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Speerwerfen : Steffi Nerius lässt werfen

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Die Zeiten sind vorbei: Steffi Nerius' letzter großer Wurf bei der WM 2009 Bild: AP

Die Weltmeisterin wirft nicht mehr selbst, Steffi Nerius lässt werfen: Beim „Nerius-Cup“ wetteifern nahmhafte Athleten, darunter Europameisterin Linda Stahl und der EM-Zweite Matthias de Zordo, um Norm und Form.

          Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - wer hat das denn behauptet? Auf der Fritz-Jacobi-Anlage in Leverkusen sind am Samstag gleich zwei Weltmeister butterweich und punktgenau gelandet: der frühere Turnartist Eberhard Gienger und die ehemalige Speerwerferin Steffi Nerius, die seit ihrem Titelgewinn vor zwei Jahren in Berlin „nur noch die Speere für meine Athleten trägt“ (siehe: Leichtathletik-WM: Nerius vergoldet das Karriereende). Am Samstag stand die Achtunddreißigjährige, die sich in ihrem Klub TSV Bayer 04 inzwischen als Trainerin behinderter Athleten neue Verdienste erworben hat, noch einmal im Blickpunkt. Auch, weil sie im Tandem mit Gienger ihren ersten Fallschirmsprung elegant überstand, mehr noch, weil sie das erste reine Speerwurf-Meeting in Deutschland organisiert hatte und den Siegern anschließend den neugeschaffenen „Nerius-Cup“ übergab.

          Sonst aber genoss die Weltmeisterin und „Sportlerin des Jahres“ 2009 einen schwülheißen Sommertag, an dem andere zu Speerspitzen einer Veranstaltung wurden, der es im ersten Jahr noch am Publikumszuspruch fehlte. Linda Stahl zum Beispiel, die Europameisterin des Vorjahrs, wollte endlich die WM-Norm von 61,50 Metern übertreffen, um bei den Titelkämpfen in Daegu (27. August bis 4. September) dabei zu sein; Matthias de Zordo, 2010 mit 87,81 Metern EM-Zweiter von Barcelona nach einem spektakulären Duell mit dem norwegischen Europameister Andreas Thorkildsen, war nach Leverkusen gekommen, um seine vor einigen Tagen in Ostrau geworfene Saisonbestleistung (85,78 Meter) eindrucksvoll zu bestätigen.

          „Keine Sorge, den Schalter noch umlegen zu können“

          Doch sowohl die Leverkusenerin als auch der Saarbrücker verfehlten ihre Ziele bei weitem. Nicht so schlimm für de Zordo, der sich mit einer Weite von 79,06 Metern dem Rostocker Mark Frank (80,25) und dem Zweibrückener Juniorenweltmeister Till Wöschler (80,18) geschlagen geben musste. Der Dreiundzwanzigjährige hat die WM-Qualifikationsnorm (82,50 Meter) ja schon in Ostrau übertroffen. Bedenklicher aber für die 25 Jahre alte Ostwestfälin im Trikot von Bayer 04, blieb sie doch auch bei ihrem dritten Saisonwettkampf unter sechzig Metern (59,55).

          Speerwerfer Matthias de Zordo: Wurf über 90 Meter im Visier

          Dass trotz des heftigen Gegenwindes in Leverkusen größere Weiten möglich waren, bewies ihre Vereinskameradin Katharina Molitor. Die deutsche Meisterin des Vorjahrs übertraf die WM-Norm mit 62,93 Metern schon zum zweiten Mal in dieser Saison. Bei ihr segelte der Speer, bei der angehenden Ärztin Linda Stahl noch nicht. Auch eine Sache der Psyche, wie die Europameisterin umstandslos zugab. „Dieses Jahr ist für mich schwierig, weil ich nicht mehr als Nobody starte. Fit bin ich und deshalb mache ich mir keine Sorgen, den Schalter noch umlegen zu können.“

          „Des Trainers Marke zu knacken, sollte sein Ziel sein“

          Was jetzt noch eine Spur unharmonisch und verkrampft wirkt, sollte sich bis zur deutschen Meisterschaft in Kassel (23./24. Juli) gelöst haben. Spätestens dann muss Linda Stahl, die seit Jahren den Balanceakt zwischen einem anspruchsvollen Studium und einer Spitzensportkarriere bewältigt, die Startvoraussetzung für die WM-Teilnahme erfüllt haben. De Zordo dagegen ist ein Speerwurfprofi, der sich ganz auf sein Athletenhandwerk konzentrieren kann. Noch fehlt es dem 1,90 Meter langen und 95 Kilogramm schweren Schüler von Bundestrainer Boris Henry an der Konstanz im Wettkampf. Doch da ist der Linkshänder ganz zuversichtlich. „Im Moment“, sagt er, „treffe ich den Speer noch nicht so richtig, aber ich will ja erst am Ende der Saison in Bestform sein.“

          Dann, wenn es in Südkorea um die Glanzstücke des Jahres geht. In Leverkusen wollte de Zordo zu viel und fand so nie den Rhythmus. „Wenn der erste Wurf nicht passt“, sagte er, „kann es passieren, dass man zu denken anfängt.“ Von Daegu aber will der Speerwerfer mit Medaille zurückkommen, und einen Wurf über neunzig Meter hat er auch noch im Visier. Den hat ihm sein Trainer voraus, dessen Bestweite bei 90,44 Metern steht. „Des Trainers Marke zu knacken“, sagt Henry über seinen Meisterschüler, „sollte sein Ziel sein.“ Da de Zordo aber anders als ihm selbst vieles fast zu leicht falle, müsse er seinen Schützling „schon ein bisschen anschieben“. Nach dem Wettkampf von Leverkusen sollte das eine der leichteren Übungen sein.

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