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Snooker : Der weiße Ritter und der Angriff der neuen Generation

  • -Aktualisiert am

Farbige Kugeln auf grünem Filz: Die Snooker-WM in Sheffield beginnt mit Überraschungen Bild: AFP

Die Snooker-Weltmeisterschaft beginnt mit Überraschungen: Im Crucible Theatre zu Sheffield sorgt Michael White für die bislang größte Sensation. Aber auch John Higgins muss das Queue zur Seite legen.

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          Die ersten Überraschungen bei der Snooker-Weltmeisterschaft sind perfekt: Der viermalige Weltmeister John Higgins ist bereits in der ersten Runde 6:10 gegen Mark Davis ausgeschieden, wenig später erwischte es mit Mark Allen einen weiteren Top-Ten-Spieler. Der größte Coup gelang jedoch dem 21 Jahre alten Waliser Michael White. Er bezwang seinen Landsmann, das Jugendidol Mark Williams, 10:6. White, einer von sechs WM-Debütanten, könnte zur Überraschung des Turniers avancieren.

          „The Crucible‘s White Knight“, den weißen Ritter des Crucible Theatres, tauften die britischen Medien den Einundzwanzigjährigen nach dem größten Triumph seiner Karriere. „Ich bin überglücklich, es hatte sich so viel Druck in den vergangenen Jahren aufgebaut“, sagte White, der schon früh sein außergewöhnliches Talent in dem Präzisionssport aufblitzen ließ. Sein erstes Century-Break im Alter von nur neun Jahren brachte ihm einen Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ ein.

          Ein Century-Break, eine Serie von mindestens 100 Punkten am Stück, gelang White im Spiel gegen den zweimaligen Weltmeister Williams zwar nicht, aber er überzeugte mit gutem Stellungsspiel und zeigte bei seinem ersten Spiel im legendären Crucible Theatre in Sheffield keine Nervosität. Nachdem White schnell 4:1 geführt hatte, holte Routinier Williams drei Frames in Folge zum Ausgleich. Der junge Waliser blieb davon unbeeindruckt, nutzte die Fehler seines Gegners aus und machte mit einer Punkteserie von 96 die Überraschung perfekt.

          „Er war in allen Belangen besser“, sagte Williams, der die WM zweimal gewinnen konnte, anerkennend. Rechtshänder White hofft nun auf eine ähnliche Karriere wie sein großes Vorbild Williams. Dieser hatte 1997 ebenfalls als Qualifikant in Terry Griffiths eine walisische Legende aus dem Turnier geworfen und war drei Jahre später erstmals Weltmeister geworden.

          Buchmacher senken Kurse

          Die Buchmacher reagierten auf die beeindruckende Leistung Whites umgehend: Hatte ein Triumph des Außenseiters vor dem Turnier noch eine Wettquote von 250, zahlen die Wettanbieter nun nur noch das Vierzigfache des Einsatzes.

          Im Achtelfinale, das an diesem Donnerstag beginnt, trifft White mit Dechawat Poomjaeng auf einen weiteren Qualifikanten. Poomjaeng setzte sich in der bisher besten Partie des Turniers überraschend gegen Stephen Maguire durch. Der 34 Jahre alte Thailänder wollte vor lauter Nervosität zuerst am falschen Tisch spielen, stieß dann ein paar Flaschen um und rempelte die Bande an, blieb im entscheidenden Moment aber ruhig und gewann denkbar knapp 10:9.

          Als „Mister Bean des Snookers“ taufte Kommentator Dennis Taylor den liebenswerten Asiaten, der sich innerhalb kurzer Zeit in die Herzen des Sheffielder Publikums spielte. Mit dem 24 Jahre alten Sam Baird hat ein weiterer Debütant an diesem Donnerstag gegen Stuart Bingham noch die Gelegenheit, in die Runde der letzten 16 einzuziehen. Matthew Selt, ebenfalls erstmals in Sheffield dabei, liegt nach der ersten Session 3:6 gegen die Nummer eins der Welt und Topfavorit Mark Selby zurück. Ihm droht ebenso das Aus wie zuvor schon Jack Lisowski und Ben Woollaston, die ebenfalls das erste Mal bei der WM am Start waren.

          Sheffield ist snookerverrückt

          „Die neue Generation ist auf dem Vormarsch“, sagt Snooker-Legende Stephen Hendry. Aus dem britischen und asiatischen Raum kommen zahlreiche Talente, die in die Top 20 der Weltrangliste drängen. Dort sind Altmeister wie Ken Doherty oder Steve Davis längst nicht mehr zu finden; beide mussten in die WM-Qualifikation - und scheiterten. Um beim größten Turnier der Saison dennoch dabei zu sein, führt Davis Interviews für die BBC, Doherty und Hendry kommentieren die Spiele oder spielen Show-Wettkämpfe.

          Ganz Sheffield ist auf den Höhepunkt des Jahres ausgerichtet. Überall in der sechstgrößten britischen Stadt hängen Plakate und Fahnen der WM, die mit dem Slogan „Experience History in the Making“ werben. Neben dem Crucible Theatre kann man im Crucible Café oder dem Crucible Corner ein „All Day Snooker-Breakfast“ einnehmen. Im Pub „Old Monk“ stehen die Chancen am höchsten, einen der Spieler nach den Partien auf ein Guinness zu treffen. Die Snookerstars geben sich volksnah - und schauen sich zusammen mit den Fans auch schon mal eine Partie auf der Leinwand auf dem Tudor Square an.

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