https://www.faz.net/-gtl-72vo2

Skateboard : „Big Tom“ hat den Dreh raus

Die Halfpipe in Malibu: Tom Schaar in seinem Reich Bild: Sebastian Eder

Tom Schaar ist erst 13 - und verblüfft die Skateboard-Szene mit unglaublichen Tricks. Er hat geschafft, wovon alle seit zwölf Jahren träumten: den ersten „1080“ der Geschichte.

          4 Min.

          Wer auf der Jagd nach Weltrekorden ist, dem sieht man das meistens an. Weltrekordhalter sind groß, stark und breit. Schwimmer Michael Phelps wiegt 88 Kilogramm, Sprinter Usain Bolt 94. Der Amerikaner Tom Schaar wiegt 40 Kilogramm, am Freitag feierte er seinen 13. Geburtstag.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Er hat im vergangenen März in der Skateboard-Welt für eine Sensation gesorgt, als er sich von einer 15-Meter-Rampe im kalifornischen Tehachapi stürzte, senkrecht in die Luft katapultierte und den bedeutendsten Rekord der jungen Sportart sprengte. Dreimal drehte er sich in der Luft um die eigene Achse, bevor er sicher landete - es war der erste „1080“ in der Geschichte des Skateboardens.

          Mehr als zwölf Jahre waren vergangen, seit Tony Hawk bei den X Games nach elf gescheiterten Versuchen als erster Skateboarder der Welt einen „900“ gesprungen war. Diese zweieinhalb Drehungen um die eigene Achse machten Hawk 1999 zum Superstar und später auch zum Multimillionär. Nach ihm benannte Videospiele sind bis heute mehr als 30 Millionen Mal verkauft worden, Achterbahnen tragen seinen Namen. Knapp zwei Monate nach Hawks legendärem Sprung wurde Tom Schaar geboren. Während er laufen lernte, versuchten sich die ersten Skateboarder am „1080“.

          Erster Sponsorenvertrag mit 7 Jahren

          Im Jahr 2006 wollte Snowboard-Superstar Shaun White, der auch ein Weltklasse-Skateboarder ist, bei den X Games in Los Angeles Geschichte schreiben. 21 Mal schraubte er sich mit seinem Skateboard über den Köpfen der Zuschauer um die eigene Achse, 21 Mal stürzte er. Unter den Zuschauern stand ein kleiner Junge. Tom Schaar beobachtete White, als dieser wie ein Besessener versuchte, den ersten „1080“ zu landen. „Ich habe damals nicht wirklich daran geglaubt, dass ich eines Tages diesen Trick springen würde“, sagt Tom Schaar heute. „Damals“ war er sechs Jahre alt, zwei Jahre zuvor stand er zum ersten Mal auf einem Skateboard.

          “Als er sieben Jahre alt war, bekam er seinen ersten kleinen Sponsoren-Vertrag“, erzählt seine Mutter Regan. Sie sitzt im Garten eines riesigen Grundstückes in Malibu an der kalifornischen Küste. Toms Vater ist ein erfolgreicher Bauunternehmer, wer hier lebt, muss nicht aufs Geld schauen. Einer der berühmtesten Surfstrände der Welt ist mit dem Auto keine zehn Minuten entfernt, nach Los Angeles dauert es dreißig Minuten. Regan Schaar sitzt neben ihrem Sohn, hinter ihnen ragt eine vier Meter hohe Halfpipe in den Himmel. Ein Stück weiter ist im Garten ein Trampolin in den Boden eingelassen. Tom Schaar kann dort seine Drehungen üben. „Die Halfpipe haben wir bauen lassen, als er neun Jahre alt war“, sagt die Mutter. Die nächste vergleichbare Rampe stand damals in San Diego, 250 Kilometer entfernt. Irgendwann hatten die Eltern genug vom ständigen Hin- und Herfahren.

          In der Luft: Tom Schaar springt so spektakulär wie niemand sonst

          Früher waren Skateboarder Rebellen. Im Film „Dogtown Boys“ über die Anfänge des Skateboardens in den siebziger Jahren schleichen sich kiffende, saufende, prügelnde Jugendliche in Los Angeles in die Gärten leer stehender Häuser und nutzen ausgepumpte Schwimmbäder als Rampen. Die Zeiten haben sich geändert. Längst ist Skateboarden auch in Nobelorten angekommen, ist auf dem Weg zu einer Sportart wie Football oder Tennis.

          Gute Skateboarder werden immer jünger

          Tom Schaars Eltern zahlen ihrem Sohn seit Jahren einen Gymnastik-Trainer, der mit ihm auf dem Trampolin Tricks übt. „Hätte Tom lieber Football gespielt, hätten wir ihn dabei genauso unterstützt“, sagt seine Mutter. Tom aber wollte Skateboarden, also bildete Regan eine Trainings-Fahrgemeinschaft mit anderen Müttern und finanzierte Einzelunterricht, wie es in Deutschland engagierte Eltern im Tennisverein tun.

          Weitere Themen

          Es hat sich ausgeprollt

          Max von der Groeben : Es hat sich ausgeprollt

          Der 27 Jahre alte Max von der Groeben wurde bekannt mit Doofi-Rollen wie der des Danger in „Fack ju Göhte“. In seinem neuen Kinofilm spielt er sich frei. Unsere Autorin hat ihn in Köln getroffen.

          Topmeldungen

          Parteitag stimmt zu : Die SPD sagt vorerst Ja zur Groko

          Der Leitantrag zum Fortbestand der Großen Koalition findet auf dem Parteitag in Berlin eine breite Unterstützung: Die Genossen wollen ihre neuen Vorsitzenden stärken. Die sollen nun Gespräche mit der Union suchen.

          Merkel in Auschwitz : Die Bausätze des Hasses

          Die Lehre von Auschwitz lautet: Wehret den Anfängen! Schon die Vorgeschichte des Holocausts muss den Anhängern der freiheitlichen Demokratie daher eine Warnung sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.