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Speerwerfer Thomas Röhler : Die Kunst des Nichtplanens

Training auf der heimischen Terrasse: Speere lässt Thomas Röhler derzeit eher weniger fliegen. Bild: dpa

Thomas Röhler geht die Krise als Leistungssportler pragmatisch an. Es komme auf das Mindset an, sagt er. Im Fernsehen gibt er Fitnesstipps für Kinder.

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          „Entspannung zulassen“ gibt Thomas Röhler derzeit als Devise an, um sich an die verzwickte sportliche Lage in der Corona-Krise anpassen zu können. Dass er als Olympiasieger im Speerwurf aktuell nur ein Training absolvieren könne wie „jeder normale Fitnessbegeisterte“, müsse er eben akzeptieren. Der 28-Jährige hat aber immerhin eine ausreichend große Terrasse am Haus, die zu seinem Glück vor wenigen Tagen fertiggestellt wurde. Da auch das Wetter mitspielt, kann der Hochleistungsathlet selbst in Homeoffice-Phasen zumindest Outdoor-Übungen absolvieren, wie er auf seiner Instagram-Seite auch eifrig darstellt.

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          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          „Es kommt auf das Mindset an“, meint der Weltklasse-Speerwerfer über den Umgang als gesunder Mensch mit der Corona-Krise: „Es gibt Leute, die es auf sich projizieren.“ Die hätten ein Problem. Röhler selbst gibt an, sich im Dienste der Allgemeinheit mit der eingeschränkten Lage arrangieren zu können; er habe „die Freiheit“, den Empfehlungen und Anweisungen Folge zu leisten.

          Noch Anfang März weilte der Olympiasieger im Trainingslager in der Türkei, dann reiste er, als sich die Corona-Lage zuspitzte, so schnell es ging, ab – ließ dabei sogar seine Speere zurück, um sich nicht im Klein-Klein der Zollbehörden mit seinem gefährlichen Sperrgepäck zu veheddern und womöglich den Rückflug zu verpassen. Mittlerweile sind seine Sportgeräte sogar wieder in Jena angekommen – dank der Hilfe einiger Kollegen, die später abflogen. Nutzen kann er die Speere freilich nicht, obwohl normalerweise die beste Zeit wäre, um sich dem Wettkampfniveau zu nähern. Für Mitte April war ursprünglich das erste Meeting der Diamond League in Doha angesetzt.

          Es kommt auf das „Mindset“ an

          Mit der Großstadt in Qatar verbindet der Jenaer gute und schlechte Erinnerungen. Dort hatte er 2017 seine bis heute gültige persönliche Bestweite von 93,90 Metern erreicht. Dieser Wurf bedeutete seinerzeit deutschen Rekord und war bis dato der zweitweiteste Wurf der Leichtathletik-Geschichte, seitdem 1986 der „neue“ Speer eingeführt wurde. Zwischenzeitlich hat ihn allerdings sein Teamgefährte Johannes Vetter (94,44 Meter) übertroffen und auf Rang drei der ewigen Bestenliste verdrängt. Doch Doha ist auch als Tiefpunkt in Röhlers persönlicher Werfergeschichte vermerkt, die sonst zahlreiche Glanzpunkte vorweisen kann.

          Bei der Wüsten-WM im Herbst 2019 war er mit 79,23 Metern bereits in der Qualifikation gescheitert, nachdem er bei den Weltmeisterschaften 2015 und 2017 noch jeweils Vierter geworden war. Der reflektierte Sportler gibt an, gemeinsam mit seinem Trainer Harro Schwuchow aus dem Fehlschlag gelernt zu haben. Beim Speerwerfen sei es nun mal so, dass „sehr kleine Fehler einen großen Einfluss“ haben können. „Dies war in Doha der Fall.“ Doch letztlich sei es „nur ein Tag in einer sehr langen Karriere“ gewesen. Es kommt eben auf das „Mindset“ an.

          Pragmatische Linie

          Trotz des negativen Schlusspunkts des WM-Jahres war Röhler mit positiver Grundhaltung in die vermeintliche Olympia-Saison gestartet: 2020 peilte der 28-Jährige die Verteidigung von zwei Titeln an, außer seinem Olympiasieg 2016 wurde er 2018 auch Europameister. Nun wurde Olympia längst um 364 Tage verschoben, doch die kontinentale Meisterschaft steht derzeit noch im Terminkalender. Sie ist für Ende August 2020 in Paris geplant – und obwohl der Champion von Berlin nicht weiß, ob sie tatsächlich stattfinden kann, sieht er die EM „definitiv als Highlight 2020“ in dem verkürzten Sportjahr an – für das es sich immer noch zu arbeiten lohne.

          Röhler bleibt auch in der Terminfrage seiner pragmatischen Linie treu: „Man versucht zu planen, aber derzeit ist das Nichtplanen die Kunst.“ Als Mitglied der Athletenkommission des Leichtathletik-Weltverbandes kritisiert er gleichwohl die mangelhafte Kommunikation des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit den Sportlern. Noch kurz vor der Olympia-Verschiebung habe das IOC den Sportlern gesagt, „dass wir weitertrainieren sollen“. Er habe nicht wahrgenommen, dass von führenden Funktionären ernsthaft mit den mündigen Athleten über Terminpläne gesprochen wurde.

          Seine Stimme erhebt Röhler nun vor allem im Kleinen. Als prominenter Sportler ist er in die Initiative „WirBleibenZuhause“ des Bundesgesundheitsministeriums involviert. Im Programm der „Sportmacher“ bringt er sich mit Fitnesstipps für Kinder ein, die an diesem Donnerstag (19.25 Uhr) im Kika gesendet werden. „Mut machen“ lautet seine Devise, auch für die Zukunft der Leichtathletik sieht er keineswegs schwarz. Röhler glaubt, die Leute würden den organisierten Sport „richtig lieben“, wenn sie ihn wieder ernsthaft und freudvoll betreiben dürften. Auf eine Ausnahmegenehmigung für sich als Einzelsportler drang er übrigens nicht: „Das derzeitige Verbot trage ich mit, das geht in Ordnung.“ Binnen kürzester Zeit könne er sich wieder in Form bringen, wenn das Trainingsverbot aufgehoben ist. Bis dahin lässt er seine Speere ruhen: „Alles andere wäre im häuslichen Umfeld gefährlich.“

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