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Skistar Bode Miller : „Es gibt nicht viel, was ich an Amerika bewundere“

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Bode Miller: „Skifahren hat alles, was ich brauche” Bild: REUTERS

Beim Skifahren strebt er nach Perfektion. Freiheit ist sein größtes Ziel. Extreme sind für ihn wichtig. Der amerikanische Skistar Bode Miller im Gespräch mit der Sonntagszeitung über den Mikrokosmos Skifahren, seinen faulen Koch und sein Land, das er nicht mag.

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          Der amerikanische Skistar Bode Miller im Gespräch mit der Sonntagszeitung über den Mikrokosmos Skifahren, seinen faulen Koch und sein Land, das er nicht mag.

          Drew Stevenson, der Vordenker der Snowboardszene, nennt Sie „einen der größten Sportler aller Zeiten“, weil Sie es geschafft hätten, der Beste zu werden und dabei Ihre Wurzeln und Überzeugungen zu bewahren. Was halten Sie von einem solchen Lob ausgerechnet aus dem Lager der Snowboarder?

          Es ist schön, für etwas geschätzt zu werden, das man selbst schätzt. Die Dinge, für die ich kritisiert werde, sind ja oft dieselben Dinge, die ich an mir selbst am meisten mag. Dinge, für die ich eintrete, die ich für wichtig halte.

          „Alles ist eine Frage der Balance. Das gilt für das Skifahren wie für das Leben”

          Warum haben Sie Ihre sportliche Zukunft immer auf Ski gesehen?

          Ich bin auch Snowboard gefahren, ich war in unserer Gegend einer der Ersten. Als ich später als Skifahrer in der Vorbereitungsschule für das College war, gab es dort auch ein erstklassiges Snowboardprogramm – mit Jeremy Jones und solchen Leuten, die heute Weltklasse sind. Diese Jungs habe ich manchmal besiegt.

          Warum sind Sie nicht umgestiegen? Ihre Trainer hielten Ihre Technik doch ohnehin für die eines Snowboarders.

          Skifahren hat alles, was ich brauche. Es ist individuell, hat aber auch eine soziale Dimension. Und es hat keine Limits. Ich wollte immer ein großer Skifahrer werden, nichts anderes. Im Freestyle-Snowboarden gibt es Wertungsrichter, und so etwas gehört nicht in den Sport. Sport braucht objektive Kriterien. Wenn man über Millionen von Dollar redet und über Ruhm als ultimative Version des Erfolgs, dann kann man nicht von Leuten abhängig sein, die es hassen, wie du angezogen bist – oder etwas in der Art. Was man im Sport braucht, sind keine Wertungsrichter, sondern eine Uhr und ein Maßband.

          „Wir haben ein Haus im Wald“, schrieb Ihre Mutter einmal an die Schulbehörde, „und wir lernen dort draußen sehr viel.“ Was war das Wichtigste, das Sie dort draußen gelernt haben?

          Freiheit, sie kommt daher mit Unabhängigkeit. Und Alleinsein mit seinem Nebenprodukt, dem Denken. Wenn Leute um dich herum sind, kannst du nicht so tief denken, wie wenn du allein bist. Wenn du acht Stunden durch den Wald gehst und mit keinem Menschen sprichst, nur mit deiner inneren Stimme, dann lernst du eine Menge über dich. Du lernst dort draußen auch, Entscheidungen zu treffen. Wenn du als Kind allein im Wald bist, kannst du entscheiden: „Ja, ich gehe weiter und weiß nicht wohin.“ Dann musst du die Konsequenzen tragen. So lernst du jenen Sinn für die Realität, den Kinder nicht lernen, die alles von ihren Eltern abgenommen bekommen.

          Wie passt das zusammen: Ihre Fähigkeit, allein zu sein, und Ihre Vorliebe für Partys?

          Auch das kann man mit dem Mikrokosmos Skifahren erklären. Wenn du abfährst, dann bist du so erregt und so schnell, dass du manchmal dein Leben riskierst. Du bist verrückt. Und dann steigst du unten in den Lift, klappst den Bügel herunter und bist zu hundert Prozent sicher, langsam und ruhig. Alles ist eine Frage der Balance. Das gilt für das Skifahren wie für das Leben. Wir brauchen nicht das Mittelmaß, wir brauchen die Extreme, sie müssen wir ins Gleichgewicht bringen.

          Warum ist Ihr Vater nach Franconia gezogen? War das für ihn ein Rückzugsgebiet von der wirklichen Welt mit all ihren Zwängen?

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