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Galopp in Dortmund : Nicht zu bremsen

  • -Aktualisiert am

Anna van den Troost Bild: Imago

Der finale Sieg von Anna van den Troost passt in ein Galopp-Jahr, das von erfolgreichen Frauen im Sattel geprägt war. 2021 soll es bei den deutschen Veranstaltern zudem wieder mehr Renntage und höhere Rennpreise geben.

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          Der fünfjährige Wallach Sioux hat das „schwierigste Jahr für den deutschen Galoppsport seit dem Zweiten Weltkrieg“ beendet. So drückte es Verbandspräsident Michael Vesper beim Saisonfinale in Dortmund aus. Von dem in der Szene gerne gepflegten Glamour-Image ist ein Winterrenntag in Wambel so weit entfernt wie die SPD von der Kanzlerschaft. Aber die Sandbahnrennen sind lebenswichtig für das Weitermachen vieler kleiner Trainer, Besitzer und Reiter. Und es soll ja weitergehen.

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          Im nächsten Jahr plant der Verband mit rund 140 Renntagen und Rennpreisen von 11,3 Millionen Euro – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Corona-Jahr mit 96 Renntagen, 8,7 Millionen Euro Preisgeld und praktisch keinen Zuschauern. „Wenn wir zusammenhalten, haben wir eine Chance, die Krise zu meistern“, betonte Vesper in Dortmund, aber der Sportfunktionär ist auch Realist: „Machen wir uns nichts vor, wir wissen alle noch nicht, wie sich 2021 entwickeln wird.“ Neben der Pandemie ist das Schicksal der sportlich wichtigsten und umsatzstärksten Galopprennbahn Baden-Baden-Iffezheim – laut Verband gar „systemrevelant“ – die größte Baustelle. Der Pachtvertrag und die Mitarbeiter sind zum Jahresende gekündigt, ein Betreiber-Nachfolger bislang nicht in Sicht.

          Der Veranstalter in Deutschland mit den meisten Renntagen – 19 in diesem Jahr – ist Dortmund. Der Wallach Sioux stiefelte am Sonntag eindrucksvoll durch den nassen Sand, gesteuert von der 24-jährigen Belgierin Anna van den Troost. Dieser finale Sieg einer jungen Reiterin passt in ein Galopp-Jahr, das von erfolgreichen Frauen im Sattel geprägt war. Van den Troost holte 17 Siege, noch deutlich erfolgreicher war Sibylle Vogt, die 37 Mal in Deutschland gewonnen hat – zuletzt zweimal am zweiten Weihnachtsfeiertag in Mülheim. Dazu kommen 22 Erfolge in Frankreich.

          Für Trainerin Sarah Steinberg holte sich Vogt sogar ein Gruppe-3-Rennen – mit Wai Key Star auf der Iffezheimer Heimatbahn. Dort ist die 25-jährige Schweizerin für ihre Lehrmeisterin Carmen Bocskai tätig. Das bleibt auch 2021 ihre erste Adresse. Doch der zweite Ruf geht nun nach Köln zu Peter Schiergen, einem der wenigen Menschen der Welt, die mehr als 1000 Siege im Sattel und als Trainer eines Rennpferds erreicht haben. „Ich habe ihre Entwicklung schon lange verfolgt“, sagt der Chef des Stalles Asterblüte. „Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt für beide Seiten sehr gut ist.“ Es ist eine Karrierechance, wie sie sich im deutschen Galoppsport noch keiner Frau geboten hat.

          Besser sieht es da zum Teil in Frankreich aus. Marie Vélon, Mickaëlle Michel und die Italienerin Jessica Marcialis sind dort schon länger in der Erfolgsspur. Im Oktober gewann die 30-jährige Marcialis als erste Frau ein Gruppe-1-Rennen in Frankreich. Ihr Sieg sei ein „Zeichen an alle Mütter, dass wir es schaffen können, stark zu sein“, sagte die Mutter eines dreijährigen Sohnes. Im Mutterland des Galoppsports gibt es ebenfalls immer weniger Zweifel an den weiblichen Reittalenten.

          Die 24-jährige Hollie Doyle hat in England in diesem Jahr 151 Rennen gewonnen, darunter beim weltberühmten Royal-Ascot-Meeting sowie eine Gruppe-1-Prüfung am wichtigen Champions Day. Bei der geschlechterneutralen Wahl der „BBC Sportpersönlichkeit des Jahres“ belegte Doyle Rang drei hinter Formel-1-Pilot Lewis Hamilton und dem Liverpooler Fußballer Joe Henderson.

          Ein weiterer Meilenstein gelang der 25-jährigen Bryony Frost: Auf dem achtjährigen Wallach Frodon gewann sie eines der größten Hindernisrennen der Welt, das King George in Kempton. „Dass mein bester Kumpel ‚Frode‘ und ich nun als King-George-Siegduo gelten, ist unglaublich“, sagte Frost, deren Vater Jimmy Frost 1989 das Grand National gewann. Für die Engländerin war es bereits der 175. Sieg ihrer Karriere, sie ist damit die erfolgreichste Hindernisreiterin auf der Insel überhaupt.

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