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Skandale im Radsport : Keine Konsequenzen, keine Lust - kein Doping?

  • Aktualisiert am

Keine Überraschung I: die „Operacion Puerto” (Aufnahme einer Hausdurchsuchung vom 24. Mai 2006) bleibt für Eufemiano Fuentes ohne juristische Konsequenz Bild: dpa

Nachrichten aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Radsports: die „Operacion Puerto“ hat für Dopingarzt Fuentes keine juristischen Konsequenzen. Lance Armstrong hat keine Lust, sein gutes Gewissen zu beweisen. Frank Schleck beteuert seine Unschuld.

          Die „Operacion Puerto“ wird zu den Akten gelegt und bleibt für den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes ohne juristische Konsequenzen. Die spanischen Behörden stellten die Ermittlungen im größten Dopingskandal der Radsport-Geschichte gegen Fuentes als zentrale Figur eines mutmaßlich internationalen Doping-Netzwerkes endgültig ein. Der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano konnte dem beschuldigten Fuentes und dessen Helfern auch im zweiten Anlauf keine Straftat nachzuweisen. Er begründete die Einstellung des Ermittlungsverfahrens nach spanischen Presseberichten damit, dass die von Fuentes verabreichten Dosen des Blutdopingmittels EPO den betroffenen Profis keinen gesundheitlichen Schaden zugefügt hätten.

          Laut Untersuchungsrichter Antonio Serrano hätten die bisherigen Erkenntnisse keine ausreichenden Anhaltspunkte für weitere Justizaktivitäten oder eine Anklage gegen den Mediziner wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit ergeben. Bei der „Operacion Puerto“ der spanischen Polizei im Zuge der Dopingbekämpfung waren 2006 mehr als 200 Blutbeutel bei Fuentes und einem weiteren Mediziner, José Luis Merino Batres, beschlagnahmt worden.

          Erste Einstellung im März 2007

          Die Justiz ermittelte gegen Fuentes, den Blutspezialisten Merino Batres, den früheren Liberty-Teamchef Manolo Saiz und fünf weitere Verdächtige. Die Ermittlungen richteten sich nur gegen Sportärzte und Funktionäre, nicht aber gegen die Radprofis. Allerdings wurden mehrere Fahrer von der Tour de France 2006 ausgeschlossen.

          Keine Überraschung II: Frank Schleck beteuerte auch vor der luxemburgischen Anti-Doping Agentur seine Unschuld (Archivbild vom 21. Juli 2008)

          Der Richter hatte seine Ermittlungen im März 2007 schon einmal eingestellt. Dagegen erhob jedoch die Staatsanwaltschaft Einspruch. Sie wurde dabei von Spaniens oberster Sportbehörde (CSD), dem Weltverband UCI, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) unterstützt. Ein Gericht gab dem Einspruch statt und trug dem Richter auf, die Ermittlungen fortzusetzen.

          Neues Gutachten, abermalige Einstellung

          Wenigstens 50 Radprofis, darunter der zurückgetretene Jan Ullrich, der Ansbacher Jörg Jaksche (siehe: Nach Ablauf der Dopingsperre: Jörg Jaksche kehrt nicht zurück) und Girosieger Ivan Basso (Italien) wurden in den Akten erwähnt. Während Basso und Jaksche geständig waren, bestreitet Ullrich weiter alle Vorwürfe, obwohl gefundene Blutbeutel ihm zweifelsfrei zugeschrieben werden konnten. Die Ermittlungen gegen Fuentes waren im vergangenen Februar zum zweiten Mal aufgenommen worden. Vorausgegangen war ein erfolgreicher Einspruch der Staatsanwaltschaft gegen den ersten Einstellungsbeschluss.

          Auf der Grundlage eines neuen Expertengutachtens entschied Serrano nun zum zweiten Mal, die Ermittlungen einzustellen. „Die den Beschuldigten zur Last gelegten Vorwürfe stellten nach der damaligen Rechtslage keine strafbaren Handlungen dar“, entschied der Richter nach Angaben des Sportblatts „Marca“. Gegen die Entscheidung können die Betroffenen innerhalb von drei Tagen Einspruch erheben.

          Schleck beteuert seine Unschuld

          Doping war bei der Aufdeckung des Skandals kein Straftatbestand, weil Spanien damals kein Anti-Doping-Gesetz hatte. Dem Arzt Fuentes und dessen Helfern hätte allenfalls eine „Schädigung der Gesundheit“ der betroffenen Radprofis zur Last gelegt werden können. Im November 2006 erhielt Spanien ein Anti-Doping-Gesetz, das für dopende Ärzte und Manager Haftstrafen vorsieht. Das Gesetz konnte aber nicht rückwirkend auf die „Operación Puerto“ angewandt werden.

          Vor der Luxemburger Anti-Doping-Agentur Alad hat Radprofi Frank Schleck unterdessen seine Unschuld beteuert. Er bleibe dabei, dass er ein „reines Gewissen“ habe, zitierte die Luxemburger Tageszeitung „Tageblatt“ Schleck nach der Anhörung am Mittwochabend. Sein Anwalt Albert Rodesch betonte, „dass Frank Schleck nie gedopt hat, nie eine unerlaubte Methode angewandt hat oder versucht hat, anzuwenden“.

          Bonner Staatsanwaltschaft war auf Überweisung gestoßen

          In der Vorwoche wurde berichtet, Schleck soll Kunde des spanischen Doping-Arztes Eufemiano Fuentes gewesen sein (siehe auch: Doping-Razzia: Dem Radsport drohen neue Erschütterungen). Er könne „nicht präzise sagen, wann eventuell weitere Ermittlungen stattfinden“, teilte Alad-Präsident Robert Schuler mit, ohne Details der etwa 45-minütigen Anhörung preiszugeben.

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