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Siebenkämpferin Jennifer Oeser : Beste Karten im Kampf um eine WM-Medaille

  • -Aktualisiert am

14,21 Meter: Im Kugelstoßen verpasste sie ihre Bestmarke nur um vier Zentimeter Bild: dpa

Zum ersten Mal siegte Jennifer Oeser beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen – und das mit persönlicher Bestleistung. Nun ist die Leverkusenerin bereit für das Fest in der Hauptstadt. Berlin, Berlin - Der Countdown zur Leichtathletik-WM.

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          „Ich hoffe, das ich beste Deutsche sein werde, vielleicht kann ich sogar gewinnen“, hatte sich Jennifer Oeser nach dem ersten Tag beim entscheidenden Qualifikationswettkampf der Mehrkämpfer in Ratingen noch zurückhaltend geäußert. „Der zweite Tag ist normalerweise der, an dem ich Punkte verliere und die anderen aufholen.“ Doch das Understatement war unbegründet. Die 25-Jährige siegte zum ersten Mal bei dem zur Mehrkampf-Serie des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) gehörenden Meeting.

          Die blonde Athletin aus Leverkusen steigerte ihre im vergangenen Jahr aufgestellte Bestleistung um sechs Punkte auf 6442. Damit hat sie Platz eins in der deutschen Jahresbestenliste übernommen und steht weltweit zurzeit an Position vier. Die russische Olympia-Dritte Tatjana Tschernowa wurde Zweite mit 6386 Punkten, gefolgt von Lilli Schwarzkopf (LC Paderborn/6355), die in Ratingen in den vergangenen beiden Jahren gewonnen hatte. Als dritte deutsche Siebenkämpferin wird Julia Mächtig (SC Neubrandenburg) bei der Leichtathletik-WM Mitte August in Berlin (siehe: FAZ.NET-Sonderseite zur Leichtathletik-WM) die deutschen Farben vertreten. Sie wurde in Ratingen Vierte mit 6074 Punkten.

          Mit Bestleistung begonnen und die Führung nicht mehr abgegeben

          Oeser hatte den Siebenkampf am Sonnabend mit einer erstklassigen Zeit über 100 Meter Hürden begonnen: 13,36 Sekunden wurden gestoppt, so schnell war die Leverkusenerin noch nie. Allerdings profitierte sie dabei von einem starken Rückenwind, so dass die Zeit nicht als Einzel-Bestleistung anerkannt werden kann. Sie hatte also die Führung in diesem Siebenkampf schon in Disziplin Nummer eins übernommen - und gab sie nicht mehr ab.

          13,36 Sekunden: so schnell war sie über die Hürden noch nie
          13,36 Sekunden: so schnell war sie über die Hürden noch nie : Bild: dpa

          Bei schwierigen Bedingungen im Hochsprung erreichte sie im Regen 1,81 Meter, und anschließend verpasste sie im Kugelstoßen ihre Bestleistung von 14,21 Meter lediglich um vier Zentimeter. Den ersten Tag schloss die Leverkusenerin mit 24,48 Sekunden über 200 Meter ab - auch hier fehlte nicht viel zu ihrem persönlichen Rekord (24,32).

          „Bei einem Siebenkampf gibt es immer ein Auf und Ab“

          Auch der Sonntag lief nach ihrem Geschmack. Mit einer Weitsprung-Bestleistung von 6,50 Meter gewann Oeser gleich den ersten Wettbewerb des Tages. Im Speerwurf blieb sie zwar mit 42,12 Meter deutlich unter ihren Möglichkeiten und machte es unfreiwillig noch einmal spannend, zumal ihre Konkurrentinnen Tatjana Tschernowa und Lilli Schwarzkopf eigentlich die besseren 800-Meter-Läuferinnen sind.

          Doch Oeser überraschte auch zum Abschluss: Sie war mit 2:12,70 Minuten sogar über die Mittelstrecke die Nummer eins. „Bei einem Siebenkampf gibt es immer ein Auf und Ab. Der Speer war heute nicht gut, dafür aber der Weitsprung. Ich hoffe, dass ich in Berlin meine Bestleistung noch weiter steigern kann. Was dann herauskommt, müssen wir abwarten“, sagte die Tagessiegerin.

          „Mit der Unterstützung des Heimpublikums ist etwas möglich“

          „Ich hoffe, dass eine unserer drei Siebenkämpferinnen in Berlin die Bronzemedaille gewinnen kann und wir am Ende zwei unter den besten sechs haben“, sagte Bundestrainer Klaus Baarck und fügt hinzu: „Ich denke, mit der Unterstützung des Heimpublikums ist etwas möglich. Bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart 1993 und den Europameisterschaften in München 2002 haben wir gesehen, was es bewirken kann, wenn ein ganzes Stadion hinter den Athleten steht.“ Sabine Braun hatte bei den Weltmeisterschaften 1993 und den Europameisterschaften 2002 jeweils Silber gewonnen, Paul Meier war in Stuttgart WM-Dritter knapp vor Christian Schenk.

          Im Kampf um die erhoffte Siebenkampf-Medaille in Berlin hat Jennifer Oeser nun die besten Karten. In den vergangenen zwei Jahren hatte sie sich in Ratingen jeweils Lilli Schwarzkopf geschlagen geben müssen, nun siegte sie nach zwei zweiten Rängen erstmals. „Ich hatte gehofft, dass sie eine derartige Leistung erreichen kann. Sie ist zurzeit unsere Nummer eins“, sagte Baarck. Oeser hatte bei den Europameisterschaften in Göteborg vor drei Jahren ihren internationalen Durchbruch geschafft. Damals hatte sie als Vierte knapp eine Bronzemedaille verpasst, die dafür ihre nationale Konkurrentin Lilli Schwarzkopf gewann.

          Bei den Männern wurden Schrader, Müller und Behrenbruch nominiert

          Den Zehnkampf der Männer gewann in Ratingen der Kubaner Jordani Garcia mit 8348 Punkten vor dem besten Deutschen, Norman Müller (Halle), der 8295 Punkte erreichte. Michael Schrader (Uerdingen), der Ende Mai überraschend den Zehnkampf im Mehrkampf-Mekka von Götzis (Österreich) gewonnen hatte und seitdem mit 8522 Punkten die Jahresweltbestenliste anführt, hatte auf einen Start verzichtet, um in der Vorbereitung auf seinen WM-Start Kräfte zu sparen. Nach seiner Leistung von Götzis ist er für Berlin gesetzt. Neben den beiden wurde auch der Frankfurter Pascal Behrenbruch für die WM nominiert, obwohl er in Ratingen nach der neunten Disziplin aufgab.

          Leichtathletik, Mehrkampf-Meeting mit WM-Qualifikation in Ratingen
          Frauen, Siebenkampf:
          1. Jennifer Oeser (Leverkuen) 6442 Punkte (100 m Hürden 13, 36 - Hoch 1,81 - Kugel 14,17 - 200 m 24,48 - Weit 6,50 - Sper 42,12 - 800 m 2:12,70), 2. Tatjana Tschernowa (Russland) 6386 (13,58 - 1,75 - 12,59 - 24,15 - 6,39 - 51,30 - 2,13, 93), 3. Lilli Schwarzkopf (Paderborn) 6355 (13,58 - 1,75 - 13,88 - 25,43 - 6,23 - 55,25 - 2:15,72), 4. Julia Mächtig 6074 (14,25 - 1, 72 - 14,68 - 25,01 - 6,26 - 42,87 - 2:16,24), ... 6. Sonja Kesselschläger (beide Neubrandenburg) 6010 (13,56 - 1,72 - 13,92 - 25,5 - 6,15 - 41,99 - 2:17,40)
          Männer, Zehnkampf: 1. Yordani Garcia (Kuba) 8348 Punkte (100 m 10,68 - Weit 7,23 - Kugel 15,02 - Hoch 2,08 - 400 m 48,92 - 110 m Hürden 13,89 - Diskus 41,79 - Stab 4,80 - Speer 69,13 - 1500 m 4:53, 63), 2. Norman Müller (Halle/Saale) 8295 (10,91 - 7,47 - 15,27 - 2, 02 - 48,95 - 14,54 - 43,65 - 4,80 - 60,89 - 4:29,20), 3. Stefan Drews (Leverkusen) 7858 ... aufgegeben: Pascal Behrenbruch (LG Frankfurt/ohne Punktzahl)

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