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Shaquille O'Neal : Das Auge des Gesetzes

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Traumjob: Shaquille O'Neal greift in seiner Freizeit gerne als Polizeioffizier in der Law&Order-Liga ein Bild: Getty Images

Shaquille O'Neal ist nicht nur ein leidenschaftlicher Basketball-Profi. In seiner Freizeit setzt sich der gewaltige Center auch für Recht und Ordnung ein: als Hilfssheriff. Im Dienst könnte ihm mancher Bekannte aus der Sportfamilie begegnen.

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          Jedes Mal, wenn Shaquille O’Neal in eine neue Stadt kommt, sind die Erwartungen ziemlich hoch. Der riesige Center mit der Superman-Tätowierung auf dem Arm war einst der überragende Spieler der Nationalen Basketball-Liga NBA und hat im Laufe seiner ungewöhnlich langen Karriere nicht nur viermal den Titel gewonnen. Keiner verstand es so gut, mit Hilfe seiner anderen Talente in der Öffentlichkeit zu punkten.

          Ob als Rapper, Filmschauspieler, Star einer eigenen Fernsehsendung oder auch nur als Aushängeschild von Firmen und deren Produkte – immer wirkt der inzwischen 37 Jahre alte Amerikaner wie ein sympathischer, tapsiger Typ mit einer angenehmen Brummbärstimme und einem Zwinkern im Auge. Auch auf seiner vielleicht letzten Station bei den Cleveland Cavaliers spielt O’Neal mehr als den unüberwindbaren Koloss auf dem Parkett. In seiner Freizeit setzt sich der 2,16 Meter lange, etwa 150 Kilogramm schwere Profi für Recht und Ordnung ein: als Auge des Gesetzes.

          Tour kreuz und quer durch die Staaten

          Für die Jahresgage von 20 Millionen Dollar erhalten die Cavaliers also mehr als den dringend benötigten Center, der den begnadete Balljongleur LeBron James entlastet und mithelfen soll, die Meisterschaft zu gewinnen. In der von vielen wirtschaftlichen Sorgen geplagten Stadt am Eriesee hat sich O’Neals bei der Behörde des Sheriffs von Cuyahoga County um eine Position als Hilfssheriff beworben. Eine solche Möglichkeit räumen viele Polizeidienststellen in den Vereinigten Staaten all jenen Bürgern ein, die in ihrer Freizeit ohne Honorar auf Patrouille gehen wollen. In gewissem Sinn hat O’Neals Begeisterung ja auch was mit Sport zu tun: Er will Verbrecher jagen.

          Je nach Aufgabe erhalten die Amateur-Ordnungshüter eine eigene Uniform und – was noch wichtiger ist – jenes golden schimmernde Metallabzeichen mit dem fünfzackigen Stern darauf – der Ausweis ihrer Rechtschaffenheit. Die Plakette hatte sich O’Neal nach mehreren Stunden Unterricht und einer Prüfung vor vier Jahren zum ersten Mal in Miami Beach erarbeitet, als er auf seiner Vagabundentour kreuz und quer durch die Staaten bei den Miami Heat unter Vertrag stand. Die Polizei in Florida machte sich allerdings Sorgen, dass der Hüne beim Einsatz an Ort und Stelle zu viel Aufsehen erregen würde. So bestand seine Polizeiarbeit hauptsächlich aus höchst undramatischer, aber wichtiger Büroarbeit – aus Spurensuche im Internet, um Sexualstraftäter aufzuspüren, die sich an Kinder und Jugendliche heranwagen.

          Gestatten, Special Deputy O'Neal

          Als die Heat O’Neal nach Arizona an die Phoenix Suns abgaben, wechselte er auch die Polizeidienststelle. Zunächst machte er sich in Tempe nützlich, wo er mit Erfolg um Spenden warb, mit der die Ordnungshüter ihren kargen Etat auffüllen. Anschließend wurde er Special Deputy unter Joe Arpaio, dem laut eigenen Angaben „härtesten Sheriff Amerikas“.

          Doch sein Chef entzog ihm das Privileg, in der Law&Order-Division mitzuspielen, gleich wieder: O’Neal hatte bei einem Rap-Auftritt seinen ehemaligen Mitstreiter Kobe Bryant unflätig beschimpft. Die Darbietung konnte sich jeder Bürger im Videoarchiv YouTube anschauen. „Ich dulde dieses Verhalten nicht“, sagte der Mann, der Untersuchungshäftlinge in rosa Sträflingskleidung steckt und ihnen grüngefärbte Wurst zum Essen serviert.

          Sportler im Konflikt mit dem Gesetz

          In Cleveland sind die Verhältnisse etwas anders. Da gab neulich sogar der Sheriff seinen Posten auf, nachdem ihm Zeitungen korruptes Verhalten im großen Stil vorgeworfen hatten. Ein Promi wie O’Neal, der damit liebäugelt, nach dem Ende seiner Basketballkarriere ganz zur Polizei zu gehen, dürfte deshalb schon aus Imagegründen willkommen sein. Trotzdem muss der Basketballprofi auch an seiner neuen Wirkungsstätte erst mal einen 36 Stunden langen Kursus belegen sowie ein schriftliches Examen und einen Test auf dem Schießstand bestehen, ehe er wieder eine Waffe tragen und sich zum Dienst melden darf.

          Die Hürde wird der erfahrene O’Neal überwinden. Ab dann könnte ihm im Dienst mancher Bekannte aus der Sportfamilie begegnen. Denn dem Freiwilligen aus der Basketball-Arena stehen zahllose Athleten gegenüber, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind oder Grenzen gerne überschreiten. Zu den bekannteren Fällen gehören die ehemalige Leichtathletin Marion Jones, die sechs Monate wegen Meineids und Scheckbetrug im Gefängnis saß, Football-Quarterback Michael Vick, der nach Verbüßung einer achtzehnmonatigen Haftstrafe wegen Tierquälerei in dieser Saison bei den Philadelphia Eagles spielt.

          Sportlich gut eingelebt in Cleveland

          Und Plaxico Burress, ein Wide Receiver der New York Giants, der vor einem Jahr beim Besuch einer Disco eine geladene Pistole trug, aus der sich aus Versehen ein Schuss löste, einer sozusagen ins eigene Knie. Denn obwohl nur Burress verletzt wurde, verhängte das Gericht eine Gefängnisstrafe: zwei Jahre wegen Verstoßes gegen die strikten Waffengesetze des Staates New York.

          Rein sportlich scheint sich O’Neal in Cleveland – abgesehen von seiner altbekannten Schwäche beim Freiwurf – bereits gut eingelebt zu haben. Nach stotterndem Start arbeitete sich die Mannschaft auf den ersten Platz in der Central Division der Eastern Conference vor. Es bleibt also vorerst genug Spielraum für eine Freizeit in Uniform.

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