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Snooker : O’Sullivan zieht den Kopf aus der Schlinge

Das ist noch mal gut gegangen: Ronnie O’Sullivan hat seine Erstrundenpartie gewonnen Bild: dpa

Die Snooker-Weltmeisterschaft in Sheffield hätte beinahe schon die beiden Top-Spieler verloren. Nach Titelverteidiger Mark Selby stand auch Ronnie O’Sullivan vor dem Aus. Der exzentrische Superstar drehte seine Partie aber noch zu seinen Gunsten.

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          Snooker heißt übersetzt so viel wie „jemanden in eine schwierige Situation bringen“. Das passt für das strategische und hochkomplexe Spiel, es passt aber auch besonders für Erstrundenpartien bei der alljährlich im legendären Spielort Crucible Theatre im englischen Sheffield ausgetragenen Weltmeisterschaft. Denn nicht selten scheitern die großen Favoriten schon in der ersten Runde des Endturniers der besten 32 Spieler der Welt, weil sie mit einem nicht zu unterschätzenden Nachteil ins Turnier gehen: Die Gegner der 16 topgesetzten Spieler haben sich in den Tagen vor dem offiziellen Beginn allesamt durch eine Qualifikation gequält und sind entsprechend im Spielrhythmus.

          Diese Ausgangslage erklärt, weshalb am Samstag sowohl Titelverteidiger Mark Selby wie auch Ronnie O'Sullivan in ihren Begegnungen jeweils die ersten vier Frames bis zur ersten Pause verloren gegen ihre Herausforderer Joe Perry und Stephen Maguire, im vorhinein allgemein als lösbare Aufgaben bezeichnet.

          Lösbar ist im Snooker freilich ein dehnbarer Begriff. Für alles gibt es eine Lösung, für nahezu jede Spielsituation aber auch eine Verkomplizierung. Perry gelang es beispielsweise immer wieder, Selby vor an diesem Tage kaum lösbare Rätsel zu stellen und somit zu Fehlern zu verleiten. Der Weltmeister verlor deshalb letztlich erstaunlich klar schon am Samstag mit 4:10.

          Nachtruhe hilft

          O'Sullivan spielte sich hingegen in Windeseile zunächst auf 3:4 Frames heran, dabei gelang ihm mit 118 Punkten auch das bislang höchste Break des Turniers. Und dann kam ihm nach zwei weiteren verlorenen Frames zugute, dass beim Stand von 3:6 die Session beendet und das Spiel erst am Sonntag fortgesetzt wurde. Die Nachtruhe scheint dem Superstar des Sports gut getan zu haben.

          Am Sonntag präsentierte er sich in jener Schärfe, die ihn zum herausragenden Spieler der vergangenen zwei Jahrzehnte hat werden lassen. Immer wieder überwand er enge Situationen, die ihn an den Rand der Niederlage zu führen schienen und er nutzte es aus, wenn Maguire leichte Fehler unterliefen. Der Schotte leistete sich diese Missgeschicke vermutlich auch, weil er auf dem Weg zum Sieg irgendwann doch zu viel Ehrfurcht vor dem großen Gegner bekam.

          Dann räumte der 42 Jahre O'Sullivan kompromisslos den Tisch ab und sicherte sich Frame um Frame. Gerade jene knappen Spielgewinne bezeichnete er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (erhältlich als epaper) als die besondere Motivation für ihn in „einer der einsamsten Arten von Sport“, weil diese Situationen ihn oftmals näher an den Zustand von Perfektion brächten als das perfekt gespielte Maximum von 147 Punkten, das sich vergleichbar einfach ohne Druck des Spielverlustes herunterspielen lasse.

          Ganz nebenbei sicherte sich O'Sullivan auf seinem Weg zum letztlich verdienten 10:7-Sieg gegen Maguire noch seien 1000. Frame-Gewinn im Crucible. Nun kann er am Sonntagabend entspannt beobachten, wer am Freitag (ab 11 Uhr live in Eurosport) sein nächster Gegner sein wird, den Ali Carter und Graeme Dott an diesem Sonntag ermitteln. Zur Halbzeit liegt Dott mit 6:3 in Führung. Wieder einmal ist ein Qualifikant auf dem Weg zur Überraschung.

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