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Tischtennis-EM : Siebter Einzeltitel für „Methusalem“ Boll

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Der Beste in Europa: Timo Boll Bild: dpa

Der unverwüstliche Timo Boll gewinnt abermals eine Europameisterschaft. Er untermauert zugleich die deutsche Vormachtstellung im europäischen Tischtennis.

          Timo Boll bastelt unverwüstlich an seiner eigenen Legende: Der 37-Jährige krönte sich bei der Tischtennis-EM in Alicante mit seinem siebten Einzeltitel beinahe aus dem Stand zum ältesten Champion der 60-jährigen EM-Historie. Zugleich verhalf der EM-Rekordsieger 20 Jahre nach seinem ersten EM-Auftritt der deutschen Mannschaft zur erfolgreichsten Bilanz in der Geschichte der Titelkämpfe.

          Im Finale besiegte Boll Bundesliga-Profi Ovidiu Ionescu (Rumänien) vom Post SV Mühlhausen mit 4:1. Bolls insgesamt 18. EM-Gold (weitere sechs mit der Mannschaft und fünf im Doppel) trotz eines Bandscheibenvorfalls im Sommer und einer monatelangen Turnierpause war für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) der dritter Titel in Spanien. Nach dem ersten Mixed-Erfolg für ein DTTB-Paar seit 1978 durch Ruwen Filus/Han Ying (Fulda/Düsseldorf-Tarnobrzeg) triumphierte auch das Damen-Doppel Kristin Lang/Nina Mittelham (Kolbermoor/Berlin).

          „Alter schützt offenbar vor Titeln nicht“, scherzte Boll nach der Siegerehrung. Zum achten Mal nacheinander seit seinem Achtelfinal-K.o. 2005 in Aarhus holte er bei einem EM-Einzelturnier eine Medaille, doch die Rückkehr auf den EM-Thron sechs Jahre nach seinem zuvor letzten Erfolg überraschte den Düsseldorfer selbst: „Ich hätte nach den Schwierigkeiten in der Vorbereitung nicht damit gerechnet.“

          Dank Bolls verblüffender Leistungssteigerung gewann das DTTB-Team erstmals drei Goldmedaillen in EM-Individualkonkurrenzen. Zusätzlich Bronze ging an Patrick Franziska (Saarbrücken) im Einzel nach einem 3:4 im Halbfinale gegen Boll, im Doppel (mit Jonathan Groth/Dänemark) und im Mixed (mit Petrissa Solja/Langstadt) sowie an das Doppel Filus/Ricardo Walther (Grünwettersbach). Eine noch bessere Ausbeute verhinderten das Achtelfinal-Aus von Weltcupsieger Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) und eine erneute Nullnummer der DTTB-Damen.

          „Wir haben der EM unseren Stempel aufgedrückt“, sagte DTTB-Sportdirektor Richard Prause auf SID-Anfrage zum Gesamtergebnis. Mit Hinweis auf insgesamt neun Achtelfinalplätze und sechs Viertelfinalteilnahmen im Einzel fügte der Ex-Nationalspieler hinzu: „Wir haben in allen Wettbewerben Medaillen und Titel geholt außer im Damen-Einzel, wo aber im Viertelfinale auch drei Chancen da waren. Ich sehe ich uns als Nummer eins in Europa gefestigt.“

          Geradezu zementiert scheint Bolls Platz an Europas Spitze. Der Linkshänder, der 1998 in Eindhoven als 17-Jähriger bei seinem EM-Einstand sensationell Schwedens Weltmeister-Idol Jan-Ove Waldner als EM-Champion gestürzt hatte, wollte seinen Pessimismus im EM-Vorfeld (“Ich bin meilenweit von meiner Bestform entfernt“) rückblickend nicht als Tiefstapelei verstanden wissen. „Ich schätze mich immer recht realistisch ein, und ich hatte zuerst ja auch Probleme genug“, sagte Boll.

          Gegen seinen Trainingspartner Franziska war die wiedererlangte Antizipation und Präzision auch nötig: 1:3 nach Sätzen und im Entscheidungssatz nochmal 3:7 lag Boll gegen den entthronten Doppel-Champion zurück, ehe der frühere Weltranglistenerste Franziska mit acht Punkten in Folge förmlich überrollte: „Ich gebe nie auf.“

          Sein Erfolg „nach meinem besten Spiel in diesem Turnier“ über den Freund seiner gesamten Familie war Boll besonders gegenüber Töchterchen Zoe unangenehm: „Wir alle mögen Franz. Meine Tochter hat mir vor dem Spiel noch gesagt, sie hoffe auf ein Unentschieden.“

          Weil zwei Sieger jedoch nicht möglich sind, konnte Zoes Vater auch noch zum „EM-Methusalem“ aufsteigen: Boll löste den 1980 in Bern mit 32 Jahren siegreichen Engländer John Hilton als ältesten EM-Einzelchampion ab.

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