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Simeonis Wochenschau : Gruß an Kannibale und Camorra

  • -Aktualisiert am

Chapeau – wir ziehen den Hut! Bild: F.A.Z.

Wer verdient den Hut, wer das Florett? Muhammad Ali und Eddy Merckx sind immer noch die Größten. Groß bei Marco Pantani waren die Ohren. Wahrscheinlich hat die Camorra sie ihm langgezogen.

          Chapeau: Liebe Kinder, es gab mal eine Zeit, da lachte man auf dem Schulhof über folgenden Witz: Stellt einer sein Fahrrad ab und bringt einen Zettel an: stehlen gefährlich - gezeichnet: Muhammad Ali. Abends ist das Rad trotzdem fort. Nur der Zettel ist noch da, durchgestrichen, mit neuer Aufschrift: Verfolgung zwecklos - gezeichnet: Eddy Merckx. Darüber schüttete man sich einst aus vor Lachen: dass der beste Radrennfahrer nicht vom besten Boxer verprügelt werden konnte, weil er so schnell war.

          Wieso wir diese alte Schote heute herausholen? Weil beide immer noch die Größten sind. Und weil es 50 Jahre her ist, dass Merckx mit 20 Jahren den Radklassiker Mailand-San Remo gewann und damit seine überwältigende Profi-Karriere begann. Am Samstag fand das Rennen wieder statt, darum wollten wir schnell daran erinnern. Und weil Merckx, der einst Gegner und Titel wie ein Kannibale verspeiste, jetzt schon siebzig Jahre alt ist und immer noch sagt: Ich habe nicht etwa Angst vor dem Verlieren. Ich bin einfach schlecht darin.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Attaque: Jajaja, wir wissen es ja, von Radprofis, besonders von den alten, sollte man nicht schwärmen. Zu riskant. Es sei denn, es wäre einem schnuppe, wenn einer bis zum Kragen voll ist mit Stoff. Auch Eddy Merckx. Leider. Die von uns privat geführte Rangliste der schärfsten Doper der Radsportgeschichte führt allerdings Marco Pantani an, den flinken Kletterer, der vor zwölf Jahren an einer Überdosis Kokain starb. In Italien werden sie aber nicht müde, ihren Pharma-Säugling als Opfer von Komplotten hinzustellen. Speziell 1999, als er wegen zu dicken Blutes kurz vor dem Sieg beim Giro d’Italia disqualifiziert wurde.

          Dieser Tage wärmten italienische Medien eine alte Theorie wieder auf. Eine verurteilte Unterweltgröße habe am Telefon bestätigt, dass die Camorra damals Pantanis Blut verdicken ließ. Nun wissen wir, dass man Mafiosi besser nicht verspottet. Sonst würden wir uns jetzt platt lachen. Dann waren Pantanis Ohren also auch nicht so groß, weil er Wachstumshormon konsumierte. Es war sicher die Camorra. Sie hat sie ihm wahrscheinlich langgezogen.

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