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Simeonis Wochenschau : Starke Pferde, schwache Funktionäre

  • -Aktualisiert am

Betty Heidler bekam ihre Silbermedaille mit der Post zugeschickt Bild: dpa

Ein Hoch auf die Pferde, die bereit sind, für ihre Menschen alles zu geben. Selbiges kann man von Sportfunktionären für die ihnen Schutzbefohlenen ja eher selten sagen.

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          Chapeau: Erinnert sich noch jemand an Franke Sloothaak? Der Mann war 1994 Weltmeister im Springreiten und überhaupt der wahrscheinlich stärkste Reiter, den Deutschland jemals den Niederlanden abgeluchst hat - ein ausgewiesener Profi mit allen Licht- und Schattenseiten. Inzwischen ist Sloothaak 58 Jahre alt, reitet immer noch, wenn auch nicht mehr in der Weltspitze, und hat vor ein paar Tagen bei einer Trainings-Demo im Teutoburger Wald eine Geschichte erzählt, die festgehalten werden muss.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!
          Chapeau – wir ziehen den Hut! : Bild: F.A.Z.

          Sloothaak wuchs in Heerenveen auf, wo man eigentlich Schlittschuhläufer wird. Aber er sah als Kind einen Pferdewagen, und das hat sein Leben verändert. Der Wagen war voll beladen und so schwer, dass die beiden Arbeitspferde ihn kaum von der Stelle brachten. Aber die braven Tiere gruben ihre schweren Hufe in den Boden und stemmten sich mit aller Kraft in ihre Geschirre, bis das Gefährt sich bewegte. Da habe er erkannt, sagte Sloothaak, dass Pferde bereit seien, für die Menschen zu kämpfen - und er gab ihnen für den Rest seines Lebens die Chance dazu. Von Autos hat man Ähnliches noch nie gehört.

          Attaque: So schön kann eine Leidenschaft beginnen - aber natürlich gehören auch Enttäuschungen zum Sport. Dass jetzt aber immer mehr Sportler schwarz auf weiß erfahren, wie sehr sie bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 und London 2012 veräppelt worden sind, ist schon hart. Die Zahl der positiv auf Doping getesteter Medaillengewinner geht inzwischen in die Dutzende - das sind die Figuren, die bei der Siegerehrung auf die Treppchen sprangen, während die Geschlagenen sich ins Off trollen mussten. So etwas lässt sich durch keine Disqualifikation der Welt mehr korrigieren.

          Attaque – hier wird angegriffen!
          Attaque – hier wird angegriffen! : Bild: F.A.Z.

          Die deutsche Hammerwerferin Betty Heidler hat da sogar noch Glück gehabt. Sie rückt nur vom Bronze- auf den Silberrang hoch, weil die russische Siegerin von London nachträglich überführt wurde. Was wir aber bisher noch nie vernommen haben: ein Wort des Bedauerns von den Funktionären der zuständigen Institutionen. Sorry, dass wir euch damals Chancengleichheit versprochen und unser Wort nicht gehalten haben. Wäre mal Zeit.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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