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Speerwerferin Steffi Nerius : „Die Wende hat mich vor Staatsdoping bewahrt“

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Im Osten aufgewachsen, im Westen erfolgreich: Steffi Nerius mit Kanzlerin Angela Merkel Bild: AP

Vom Mauerfall erfuhr sie erst einen Tag später. Bei ihrem ersten West-Besuch hat sie die Wellblechhütten vermisst. Steffi Nerius wechselte doch von Ost nach West - und wurde erfolgreich als Sportlerin und Trainerin.

          Sie waren siebzehn und Speerwerferin bei Empor Rostock, als sich die Mauer öffnete. Wie haben Sie den 9. November 1989 erlebt?

          Ich stamme von der Insel Rügen, da kommen alle Nachrichten einen Tag später an. So war das auch damals. Ich kam am Morgen zum Training, und der Trainer überraschte mich mit der Neuigkeit, dass ich mit dem Personalausweis in den Westen fahren könne. Ich hatte nichts mitgekriegt.

          Sind Sie gleich los?

          Selbst als zwei Wochen später meine Eltern kamen und sagten, wir fahren rüber, war meine Reaktion: Was wollen wir da? Ich hatte in Staatsbürgerkunde gelernt, dass das Regime BRD auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruht, während im Sozialismus der DDR alles zum Wohle der Menschen geschieht. Ich hatte vermittelt bekommen, dass es ganz Reiche gab in der BRD, die lebten in Villen, und ganz Arme in Wellblechhütten. Mich hat nichts dorthin gezogen. Wir sind dann in die Nähe von Oldenburg gefahren, und ich war überrascht, nichts von all den Bettlern und Wellblechhütten zu sehen.

          Zwei Jahre später sind Sie in den Westen gezogen. Warum?

          Mein Trainer sagte zu mir: „Es kann sein, dass ich morgen arbeitslos bin und die Sportschule eingestampft wird. Wenn ich dir einen Rat geben kann: Such dir einen Verein im Westen.“ Franka Dietzsch . . .

          . . . die später dreimal Diskus-Weltmeisterin wurde . . .

          Sie ist drei Jahre älter als ich und kannte sich ein bisschen aus. „Leverkusen soll ein guter Verein sein“, sagte sie. Ich habe daraufhin einen Brief an den Präsidenten des TSV Bayer Leverkusen geschrieben. Wenig später luden Heide Ecker-Rosendahl und der Wurftrainer Rudi Hars mich und meine Eltern zu einem Besuch nach Leverkusen ein.

          Und Franka Dietzsch?

          Sie war mit uns dort. Sie ist so heimatverbunden, dass sie sich nicht entscheiden konnte, so weit weg zu gehen. Ich lebe inzwischen schon länger im Westen, als ich im Osten gelebt habe.

          Wo Deutschland draufsteht, ist Steffi Nerius darunter - mit ihrem Markenzeichen: Stirnband-Botschaften

          Bis zu Ihrem internationalen Durchbruch mit Platz vier bei den Olympischen Spielen von Sydney vergingen fast zehn Jahre. Ist das die normale Entwicklung in Ihrer Sportart, oder mussten Sie sich erst akklimatisieren?

          Ich glaube, dass es eine stetige Entwicklung meiner Persönlichkeit und meiner sportlichen Leistungen war. 1991 bin ich mit 20 nach Leverkusen gekommen, und Mitte 1992 habe ich zu meinen Eltern gesagt: Das ist nichts für mich, ich muss zurück. Im Sportstudium und im Verein hatte ich viele nette Leute kennengelernt. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich sportlich den Durchbruch nicht geschafft hatte. Dann bin ich bei der deutschen Meisterschaft Dritte geworden. Bei dem Niveau, das wir damals in Deutschland hatten, war das für mich sensationell und gab mir einen Motivationsschub.

          Wer war die Nummer eins?

          Silke Renk aus Halle. Sie ist in Barcelona Olympiasiegerin geworden. 1993 war ich in Stuttgart erstmals bei einer Weltmeisterschaft und belegte den neunten Platz. 1994 war ich verletzt, aber von 1995 an war ich immer so stark, dass ich eine Medaille hätte holen können. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich international mithalten kann. Ich schaffte es aber nicht, mein eigentliches Leistungsvermögen im entscheidenden Moment im Wettkampf abzurufen.

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