und hätte er zwischen 1998 und 2003 nicht eine Wettkampfpause eingelegt, dann hätte er das Dutzend womöglich längst vollgemacht.

          Slater ist aus der Surferszene herausgewachsen

          1992, mit 20, hat Slater seinen ersten WM-Titel gewonnen, mittlerweile ist er 36. Er ist längst aus der Surferszene herausgewachsen, steckt aber in deren Klischees fest, weil er - wenn man so will - das Pech hat, immer noch der Beste zu sein. Es ist paradox: Slater steht im Mittelpunkt, gehört aber nicht mehr dazu. Der König der Surfer geht am Abend nach dem Wettkampf kein Bier mit den anderen trinken, er wohnt, wenn möglich, nicht im gleichen Hotel. Noch immer liebt Slater den Zweikampf im Wasser, doch das manchmal so verkrampft entspannte Drumherum, diese häufig bloß inszenierte Event-Coolness, geht ihm zunehmend auf die Nerven.

          Kelly Slater, neunmaliger Weltmeister

          Der Freund der schönen Frauen spielt in der ersten Promi-Liga

          Wer Slater am Rande eines der großen Wettkämpfe sprechen will, muss meist lange warten, nicht weil Slater unhöflich wäre, sondern weil er keine drei Schritte gehen kann, ohne von Fans belagert zu werden. Während andere Profis unerkannt und unbehelligt ihres Weges gehen, ist Slater einer, der die Blicke auf sich zieht wie der Strand die Wellen, einer, den die Männer bestaunen und die Frauen anhimmeln.

          Slater, ein Beau mit stahlblauen Augen und stechendem Blick, hatte Pamela Anderson zur Busenfreundin, war mit Supermodel Gisele Bündchen liiert, golft mit Cameron Diaz und lässt sich gern mit Julia Roberts sehen - er spielt in der ersten amerikanischen Promi-Liga. Ist Slater bei einem der Tour-Stopps dem Hype entkommen, haben sich die Türen hinter ihm geschlossen, trifft man einen freundlichen, nachdenklichen Mann.

          Sie sind mit 36 Jahren überlegen zum neunten Mal Weltmeister geworden. Machen Sie nächstes Jahr die Zehn noch voll?

          „Ich weiß nicht. Ich muss nicht. Ich bin nicht der Affe dieser Zahl. Ich mag die Vorstellung, dass ich jetzt die Chance habe, aber eigentlich möchte ich endlich davon wegkommen, nur ein Surfer zu sein, ich möchte hin zu meinem eigenen Leben.“

          Sie galten früher als gnadenloser Wettkämpfer. Seit Ihrem Comeback wirken Sie lockerer. Was hat sich geändert?

          „Ich bin ruhiger geworden, gelassener. Vor zehn Jahren war ich viel verbissener, viel mehr auf den Wettkampf fixiert, auf das Gewinnen, ich war sehr viel aggressiver. Jetzt ist der Wettkampf nicht mehr so wichtig für mich - ich weiß, das hört sich lustig an nach einem so erfolgreichen Jahr wie diesem. Aber ich bin nicht in diese Saison gegangen, um Weltmeister zu werden. Beim zweiten Weltcup wollte ich gar nicht antreten, aber dann hat mich meine Freundin weggeschickt, weil sie sich in Ruhe auf eine Prüfung an der Uni vorbereiten wollte.“

          Die lange Pause hat Ihnen gutgetan?

          „Ja, es sind viele Dinge passiert während dieser Zeit. Mein Vater ist gestorben, und ich habe dadurch viel über mich selbst erfahren. Ich bin wieder näher an meine Familie gerückt.“

          Auf der Suche nach innerer Ruhe hat sich Slater während seiner Pause mit vielem beschäftigt, mit Spiritualität und Buddhismus, aber letztlich war es der Tod seines Vaters, der ihn veränderte. Slater senior war Alkoholiker, zeit seines Lebens gewalttätig, der Sohn, der keinen Tropfen Alkohol trinkt, hatte den Kontakt zu ihm schon lange abgebrochen, ehe er sich angesichts der schweren Krebserkrankung des Vaters mit ihm versöhnte. Kelly Slater verschob sein für 2002 geplantes Comeback und pflegte den Vater bis zu dessen Tod.

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