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Simeonis Wochenschau : Anpfiff in Lima, Abpfiff in Bayern

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Nein, nein: Leute, die eigene Gedanken äußern, so wie Robert Lewandoswki, will der FC Bayern nicht. Bild: dpa

Wo auch immer man landet in der Welt, man hat mit dem Sport immer ein gemeinsames Thema. Aber Leute, die eigene Gedanken äußern, will der FC Bayern zum Beispiel nicht.

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          Chapeau: Seltsam: Von Peru aus gesehen, ist der Sport nicht anders als im heimischen Wohnzimmer. Es ist, als wäre man gar nicht weggeflogen. In einer Hotelhalle von Lima zum Beispiel lief vor ein paar Tagen auf dem Bildschirm eine Übertragung von der EM der Basketballer – Viertelfinale, Deutschland gegen Spanien. Die Gäste waren dankbar für die Zerstreuung. (Über das Ergebnis des Spiels müssen wir uns hier ja nicht weiter auslassen.) In der Kneipe am Straßenrand dann der nächste Fernseh-Blick nach Europa.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!

          Diego Simeone regt sich vor dem Spiel von Atlético Madrid gegen AS Rom künstlich über irgend etwas auf. Champions-League-Spieltag in Peru: Anpfiff war um 13 Uhr 45. Schön ist das: Wo auch immer man landet, hat man mit den Leuten ein gemeinsames Thema. Und erfährt dann von einem Taxifahrer, dass Peru sich große Hoffnungen macht, erstmals nach 36 Jahren wieder bei einer Fußball-WM dabei zu sein. Wer ein bisschen darüber mitschwadronieren kann, der gehört sofort zu einer globalen Community. Das kann außer dem Sport höchstens noch die Popmusik.

          Attaque – hier wird angegriffen!

          Attaque: Aber dann: Ein kurzer Blick ins Internet, und schon springt uns ein Bild von Karl-Heinz Rummenigges puterrotem Kopf an. Der Vorstandschef des FC Bayern sei wütend, heißt es in dem Bericht, weil sein Stürmer Robert Lewandowski Kritik am Verein geübt habe. Er sei als Fußballspieler angestellt, sagte der Boss, und man kann sich den Satz selbst vervollständigen: Und nicht als Philosoph. Nein, nein: Leute, die eigene Gedanken äußern, will der FC Bayern nicht.

          Er bevorzugt Kindsköpfe wie Klein Ribéry, die in Zeitlupe vom Spielplatz schleichen, wenn sie keine Lust haben, schon aufzuhören. Und die der Schiedsrichterin witzig die Schnürsenkel zusammenknüpfen, weil sie eine Frau ist. Obwohl: Wer sich beschwert, dass er nicht dauernd spielen darf, der kriegt auch Ärger, wie Thomas Müller, den Rummenigge außerdem als Parade-Bayer bezeichnet. Aber was ist eigentlich ein Parade-Bayer? So was Ähnliches wie ein Parodie-Italiener? Der hatte in München ja schon vor Jahren fertig. Fehlt eigentlich nur noch ein neuer Problembär.

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