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Skyliners-Basketballer N’Diaye : Der „Kohler“ aus Dakar

Voller Einsatz: Aziz N‘Diaye ist immer mit viel Konzentration am Ball. Bild: Wonge Bergmann

Basketball ist der Türöffner für Aziz N’Diaye, dem Center der Frankfurt Skyliners. Der Mann mit dem Spitznamen „Kohler“ kam eher auf Umwegen zu seinem Sport.

          Man merkt es Aziz N’Diaye schon ein wenig an, wie schwer die Zeiten für ihn und die Fraport Skyliners sind. Nachdenklich schaut der 2,13-Meter-Mann sein Gegenüber an und sagt mit dunkler Stimme: „Ich denke trotzdem immer noch positiv. Ich will dem Team helfen, indem ich von der Bank komme und mein Bestes gebe.“ Das hat in den zurückliegenden sechs Spielen freilich nicht zum Sieg gereicht. Und der Sinkflug, auf dem die Skyliners sind, dürfte auch für den 25 Jahre alten Senegalesen eine bedrückende Situation sein. Für den Center der Skyliners ist die Spielzeit auch so etwas wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Vor etwas mehr als einer Woche war N’Diaye im Spiel gegen den Mitteldeutschen BC der zweitbeste Scorer mit 13 Punkten. Das Spiel ging trotz seiner ansehnlichen Leistung verloren. Am vergangenen Wochenende konnte er beim 54:74-Debakel in Bonn nur wenig ausrichten. Vier Punkte erarbeitete er sich in elf Einsatzminuten gegen die Baskets. Ein kleiner Trost: Immerhin acht Rebounds glückten ihm. Geholfen hat es den Skyliners, die am Sonntag rettungslos verloren waren, nichts. Und natürlich ist auch für einen Nachwuchsspieler wie N’Diaye der Erfolg der Maßstab.

          Frankfurt ist die zweite Profistation des Mannes, der im Wortsinn ein Riesentalent ist. „Aziz ist ein recht alter Rookie“, sagt Cheftrainer Gordon Herbert zum Neuzugang, der auf seinem Weg zum Basketballprofi weite Strecken zurückgelegt hat. Aufgewachsen ist er in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. An seine Kindheit erinnert er sich gerne, an das Haus, das ein paar Fußminuten entfernt vom quirligen Zentrum der Hafenstadt lag, an seine Eltern, die der Familie einen relativen Wohlstand ermöglichen konnten, und an sein Lieblingsessen, das ihm seine Mutter manchmal kochte: Fisch mit Reis.. „Wir waren nicht wirklich arm“, sagt N’Diaye, der wie die meisten Kinder in seiner Umgebung über den Fußball zum Sport kam.

          Vorurteile und Stolz

          Als er schneller wuchs als die anderen, bekam er die Nachteile seiner Körpergröße im Gewusel um den Ball zu spüren. Sein Spitzname, erzählt er grinsend, sei „Kohler“ gewesen. Zum einen, weil er als 12-Jähriger mit seinen 1,86 Metern in etwa so groß war wie der frühere deutsche Fußball-Nationalspieler Jürgen Kohler, zum anderen, weil sie ihn meist in die Abwehr stellten, wo auch die Heimat des einstigen Bayern-Profis war. Als das Team den jungen Aziz dann ins Tor steckte, wusste dieser, dass er die Sportart wechseln sollte. Teilgenommen an der einen oder anderen Talentsuche-Aktion hatte er schon. Schließlich kam er beim Basketball-Camp „Seeds Academy“ unter, wo er schnell sehr erfolgreich war. 2007 ergatterte er sich eines von vier Stipendien in den Vereinigten Staaten. Den Weg dorthin beschrieb 2011 der vor allem in Amerika vielbeachtete Dokumentarfilm „Elevate“, der den Abschied der Jungen aus der Heimat und ihr neues Leben als Schüler und Basketballspieler stimmungsvoll beschreibt. „Ich bin heute noch froh, bei diesem Film mitgewirkt zu haben“, sagt N’Diaye. „Er hatte in den USA und auch in Afrika wirklich viele Zuschauer. Und mir persönlich ist es sehr wichtig, dass möglichst viele junge Menschen sehen, was sie durch den Sport erreichen können. Der Film öffnet die Türen für diese Kids.“

          N’Diaye hat einiges erreicht. In Chicago machte er seinen High-School-Abschluss. Zwei Jahre an einem College im Bundesstaat Idaho und drei Jahre an der Universität Washington folgten. Die Eindrücke in Amerika sog er wissbegierig in sich auf – auch wenn er mit dem einen oder anderen Vorurteil zu kämpfen hatte. Die Frage, ob er denn nicht vor Löwen flüchten und im Dschungel habe schlafen müssen, musste er immer wieder mal beantworten. Auf seinen College-Abschluss in Ethnischen Sozialwissenschaften ist er stolz – genau wie darüber, als junger Mensch in ein fremdes Land gekommen zu sein, eine andere Sprache gelernt und sich einen Namen als Sportler erarbeitet zu haben. Sein großer Traum ist allerdings nicht in Erfüllung gegangen. In der Summer League spielte er bei vier verschiedenen NBA-Teams vor. Aber weder die Lakers, die Golden State Warriors, die LA Clippers noch die Sacramento Kings wollten ihn verpflichten.

          „Mir fehlt noch Beständigkeit“

          Wer N‘Diaye spielen sieht, merkt schnell, woran der Sprung in die Königsklasse des Basketballs gescheitert sein dürfte: Der Center ist zwar überaus athletisch, seine Dunkings sind spektakulär, aber in der Ballbehandlung hat er noch Probleme. Dafür verfügt er über ein großes Potential und ein mindestens ebenso großes Herz. „Aziz ist ein großartiger Junge“, sagt Herbert, „und er ist ein toller Teamspieler.“ Von Frankfurt wurde er verpflichtet, als Center Marius Nolte das Kreuzband riss. Doch hat er bei den Skyliners starke Konkurrenz, denn Johannes Voigtmann ist als Brettspieler mindestens so talentiert wie sein Kollege aus Afrika. Dem Wettbewerb stelle er sich gerne, sagt er. So ist derzeit sein Platz auf der Bank, von wo aus er es dann zuweilen schafft, Schwung ins Spiel zu bringen, wenn ihn Headcoach Herbert in den Kampf um Rebounds und Körbe schickt.

          „Was mir noch fehlt, ist die Beständigkeit“, sagt N’Diaye selbstkritisch. Im Oktober hat er das zu spüren bekommen, als er wegen einer Visumsangelegenheit für zwei Wochen nach Senegal musste. Nach der Rückkehr konnte der Center nicht mehr an seine Leistungen anknüpfen und brauchte lange, um wieder in Schwung zu kommen. „Das hat ihn sehr zurückgeworfen“, sagt Herbert. N’Diaye hat es genauso empfunden. Die Frage, ob vielleicht Heimweh eine Rolle gespielt habe, verneint er: „Ich lebe hier in Frankfurt, und das ist jetzt meine Heimat.“

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