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Sieg über Powetkin : Klitschko nimmt den russischen Ritter auseinander

  • -Aktualisiert am

Die Hände zum Himmel: Titelverteidiger Wladimir Klitschko siegt Bild: REUTERS

Der Kampf von Moskau macht deutlich, dass es im Schwergewicht zwar um viel Geld geht, hochklassiges Boxen aber nicht im Preis inbegriffen ist. Wladimir Klitschko gewinnt klar gegen Alexander Powetkin.

          Als hätte er es geahnt. Wladimir Putin blieb dem Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht Samstagnacht in weiser Voraussicht fern. Sonst hätte der russische Präsident aus nächster Nähe mitansehen müssen, wie sein Boxer Alexander Powetkin von Titelverteidiger Wladimir Klitschko systematisch auseinandergenommen wurde.

          Putin, auf dessen Wunsch hin angeblich der Kampf in Moskau stattfand, hatte sich in der Olympiahalle angekündigt. Hätte er tatsächlich neben seinem Statthalter in Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, und Fürst Albert von Monaco Platz genommen, sein „russischer Ritter“, so Powetkins Kampfname, wäre ihm fast vor die Füße gefallen.

          Klitschko, mussten die russischen Veranstalter nach Wochen der Kampfansagen schmerzlich einsehen, ist eine Klasse für sich. Nicht einmal der von ihnen protegierte Powetkin, zuvor unbesiegt in 26 Profikämpfen und so etwas wie der letzte verbliebene Herausforderer des hünenhaften Ukrainers, konnte ernsthaft mithalten. Nach insgesamt vier Niederschlägen verlor der 34 Jahre alte Russe einstimmig über zwölf Runden nach Punkten (104-119, 104-119, 104-119). Für den 37 Jahre alten Ukrainer Klitschko war es der 61. Sieg im 64. Profikampf – eine sagenhafte Bilanz.

          Klare Angelegenheit: Klitschko bringt Powetkin auf die Bretter

          Der 1,98 Meter große Klitschko hielt sich den zehn Zentimeter kleineren Powetkin von Beginn an mit seiner linken Führungshand vom Leib. Der Russe versuchte, mit rechten Geraden und linken Haken in den Mann zu springen und somit an den langen Armen des Titelverteidigers vorbeizukommen – der Weltmeister der Verbände WBO und IBF sowie „Superchampion“ der WBA klammerte jedoch prompt ab und unterband so den Infight. Nicht schön anzusehen, aber effektiv.

          In der zweiten Runde, als Powetkin einigen Erfolg mit seinen überfallartigen Attacken hatte, fing Klitschko ihn mit dem linken Jab ab – der Herausforderer musste zum ersten Mal zu Boden. Die Nehmerfähigkeiten Powetkins waren in seinen 26 Kämpfen zuvor nie ernsthaft getestet worden. Powetkin wurde zusehends müde, auch weil der Weltmeister ihn in den Schwitzkasten nahm, sobald er ihm zu nahe kam.

          Von Klitschkos stechender Linker permanent getroffen, schwoll Powetkins rechtes Auge in der sechsten Runde zu. In der Sicht eingeschränkt, musste er im nächsten Durchgang prompt dreimal zu Boden. Ringrichter Luis Pabon aus Puerto Rico ging mit dem angeschlagenen Powetkin so gnädig um wie mit dem permanent klammernden Klitschko – er ließ einfach weiterlaufen. So durfte der „russische Ritter“ weitere fünf Runden lang sein Kämpferherz demonstrieren. Mehr aber auch nicht – er konnte Klitschko nie ernsthaft in Gefahr bringen.

          Jubel in der ukrainischen Ecke: Witali Klitschko (hinten) freut sich mit Bruder Wladimir

          Der Kampf von Moskau machte deutlich, dass es im Schwergewicht zwar immer noch um viel Geld geht, das hochklassige Boxen derzeit aber in den leichteren Gewichtsklassen geboten wird.

          Der vermögende Moskauer Bauunternehmer Andrey Ryabinsky, praktischerweise auch stellvertretender Präsident des russischen Boxverbandes, hatte vor Monaten bei der Versteigerung des WM-Kampfes in Panama-Stadt 23 Millionen Dollar geboten – gleich 16 Millionen mehr als die Konkurrenz aus Deutschland. Eine astronomische Summe, die „der Markt nicht hergibt“, wie Witali Klitschko völlig richtig anmerkte. Sein Bruder jedoch profitierte und erhielt die Rekordbörse von 18 Millionen Dollar.

          Dafür musste er, der seine Kämpfe sonst selbst veranstaltet und somit von den Fernsehrechten bis zu den Eintrittskarten alles in Eigenregie vermarktet, auswärts antreten. Putin, der an diesem Montag 61 Jahre alt wird, hatte sich den Boxkampf als Geburtstagsgeschenk nach Moskau gewünscht. Strenggenommen den Weltmeistertitel. Diesen Wunsch jedoch konnten ihm weder Ryabinsky mit seinen Millionen, noch Powetkin mit seinen Fäusten erfüllen.

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