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Spanien gewinnt Davis Cup : Eine emotionale Fiesta in Gelb und Rot

  • -Aktualisiert am

Alle auf einen: Rafael Nadal und Mitspieler feiern nach dem Matchball im Davis-Cup-Finale. Bild: AFP

Spanien gewinnt den ersten „neuen“ Davis Cup. Es ist der ersehnte wie verdiente Lohn für die Mannschaft um den überragenden Rafael Nadal. Ein anderer steht beim Sieg allerdings ebenso im Mittelpunkt.

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          Die Zauberkiste war bis zum Rand gefüllt, als Spanien den ersten Titel seit acht Jahren gewann, und am Ende war es eine sehr spezielle Fiesta in Gelb und Rot. Fast hätte man meinen können, dies sei der alte Davis Cup in seinem Glanz, aber den Siegern war das völlig egal; Gefühle kennen keine Begriffe wie alt und neu. Sie sahen den Titel als ebenso ersehnten wie verdienten Lohn einer Mannschaft um den überragenden Mann, Rafael Nadal, der in 15 Jahren nur ein einziges Einzel im Davis Cup verlor, das allererste.

          An diesem Sonntag in Madrid beim Sieg über die Kanadier stand ein anderer allerdings ebenso im Mittelpunkt. Ein paar Tage nach dem Tod seines Vaters kehrte Roberto Bautista Agut in die Mannschaft zurück, gewann die erste Partie des Tages und dankte seinen Freunden am Ende mit den Worten, das sei ein Tag wie im Traum. „Jeder Spieler, vor allem Rafa, war einfach unglaublich. Danke, dass ihr für mich da wart.“ Er lächelte dabei, und Nadal wischte sich mit dem Ärmel Tränen aus den Augen.

          Bautistas Rückkehr war auf allen Ebenen bemerkenswert; ohne ihn wäre die Sache vermutlich schwieriger geworden. Am Tag zuvor, beim Sieg im Halbfinale gegen Großbritannien, hatte Feliciano López die Position des zweiten Mannes hinter Nadal übernommen und in eher mittelprächtiger Form gegen Kyle Edmund verloren. Eine ähnliche Erfahrung wollten sich die Spanier im Spiel um den Titel vermutlich ersparen. Doch auch die Kanadier wechselten.

          Bis dahin hatten Routinier Vasek Pospisil und Denis Shapovalov alle Spiele für Kanada gemacht, der seit mehr als zwei Monaten verletzte Felix Auger-Aliassime hatte zugeschaut. Eine gewisse Unsicherheit war beim talentierten Teenager allerdings nicht zu übersehen, Bautista Agut spielte in Anbetracht der Umstände bewundernswert solide, und so hatten die Spanier den ersten Punkt schon nach zwei Sätzen (7:6, 6:3) im Kasten. Konnte sich angesichts dieser Ausgangssituation unter den spanischen Fans irgend jemand vorstellen, dass Nadal diese Führung nicht in einen Sieg verwandeln würde? No, nunca! Niemals.

          Am Ende wurde es zwar kurz noch mal beunruhigend eng, als Denis Shapovalov die ersten beiden Matchbälle bravourös abwehrte, doch mit dem dritten machte Nadal die Sache klar (6:3, 7:6) und landete danach wie so oft in Nullkommanix in Jubelpose am Boden. So endete die Premiere des reformierten Davis Cups in spanischem Wohlgefallen; kein kleiner Kontrast zu den ersten Tagen. Zu Beginn hatte vieles anders ausgesehen; leere Ränge, Nachtschichten, undurchsichtige Regeln, verbunden mit einem weit verbreiteten Gefühl, das Neue habe mit dem Alten nicht mehr viel zu tun.

          Der Präsident des Internationalen Tennis Verbandes, der Amerikaner David Haggerty, und Spaniens Fußballstar Gerard Piqué, der mit seiner Unternehmensgruppe die Rechte erworben hatte, meinten in ihrer Bilanz, sicher, manche Dinge seien verbesserungswürdig, und daran gelte es zu arbeiten. Wenig überraschend versicherten sie sich aber auch gegenseitig, die Woche in Madrid sei ein phantastischer Start gewesen und mache Lust auf mehr.

          Vieles war gewöhnungsbedürftig, aber es gibt auch positive Ansätze im reformierten Wettbewerb, und dazu gehört die Aufwertung des Doppels. Im neuen System mit zwei Einzeln fiel die Entscheidung in vielen Spielen im abschließenden Doppel, und das ist gut für die Emotionen. Fünf der sechs Spiele im Viertel- und Halbfinale wurden so entschieden, nur die deutsche Begegnung gegen die Briten nicht. Kevin Krawietz und Andreas Mies wären zu gern noch mal auf den Platz gegangen, um die Sache zu einem glücklichen Ende zu bringen, doch nach den Einzeln war schon alles entschieden. Philipp Kohlschreiber und Jan-Lennard Struff fehlte es in ihren Einzeln nicht an Engagement, aber sie wirkten nicht mehr so frisch.

          Das Fazit des deutschen Kapitäns und Bundestrainers Michael Kohlmann hörte sich in erster Linie positiv an. Das Team habe sich sehr gut präsentiert, sagte er, was mit drei Neulingen nicht so leicht gewesen sei. „Wir sind jetzt zwei Jahre hintereinander ins Viertelfinale gekommen – klar, das ist noch nichts Außergewöhnliches, aber wir haben gezeigt, dass wir immer eine Rolle spielen und alles geben. Wir gehen sehr zuversichtlich ins Jahr 2020.“ Mit dem Einzug ins Halbfinale hätte sich das Team für die Endrunde des kommenden Jahres qualifiziert, so geht das nur über einen Sieg in der ersten Runde im März 2020, die wie im alten System in vier Einzeln und einem Doppel entschieden wird. Am ersten März-Wochenende werden die Deutschen zuhause gegen Weißrussland spielen.

          Ob es am System lag oder schlicht Zufall ist: Die Endrunde brachte eine Nation ins Finale, die nie zuvor um den großen Pokal gespielt hatte und für dieses Jahr mit der nächsten dicken Schlagzeile zu Ende geht. Nach Feiern und Feuerwerken allerorten in Kanada für den Sieg von Bianca Andreescu bei den US Open deutet der Erfolg der jungen Leute im Davis Cup darauf hin, welche Rolle das Land in nächster Zeit im Tennis spielen kann.

          Der riesige Pokal bleibt bei der ersten Auflage des neuen Formats in Spanien.
          Der riesige Pokal bleibt bei der ersten Auflage des neuen Formats in Spanien. : Bild: EPA

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