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SG Flensburg-Handewitt : Die Nordmänner planen den großen Wurf

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Flensburg besiegte zuletzt Kiel und führt die Handball-Bundesliga an Bild: dpa

In Flensburg dreht sich vieles um den Handball und die SG. Dänen, Schweden und Deutsche nehmen gemeinsam Kurs auf die Meisterschaft. Für die Profis von nördlich der Grenze ist der kurze Weg in die Heimat ein gewichtiges Argument.

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          Hinter dem Parkplatz eines Supermarktes in der Nordstadt wird an diesem Vormittag für den Masterplan Meisterschaft geschwitzt. Weniger Glamour als in dieser steinalten Halle ist nirgends.

          Der Geruch, die dünnen Fensterscheiben, die in den Stadtfarben Weiß-Blau-Rot gestrichenen fünf Zuschauerreihen der winzigen Tribüne - wer die Duburghalle aus Schülerzeiten kennt, sieht: Verändert hat sich kaum etwas. „Erbaut 1939, erweitert 2002“, steht auf einer Inschrift. Immerhin kann man heiß duschen. Und die Heizung in der Halle läuft. Der Schweiß der Spieler liegt in der Luft.

          Es ist eine Woche ohne Spiel, aber Ljubomir Vranjes lässt nicht locker. Seine anfeuernden Rufe hallen von den Wänden der Halle zurück; hier bekommt jeder sein Lob. Der Trainer der SG Flensburg-Handewitt hat keinen Blick für die Vor- oder Nachteile des Trainingsortes. 50 Meter entfernt liegen die Krafträume, es gibt einen geräumigen Parkplatz. „Wir sind Handballspieler“, sagt Vranjes, „wir brauchen keinen Luxus.“

          Man sieht seiner Mannschaft in solch einer Trainingseinheit an, dass sie auf ihren Höhepunkt zustrebt, was das Zusammenspiel angeht. Inmitten der Atemlosigkeit des Handballs agieren seine Profis mit traumwandlerischer Sicherheit. Der Vortrag der Angriffe hat manchmal etwas Schwebendes, Ballettartiges. Am Ende rauscht der Ball ins Tor. „Super, Männer, ganz groß!“, brüllt der nur 1,68 Meter große Coach mit den schwedisch-serbischen Wurzeln.

          „Diese Zusammensetzung ist definitiv ein Muss“

          Seit er vor drei Jahren den Trainerposten übernahm, war die Spielgemeinschaft aus der Stadt Flensburg und dem Dorf Handewitt nie besser - nach dem 34:30 gegen den THW Kiel vor zwei Wochen lobte ganz Handball-Deutschland die Spielkultur des neuen Tabellenführers. Vranjes interessiert so etwas kaum. Er will weiterkommen mit dieser Mannschaft, die nach der Saison durch den Weggang der Stammkräfte Steffen Weinhold und Michael Knudsen empfindlich an Substanz verlieren wird. Er will an einem Maitag 2014 auf dem Südermarkt stehen und die Meisterschale hochstemmen.

          In Flensburg dreht sich vieles um Handball. Kneipengespräche, Unterhaltungen im Bus, Plaudereien auf der Arbeit: Die SG ist allgegenwärtig. Die Spieler sind greifbar; die Familienväter wohnen in Handewitt, die Singles citynah. Man trifft sie täglich in der schönen Fußgängerzone. Sie bleiben stehen, schnacken, lassen sich in den Kinderwagen schauen. Wer Distanz will, darf hier nicht spielen. „Jeder weiß, zu welchem Friseur ich gehe“, sagt der dänische Spaßvogel Anders Eggert, seit Jahren bester Torschütze.

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          Handball-Hochburg: In der „Flens-Arena“ wird die Spielkultur hochgehalten : Bild: picture alliance / Claus Bergman

          Das Besondere an diesem Klub ist das skandinavische Flair. Eggert und Svan, das Duo auf außen, Andersson und Karlsson, die schwedische Abwehrbank, Mogensen und Knudsen, das dänische Angriffs-Paar. Alle Schlüsselstellen sind von Nordmännern besetzt. Die Nationalspieler Steffen Weinhold, Lars Kaufmann und Holger Glandorf stehen für deutsche Wucht und Kraft.

          „Diese Zusammensetzung ist definitiv ein Muss“, sagt Simon Faber, „es beschreibt unsere Lebensrealität hier in der Grenzregion. Der Erfolg der SG strahlt in beide Regionen.“ Flensburgs 45 Jahre alter Oberbürgermeister ist hier zur Schule gegangen und gehört dem Südschleswigschen Wählerverband an, dem SSW. Faber ist kein ausgemachter Handballfan, aber er weiß, dass allein 100 der 4500 Dauerkarten in Dänemark erworben wurden.

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