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Claudia Salman-Rath : Erst das Baby, dann Olympia

  • -Aktualisiert am

„Kämpfen kann ich“: Claudia Salman-Rath Bild: Picture-Alliance

Nach einem positiven Schwangerschaftstest schien der Traum von den Spielen in Tokio für Claudia Salman-Rath geplatzt. Nicht nur Corona hat die Situation der Siebenkämpferin jedoch nochmal grundlegend verändert.

          2 Min.

          Im Januar sah Claudia Salman-Rath sich am Ende ihrer Karriere stehen. Ein positiver Schwangerschaftstest signalisierte der Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt, dass eine Teilnahme an den damals noch für 2020 geplanten Olympischen Spielen in Tokio für die werdende Mutter nicht möglich sein würde. Unter all die Freude über die Ende September bevorstehende Geburt mischten sich auch andere Gefühle. Denn der Traum, nach dem Debüt in Rio 2016 noch einmal das Großereignis zu erleben, schien für die mittlerweile 34-Jährige endgültig geplatzt.

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          Zwei Jahre lang hatte die Siebenkämpferin und Weitspringerin hartnäckig daran festgehalten, obwohl ihr linkes Knie nach einem Knorpelschaden und mehreren Eingriffen 2018 und 2019 keine Wettkampfstarts zuließ. Als die Schmerzen im vergangenen Herbst noch immer nicht nachgelassen hatten, beschlossen die Hessin und ihr Mann Oliver, die Familienplanung anzugehen. „Es konnte mir keiner zu 100 Prozent sagen, ob ich wieder fit werden würde“, sagt sie. „Und wir wollten es nicht länger aufschieben.“

          Nicht nur die Corona-Pandemie hat die Situation jetzt jedoch noch einmal grundlegend verändert. „Ich gehöre zu den wenigen, die sich über die Verschiebung der Spiele gefreut haben“, sagt Claudia Salman-Rath. Denn jetzt keimt die Hoffnung auf, sich doch noch mit diesem letzten Höhepunkt in den sportlichen Ruhestand zu verabschieden. Während einer Rehabilitationsphase am Bundeswehr-Standort in Warendorf war Ende Oktober endlich die Ursache für die Gelenkprobleme der Sportsoldatin gefunden worden. „Ein Muskel war regelrecht lahmgelegt“, sagt sie. Das Organ machte bei Bewegungen nicht mit und musste erst wieder durch spezielle Übungen und Elektrostimulation aktiviert werden.

          Seitdem verzeichnet die Weltmeisterschaftsvierte von 2013 im Reha-Training und bei Ausdauereinheiten keine Beeinträchtigungen mehr. Ein Anruf vom Deutschen Leichtathletik-Verband brachte sie auf die Idee, dass eine Teilnahme an den Spielen wieder denkbar wäre. Die Funktionäre sicherten der Athletin weitere Unterstützung zu. Auch die Bundeswehr würde ihr nicht im Wege stehen. „Ich will aber niemandem einen Platz wegnehmen“, sagt Claudia Salman-Rath. Für die Entscheidung ließ sie sich Zeit, holte sich von mehreren Seiten Meinungen und die Zusagen ihres Mannes und der Familie ein, sie zu unterstützen. „Ich kann schlecht mit einem Baby ins Training gehen.“

          Die gelernte Erzieherin weiß, dass sie von sich und ihrem Umfeld viel verlangt. Dass es möglich sein könnte, ein knappes Jahr nach der Geburt ihres Jungen noch einmal Höchstleistung zu bringen, dafür dient ihr Siebenkampf-Kollegin Jennifer Oeser als Vorbild. Die WM-Silbermedaillengewinnerin hatte nach ihrer Babypause bei den Spielen 2016 in Rio als 32-Jährige noch mal angegriffen. Ihr Studium der Sozialen Arbeit hat Claudia Salman-Rath fast abgeschlossen.

          Nur noch die Bachelor-Arbeit steht aus. Die hat die gelernte Erzieherin verschoben, weil sie daran zweifelt, ob sie sich die richtige Richtung ausgesucht hat. „Das Studium baute damals auf meiner Ausbildung auf“, sagt sie. Aber sie sei „einen Tick zu sensibel“ für die daran anschließenden Berufe. „Ich nehme zu viele Sachen mit nach Hause.“ Deshalb hat die Wahl-Darmstädterin zu Grundschullehramt gewechselt. Die Leichtathletin ist sich darüber im Klaren, dass sie viel von sich und ihrem Umfeld verlangt, wenn sie versucht, in Tokio zumindest im Weitsprung noch mal anzutreten. Ob der Körper es mitmacht, das weiß sie nicht. Nur in einem ist sich die Sportlerin sicher: „Kämpfen kann ich.“

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