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Siegemund zu Tennis-Kontroverse : „Das ist das Allerletzte“

  • -Aktualisiert am

Klare Meinung: Laura Siegemund, hier im Februar in Brasilien Bild: dpa

Laura Siegemund stand auf Platz 27 der Tennisweltrangliste – dann riss ihr Kreuzband, dann kam Corona. Im Interview spricht sie nun über ihre Rückkehr auf den Platz, die Diskussion um die US Open ohne Zuschauer und Spieler, die Corona-Regeln brechen.

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          Die Zwischenrunde der German Ladies’ Series hat Sie mal wieder nach Darmstadt zum TC Bessungen gebracht. Welche Erinnerungen haben Sie an die Anlage?

          Ich habe hier beim 25.000-Dollar-Turnier sehr oft gespielt und 2012 mit sieben Siegen aus der Qualifikation heraus auch gewonnen. Das werde ich nie vergessen, da war ich so platt am Ende! Das sind schöne Erinnerungen. Bessungen war für mich auch einer der Schritte nach vorn auf dem Weg in die Top 100. Ich hatte diese 25.000-Dollar-Turniere eine Zeitlang nur deshalb gespielt, um für die Bundesliga ein Ranking zu haben, aber dann lief es plötzlich. Diese kleinen Turniere sind für die Entwicklung von Spielerinnen wie mir sehr wichtig. Man kann sich mit ihnen hocharbeiten. Klar gibt es auch Profis, die spielen da zweimal mit und sind dann schon so gut, dass sie die kleineren Turniere überspringen, aber für die meisten ist das anders. Die brauchen diese Turniere, um mit der Zeit nach oben zu kommen.

          2017 waren Sie an Nummer 27 der Weltrangliste notiert, haben das Grand-Prix-Turnier in Stuttgart gewonnen – und sich dann vor den French Open das Kreuzband gerissen. Was ist – im Zeitraffer – passiert seither?

          Es hat zehn Monate gedauert, bis ich wieder Turniere spielen konnte. Es war ein langer Weg zurück. Erst die Reha, aber auch die Saison 2018 hat mich sehr gefordert, weil mein Körper nicht mehr so war wie vorher. Ich meine damit nicht das Knie, das funktionierte wieder einwandfrei, sondern alles andere, das ganze System, der ganze Körper war aus dem Gleichgewicht. Ich laborierte ständig mit Verletzungen aller Art herum, musste lernen, dass der Körper nicht nur Anstrengung, sondern auch Zeit braucht, um sich wiederzufinden, das kann man nicht beliebig beschleunigen. Ich habe es 2018 trotzdem hingekriegt, wieder in die Top 100 zu kommen, das war wichtig. In der Rangliste weit zurückzufallen ist nämlich gefährlich. Es ist so, dass man sich in alle Richtungen an die Leistungsklasse gewöhnt, in der man spielt. Wenn man lange 25.000er-Turniere spielt, gewöhnt man sich an dieses Niveau. Wenn man lange genug auf Top-50-Niveau spielt, gewöhnt man sich auch daran. Deshalb ist es wichtig, nicht zu lange unten rumzudümpeln.

          Emotional auf dem Platz: Laura Siegemund bei der DTB-Turnierserie, hier im Juni in Stuttgart

          Ihr Spiel lebt von der Fitness, vom Arbeitsethos, kann man das so sagen?

          Ja, mein Spiel basiert auf der Physis: Ich muss viel laufen, muss über lange Rallyes gehen, ich brauche eine konstante Fitness über ein Turnier, über die ganze Saison hinweg. Wenn die nicht da ist, wird es eng.

          Wie ging es weiter 2019?

          2019 war solide. Keine Riesen-Highlights. Aber auch Wochen, in denen es mal schepperte. Wochen, in denen man alles zusammenbringt: das Mentale, die Physis, die spielerische Qualität. Die Richtung stimmte, Richtung Top 50. 2020 habe ich dann sehr gut angefangen, Position 65, das war schon mal gut, aber ich nähre meine Motivation nicht aus der Rangliste, sondern aus der Qualität meines Spiels. Ich möchte Dinge hinzufügen, möchte neue Inputs, mir neue Möglichkeiten schaffen. Ich möchte nicht einfach nur da hin, wo ich schon mal war. Ich möchte zu etwas Neuem hin. Daraus ziehe ich meine Motivation.

          Welche Rolle spielt dabei das Alter?

          Ich bin 32, da ist es nicht mehr so einfach, da kann ich nicht sagen, okay, ich mache ab heute mal alles anders. Der Körper ist nicht mehr der jüngste, er ist an viele Dinge gewöhnt, da muss man behutsam rangehen. Am Willen fehlt es mir nicht, aber manches geht nicht mehr so, da muss man clever sein und einen Weg finden, unter den gegebenen Möglichkeiten zum Ziel zu kommen. Wenn du den Schlag nicht mehr tausendmal üben kannst, dann musst du das Urvertrauen finden, dass er auch nach zweihundertmal funktioniert im entscheidenden Moment.

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