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Thomas Röhler : Der Speer und er

  • -Aktualisiert am

Neue Bestleistung: Thomas Röhler beim Wurf Bild: dpa

Von Kindesbeinen an begleitet Thomas Röhler die Leidenschaft, Dinge fliegen zu lassen. In Turku übertraf er mit dem Speer nun die magische 90-Meter-Marke. Das weckt Begehrlichkeiten für die Olympischen Spiele.

          Thomas Röhler jagt die Rekorde nicht. Sie kommen irgendwann von selbst, davon war er immer überzeugt. Nicht, dass er sie nicht gewollt hätte. Auf seiner Speertasche steht sie ja: die Neunzig. Jetzt ist die magische Marke gefallen. Im finnischen Ort Turku warf Röhler am Mittwochabend 91,28 Meter. Weiter warfen mit den neuen Speeren überhaupt nur zehn Männer, einer davon der Deutsche Raymond Hecht (92,60). „Ich hab‘ das Gefühl, da kommt noch was“, das waren Röhlers Worte zum Abschied am Flughafen.

          Fünf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele ist der 24-Jährige in bestechender Form. Worum es in Rio gehen soll? „Eine Medaille, na klar.“ Keine Frage bei seinen Weiten in dieser Saison. Röhler wirft konstant über die 85 Meter. Er fühlt sich bereit für den ganz großen Wurf, ist nicht mehr der kleine Junge, der seine Passion beim Steineschnippen an der Ostsee entdeckte. In diesem Jahr hat er drei Mal die Weltjahresbestleistung verbessert. Zum fünften Mal in Serie ist er deutscher Meister geworden. Bei der Europameisterschaft in Amsterdam, die am Mittwoch beginnt, ist er Favorit.

          „Möglichst lange zugucken“

          Dabei hat er 2009 erst mit der Disziplin begonnen. Vom Dreisprung wechselte Röhler zum Werfen. Die Freude am „Dinge fliegen lassen“ hat ihn seit Kindertagen nie losgelassen. „Wir Speerwerfer gönnen uns alle einander Erfolge. Wir wollen doch alle nur, dass die Speere weit fliegen und wir möglichst lang zugucken können“, meint Röhler. Er hat sich die kindliche Freude bewahrt, obwohl er längst mit dem Sport sein Geld verdient.

          Doch er mag es nicht beschreien. Bislang war es oft so gewesen, dass bei allen möglichen Wettkämpfen tolle Werte standen. Wenn es drauf ankam, wie vergangenes Jahr bei der WM in Peking, reichte es nicht fürs Podest. Das soll sich ändern. Die konstant starken Weiten seien immerhin „ein feiner Rückenwind“, findet Röhler. Leichtigkeit ist sein Stichwort: Im Gegensatz zur Konkurrenz ist der Thüringer keiner, der über die Kraft kommt – die Technik und das leichtfüßige Tänzeln beim Anlauf auf Tartan sind seine Stärke.

          Auf dem Weg nach Rio macht er auf der ganzen Welt Station. Jede Woche ein neues Meeting, mitunter zwei – nur daheim, in Jena, bekommen sie ihn kaum zu Gesicht. „Die Wettkämpfe sind im Moment die wichtigsten Trainingseinheiten“, sagt er. Leisten kann er sich die Umfänge nur, weil das Studium abgehakt ist: Seine Bachelor-Thesis in Sportwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre hat er im März abgegeben. Der Master soll schnellstmöglich folgen. Und jetzt, in Turku, gleich zwei Würfe über neunzig Meter, erst 91,28, dann 91,04 Meter. Was wird mit der Tasche? „Der Aufkleber kommt bald ab“, meint Röhler. Zeit für neue Herausforderungen.

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