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Sina Schielke : Immer noch schön, auch wieder schnell

Selbstbewusste Siegerin: acht Kilo zugenommen Bild: picture-alliance/ dpa

Die Sprinterin Sina Schielke, die mit dem Ruf kämpft, das schnellste Fotomodell Deutschlands zu sein, hat mit 25 Jahren bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig ihr Comeback in der Leichtathletik begonnen und gewonnen.

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          „Ich bin wieder da!“, rief Sina Schielke am Wochenende bei der Siegerehrung in die Halle. „Und die Leute haben es gemerkt.“ Es klang wie eine Beschwörung. Sina Schielke, die auch mit dem Ruf kämpft, das schnellste Fotomodell Deutschlands zu sein, hat mit 25 Jahren bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig ihr Comeback in der Leichtathletik begonnen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach den 60 Metern, auf denen sie in 7,23 Sekunden vor Verena Sailer (7,27) zum Titel stürmte, ist sie noch lange nicht am Ziel. Die Hallen-Europameisterschaft in Birmingham und die Weltmeisterschaft in Osaka, bei der sie über 100 und 200 Meter starten will, hat sie sich für diese Saison vorgenommen. In den nächsten Jahren stehen die Olympischen Spiele von Peking und die Weltmeisterschaften in Berlin auf dem Plan. „Was zählt, ist draußen“, sagt sie. „Für meine Bestzeit muss ich im Sommer die ersten sechzig Meter eine Zehntelsekunde schneller laufen“, rechnet sie vor. 11,16 Sekunden über 100 Meter will sie wieder erreichen. Doch diese Bestzeit stammt aus ihrem ersten Leben als Sprinterin.

          Schneller Aufstieg, tiefer Fall

          Drei Titel gewann das achtzehnjährige Talent aus dem Ruhrgebiet bei der „U 20“-Europameisterschaft 1999; im Jahr darauf verzichtete sie auf den Start bei den Olympischen Spielen in Sydney, um mit der Staffel der Juniorinnen in Santiago de Chile Weltmeisterin werden zu können. Fast fünf Jahre ist es her, dass Sina Schielke in Dortmund 11,16 lief, sechs Jahre gar liegt ihre Bestzeit von 22,78 Sekunden für 200 Meter zurück.

          Das schnellste Fotomodell Deutschlands

          Dem schnellen Aufstieg folgte der tiefe Fall, als die Sprinterin bei den Sommerspielen von Athen im Vorlauf ausschied. Doch es kam noch schlimmer: Im Juni des folgenden Jahres riss im Training die lange entzündete Planta-Sehne in ihrem linken Fuß. „Das sieht aus, als hätte jemand hineingeschossen“, staunte der Arzt, der ihre Verletzung schließlich diagnostizierte. Er wollte Sina Schielke keine Hoffnung machen, dass sie je wieder würde sprinten können.

          Verletzungspause mit Playboy-Bildern kompensiert

          Aquajogging und Radfahren - für eine Sprinterin ist solch eine Reha die reine Folter. Erst im vergangenen Sommer machte Sina Schielke die ersten Schritte in ihr zweites Sprinterleben. „Kopftraining“ nennt sie die Läufe, die sie zurück auf das Niveau ihrer Jugendjahre brachten: 11,66 Sekunden. „So wenig hatte ich zuletzt in der A-Jugend trainiert“, sagt sie. Doch die Läufe waren vor allem eine vertrauensbildende Maßnahme, die ihrem Fuß galt. Ronald Stein, ihr neuer Trainer im neuen Verein TV Wattenscheid, wollte nicht, dass sie zweifelnd in ihren Körper horcht.

          Die Zweifel sind rein medizinischer Natur bei dieser jungen Frau, die ihre Proportionen schon den Betrachtern einiger Magazine zeigte. Ihre Verletzungspause nutzte sie schließlich auch dazu, sich für den „Playboy“ auszuziehen. Doch Stein weiß um den wahren Ehrgeiz seiner Athletin: „Sie will beweisen, dass sie nicht nur schön ist, sondern auch schnell laufen kann.“

          Acht Kilo schwerer und stolz darauf

          So stabilisierte er Physis und Psyche. Dabei dürfe ruhig auch ein wenig Weiblichkeit auf der Strecke bleiben, sagt Sina Schielke. „2003 war ich so schlank, dass es schon nicht mehr gut war“, gesteht sie. Acht Kilo hat sie seitdem zugelegt und wiegt bei 1,70 Meter Größe sechzig Kilo.

          „Vielleicht war in der Jugend die Anpassung nicht optimal“, sagt Stein. „Vielleicht waren Muskeln und Stützapparat nicht so ausgebildet, wie das für den Hochleistungssport notwendig ist.“ Die Sprinterin sagt es so: „Ich wurde zu früh zu schnell gemacht.“ Das soll ihr nicht noch einmal passieren: so schnell zu laufen, dass ihr Körper nicht mitkommt.

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