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NBA-Star Kevin Durant : 164 Millionen Dollar für eine ungewisse Zukunft

  • -Aktualisiert am

Spielt künftig nicht mehr in der Bay Area: Kevin Durant wechselt in der NBA zu den Brooklyn Nets. Bild: AFP

Der Basketball-Star ist eigentlich schlimm verletzt und spielt in der nächsten Saison gar nicht. Dennoch verlässt er sein Top-Team in der besten Liga der Welt in Richtung New York – für ein fürstliches Gehalt.

          Ein Nonstopflug von Schanghai nach New York dauert fast 15 Stunden. Aber Stephen Curry war sicher, dass sich diese Anstrengung lohnen würde, als er am Sonntag in China seine Werbetour für eine neue Sportbekleidungslinie beendete und sich auf den Weg machte. Das Ziel des amerikanischen Basketballprofis: seinen langjährigen Mannschaftskameraden Kevin Durant zu treffen und zu überzeugen, bei den Golden State Warriors zu unterschreiben, mit denen er zweimal den Meistertitel gewonnen hatte.

          Theoretisch stimmte das Timing. Zwar hatte es tagelang rumort, dass sich Durant, nachdem er die vertraglich garantierte Option in den Wind geschlagen hatte, noch ein Jahr in Kalifornien dranzuhängen, einen neuen Klub suchen wolle. Aber die Entscheidung schien nicht definitiv. Denn die NBA gestattet aus Gründen der Wettbewerbsfairness konkrete Verhandlungen zwischen Teams und Spielern eigentlich erst ab einem für alle geltenden Stichtag. In diesem Jahr: dem 30. Juni.

          Curry hätte sich den Trip sparen können. Denn schon zwei Stunden vor dem auf 18 Uhr Ostküstenzeit festgelegten Ende des Moratoriums machte die Nachricht die Runde: Durant wird bei den Brooklyn Nets unterschreiben. Und nicht nur er. Der Klub, den der russische Oligarch Michael Prochorow 2010 an einem sportlichen Tiefpunkt mit dem Versprechen gekauft hatte, „uns allen eine Meisterschaft zu bringen“, war schon vor dem Termin mit gleich zwei weiteren prominenten Spielern handelseinig geworden: mit Spielmacher Kyrie Irving, der 2016 mit den Cleveland Cavaliers den Titel geholt hatte und zuletzt die Nummer eins bei den Boston Celtics war, und mit Center DeAndre Jordan (von den New York Knicks), der auf dieser Position zu den Besseren in der NBA gehört.

          Curry, ein charismatischer Balljongleur und die Seele des begeisternden High-Speed-Basketballs der Warriors, verfügte einst über sehr viel mehr Anziehungskraft. Er hatte im Laufe der Jahre nicht nur Basketballer überzeugt, nach Kalifornien zu wechseln, sondern auch den Trainer Steve Kerr. Doch seit sich Durant vor ein paar Wochen im fünften Spiel der Endspielserie gegen die Toronto Raptors einen Riss der Achillessehne zuzog, fasste der einen völligen Neuanfang auf der anderen Seite des Kontinents ins Auge.

          Abgesehen vom Geld – 164 Million Dollar brutto über vier Jahre, dem im Tarifvertrag zwischen NBA und Spielergewerkschaft festgelegten Maximalbetrag für einen Basketballprofi von Durants Kaliber – bringt der Wechsel ein Karussell in Schwung, das für eine massive ligaweite Verschiebung der Kräfteverhältnisse sorgt. Nicht nur steigen die Nets auf einmal in die erste Klasse der Teams der Eastern Conference auf. Golden State weist nun neben seinen hochbezahlten drei Stars (Stephen Curry, Klay Thompson und Raymond Green) nur noch ein Gerippe auf. Angesichts der sogenannten Salary Cap fehlt mittlerweile das Geld, um den Kader mit respektablen Spielern aufzufüllen. Dazu kommt, dass Thompson wegen eines Kreuzbandrisses einen erheblichen Teil der kommenden Saison ausfallen wird.

          Anderswo leisten ambitionierte Umbauprojekte seit Sonntag einen weiteren Beitrag zu einem unübersichtlichen Hin und Her, wie es das in der NBA schon lange nicht mehr gegeben hat. So ließen die Boston Celtics mit Kyrie Irving und Al Horford (zu den Philadelphia 76ers) zwei Spitzenkräfte ziehen, brachten aber im Gegenzug die Charlotte Hornets unter Druck, weil sie dort den Aufbauspieler Kemba Walker loseisten. In der nächsten Phase geht es für den Klub, bei dem der Braunschweiger Daniel Theis unter Vertrag ist, darum, sich noch einen guten Center zu angeln. Was für die Gerüchte verantwortlich ist, wonach sich das Team für den Schweizer Clint Capela von den Houston Rockets interessiert.

          Vorbote eines langsamen körperlichen Verschleißes

          Eine Tauschaktion über zwei Phasen zwischen den Los Angeles Lakers und den New Orleans Pelicans sorgte ebenfalls für viel Bewegung. Um den Ausnahme-Center Anthony Davis zu bekommen, der die Titelambitionen von LeBron James, dem derzeit besten Basketballer weltweit abstützen soll, gaben die Lakers gleich drei Spieler sowie drei zukünftige Draft-Plätze ab. Dann schoben sie in einem weiteren Paket die beiden deutschen Nachwuchshoffnungen Moritz Wagner und Isaac Bonga (plus Jemerrio Jones) an die Washington Wizards ab. Die Transaktion reduziert das Gehaltsvolumen, so dass sich der Klub einen weiteren Superstar leisten kann.

          So aufsehenerregend der Wechsel von Durant zu den Brooklyn Nets auch auf den ersten Blick aussehen mag: Ob sich der für das Team rentiert, ist schwer abzuschätzen. Denn nicht nur wird der 30-Jährige in der kommenden Saison fehlen. Ein Achillessehnenriss gilt als eine der folgenschwersten Verletzungen im Basketball. Eine Studie aus dem Jahr 2013 belegt, dass ein Drittel der Betroffenen nach Heilung und Rehabilitation gar nicht mehr in die NBA zurückkehrt. Das Leistungsvermögen der anderen lässt anschließend deutlich nach. Zu den prominenten Beispielen gehört Kobe Bryant, dem das Missgeschick mit 34 passierte, als Vorbote eines langsamen körperlichen Verschleißes.

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