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Spätes Doping-Geständnis : Marion Jones macht ihrer Lebenslüge ein Ende

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In ihrem Brief schob sie die Hauptverantwortung für die Verwendung des Designer-Doping-Mittels auf Graham, dessen Prozess Ende November in San Francisco beginnen soll. Er habe ihr erklärt, bei der Substanz handele es sich um Leinsamenöl. Dass sie bei ihren früheren Aussagen nicht die Wahrheit gesagt habe, schob sie auf eine Panikreaktion.

Arrangement mit der Staatsanwaltschaft?

Marion Jones wird in einer Woche 32 Jahre alt. Sie hatte bereits vor Monaten wirtschaftlich den Tiefpunkt erreicht, als sie im Rahmen eines weiteren Rechtsstreits ihr Vermögen mit weniger als 2000 Dollar angab. Von Tim Montgomery, dem Vater ihres Sohnes Monty, hat sie sich mittlerweile getrennt. Der frühere Weltrekord-Sprinter und Doper sieht einer längeren Gefängnisstrafe wegen Scheckbetrugs entgegen. Mittlerweile hat Marion Jones wieder geheiratet - Obadele Thompson, einen in Texas lebenden Sprinter aus Barbados. Im Juli wurde sie zum zweiten Mal Mutter.

Ihr Geständnis zielt nach Angaben der „New York Times“ darauf ab, im Rahmen eines für die Vereinigten Staaten typischen Arrangements mit der Staatsanwaltschaft eine mildere Strafe zu erhalten als die sechs Monate Gefängnis, mit denen ihr Delikt mindestens geahndet wird.

Erhält nun Ekaterini Thanou Sydney-Gold?

Im Dezember 2004 eröffnete das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein Untersuchungsverfahren auf der Grundlage der Balco-Enthüllungen. Eine Disziplinarkommission hat nun den Auftrag, zu untersuchen, ob die damalige Doping-Praxis Einfluss auf olympische Wettkämpfe hatte. Wie das IOC mitteilte, will die Kommission unter Vorsitz des deutschen Vizepräsidenten Thomas Bach so viel Erkenntnisse wie möglich aus Marion Jones' Äußerungen ziehen und in Zusammenarbeit mit dem Amerikanischen Olympischen Komitee (USOC) und dem Internationalen Leichtathletik-Verband diesem „bedauerlichen Fall“ auf den Grund gehen.

Im Juni 2006 wurde ihr bei den nationalen Leichtathletik-Meisterschaften in der A-Probe die Einnahme von Erythropoetin (Epo) nachgewiesen. Weil die B-Probe jedoch negativ ausfiel, kam die Sprinterin wieder einmal davon. Und das, obwohl Balco-Gründer Victor Conte im amerikanischen Fernsehen ausgesagt hatte, dass Marion Jones vor und während der Olympischen Spiele 2000 in Sydney Steroide, Wachstumshormon und andere illegale Substanzen genommen habe; und obwohl ihr erster Ehemann, der Kugelstoßer C. J. Hunter, dessen Doping-Fall auf spektakuläre Weise in den Tagen von Sydney bekannt geworden war, ebenfalls berichtet hatte, auf welche Weise die bislang zweitschnellste Frau der Welt verbotene Substanzen zu sich genommen hatte.

Falls Marion Jones vom IOC die Goldmedaillen aberkannt werden, würde im 100-Meter-Lauf ausgerechnet die in Sydney zweitplazierte Ekaterini Thanou aufrücken, eine Betrügerin wie Marion Jones, nur in einem anderen Olympiajahr aufgefallen. Die Griechin hatte 2004 in Athen mit ihrem Sprinterkollegen Kostas Kenteris für einen Skandal gesorgt, als beide am Tag vor der Eröffnungsfeier von den Spielen ausgeschlossen wurden, weil sie sich durch Flucht aus dem Athletendorf einer Doping-Kontrolle entzogen hatten. Die Doping-Story geht weiter.

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