https://www.faz.net/-gtl-9pp2f

Speerwerfer Andreas Hofmann : „Unfassbar, ich bin sprachlos“

  • -Aktualisiert am

Die Ruhe vor dem Wurf: Andreas Hofmann Bild: dpa

Andreas Hofmann ist derzeit das Maß aller Dinge im Speerwerfen. Er ist ein Mann, der dabei eine glänzende Figur abgibt – und mit sich im Reinen zu sein scheint. Selbstbewusst peilt Hofmann besondere Ziele an.

          3 Min.

          „HammerFettBombeKrass“ war so etwas wie das (Un-)Wort des Jahres 2018 im Sport. Von Rapper Sido und Komiker Helge Schneider kreiert, hat es Speerwerfer Andreas Hofmann in der Begeisterung über seine Erfolge in die Sportsprache übernommen. „Hammerkrass“ ist, salopp gesagt, auch seine derzeitige Form, Hofmann ist derzeit das Maß im Speerwerfen. Er hat bereits vier Siege in der noch jungen Weltmeisterschafts-Saison errungen, zuletzt seinen zweiten Diamond-League-Erfolg in Monaco, zuvor hatte er in Schanghai gewonnen: Mit 15 Schritten Anlauf wirft Hofmann den 800 Gramm schweren Speer in den Nachthimmel. Als dieser bei 87,84 Metern landet, reißt er seine Arme hoch und brüllt seine Anspannung hinaus. Ein Glücksmoment.

          Der 27 Jahre alte Mannheimer ist ein bodenständiger, authentischer Typ ohne jegliche Starallüren, wie ihn Bundestrainer Boris Obergföll charakterisiert. Speerwerfen ist für ihn keine Show, sondern Wettkampf. Allerdings präsentiert Hofmann dabei – natürlich – einen gestählten Körper wie auf einer Body-Builder-Bühne: 1,95 Meter groß und 105 Kilogramm schwer, ein Modellathlet. Ein Mann, der eine glänzende Figur abgibt – und mit sich im Reinen zu sein scheint. „Ich habe ein sehr harmonisches Umfeld bei Familie, Freunden und im Sport“, beschreibt er sein inneres Gleichgewicht, „meine Grundeinstellung ist zu 100 Prozent positiv, und ich sehe das Gute im Menschen.“

          2018 war ein bedeutsames Jahr für Hofmann. In Nürnberg wurde er mit Meisterschaftsrekord (89,55 Meter) erstmals deutscher Meister. „Es war ein Riesenereignis, dort zu gewinnen“, sagt er über dieses Ereignis. Mit großer Vorfreude reiste er deshalb zu den Europameisterschaften ins Berliner Olympiastadion und wurde vor 60.000 Zuschauern EM-Zweiter. Die Saison krönte Hofmann bei seinem Sieg im Leichtathletik-Tempel Letzigrund in Zürich mit 91,44 Metern und dem zweitbesten Wurf seiner Karriere. Das brachte ihm immerhin 50.000 Dollar (43.000 Euro) ein. Der Durchbruch in eine neue Dimension des Speerwerfens. „Unfassbar, ich bin sprachlos.“ Hofmann staunte über sich selbst und verlor trotz der beträchtlichen Gage für einen Speerwerfer nicht den Boden unter den Füßen. Investieren, nicht anlegen wolle er sein Geld, sagte der Sportstudent an der Uni Heidelberg – wenigstens einen Wanderurlaub in Berchtesgaden mit seiner Freundin gönnte er sich danach.

          Eigentlich hatte Hofmann Fußballspieler werden wollen. Doch sein Vater Jürgen, der 1980 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid Zehnter im Viererbob wurde, brachte ihn zur Leichtathletik. Eine lohnende Entscheidung. Die Hoffnung auf eine große Karriere bahnte sich an, als Hofmann 2009 U-20-Europameister wurde. Doch nicht immer war der Mann aus dem nordbadischen Waghäusel auf der Sonnenseite. Es folgten Verletzungen, eine Leidenszeit. Ein Ermüdungsbruch im Mittelfuß, ein Leistenbruch, eine Schulter-OP, bei der eine Sehne aus dem Oberschenkel in den Ellenbogen eingesetzt wurde, warfen ihn vorübergehend aus der Bahn. Doch Hofmann glaubte an sich und an seine Rückkehr. „Ich wusste, diese Zeit würde vorbeigehen.“

          Der Durchbruch in die Weltspitze folgte bei der Universiade 2017 in Taipeh. 91,07 Meter und die Silbermedaille haben den Weg nach oben geebnet. Mit seiner Bestleistung von 92,06 Metern ist er viertbester Deutscher aller Zeiten. Weltmeister Johannes Vetter hält den deutschen Rekord mit 94,44 Metern. 2,38 Meter fehlen zum Rekord, zum ganz großen Wurf? „Der kommt ganz bestimmt“, gibt sich Hofmann selbstbewusst. „Als ich Andreas im Südafrika-Trainingslager vor der Saison gesehen habe, habe ich mir schon meine Gedanken gemacht.“ Das sagt Bundestrainer Obergföll, und es bedeutet, dass er Hofmann einiges zutraut. Es geht dabei auch um die 98,48 Meter – die „magische Marke“. Jan Zeleznys Weltrekord, 1996 in Jena erzielt, ist wie einzementiert.

          Vetter und Thomas Röhler (93,90 Meter) sind ihm am nächsten gekommen. „Nichts ist unmöglich“, sagt Hofmann über die Annäherung an die 100 Meter im Speerwerfen. Dies sei zwar noch ein Stück entfernt, aber im Kopf habe er diese Weite. „Wir wollen doch keine Barrieren aufstellen, aber für eine Fabelweite muss alles stimmen.“ Bei der Rückkehr ins Berliner Olympiastadion zu den deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende (Speerwerfen am Sonntag von 15.10 Uhr an) will Hofmann seinen Titel erfolgreich verteidigen. Und bei der WM in Doha Ende September ist die nächste internationale Medaille das große Ziel.

          Weitere Themen

          Christian Streich ist außer sich

          Ärger nach Spiel in Berlin : Christian Streich ist außer sich

          Sportlich ging die Partie bei Union Berlin für den SC Freiburg verloren – doch auch mit dem Verhalten der eigenen Fans ist Trainer Christian Streich überhaupt nicht zufrieden. Nach dem Abpfiff redet er sich in Rage.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.