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SG Flensburg-Handewitt : Mit zittrigen Knien zur dritten Meisterschaft

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Flensburg lässt es krachen: Nach dem Sieg am letzten Spieltag ist der Klub wieder Meister. Bild: dpa

Die SG Flensburg-Handewitt verteidigt im Fernduell mit dem THW Kiel erfolgreich den Titel. Die letzte Etappe ist alles andere als einfach. Vor allem ein Spieler trägt maßgeblich zum Erfolg bei – und geht nun.

          In der 56. Minute war es plötzlich gleichgültig, wer da unten im Düsseldorfer ISS-Dome Handball spielte, Weltmeister, Deutsche Meister, Champions-League-Sieger, erfahrene Profis: Sie alle steckten im Trikot der SG Flensburg-Handewitt, und dieses letzte Spiel einer bis dahin famosen Saison schien einem bösen Ende entgegenzustreben. Längst hatte bei ihr der berühmt-berüchtigte „weiche Arm“ eingesetzt: die Heimmannschaft vom Bergischen HC wuchs über sich hinaus, schnupperte beim 23:24 plötzlich an Rang sechs und der Teilnahme am EHF-Pokal – als Aufsteiger!

          Die Flensburger Bank war in heller Aufregung. Weil der THW Kiel im gleichzeitig stattfindenden Heimspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf führte, durfte Flensburg nicht stolpern, sonst wäre die Titelverteidigung futsch. Bei drohendem Zeitspiel holte ihr Bester, Rasmus Lauge, einen Siebenmeter heraus. Magnus Jöndal verwandelte zum 25:23, den nächsten Angriff setzte der BHC an die Latte, Lauge schnappte sich den Ball und anderthalb Minuten vor Schluss begann die große Feier der 2500 Flensburger unter den 11.000 Zuschauern.

          „Als es eng wurde, weil wir zwei freie verworfen haben, haben wir das Spiel mit der Mentalität eines Meisters wieder in die richtige Bahn gelenkt“, sagte Trainer Maik Machulla dem NDR. „Jetzt herrschen bei uns pure Freude und Erleichterung vor. Wir hatten unser letztes Bundesligaspiel vor zehn Tagen, und es gab viel Zeit nachzudenken. Beim Frühstück heute Morgen war die Anspannung riesig. Ich bin unglaublich stolz, wie die Mannschaft das heute und die ganze Saison über gemacht hat.“ Nur zweimal hat sein Team verloren; in Magdeburg und Kiel. Bis Ende März blieb man – oft glücklich – ungeschlagen und spielte am Ende die beste Saison der Vereinsgeschichte. Weil die finanziell deutlich überlegenen Kieler nicht nachließen und Flensburg unter Druck setzten, kam es zu diesem packenden Finale.

          Das Endergebnis von 27:24 am Sonntagnachmittag klang viel deutlicher, als dieser hochspannende Schlussakt einer faszinierenden Spielzeit tatsächlich war. Mit zittrigen Knien zur dritten Meisterschaft: Das erinnerte doch stark an den Juni 2018. Damals besiegte Flensburg die stark ersatzgeschwächten Göppinger knapp. Diesmal musste der BHC auf vier Stammspieler verzichten, während Flensburg mit „voller Kapelle“ aufspielte – was lange Zeit auch beeindruckend klang, denn Machullas Mannschaft führte mit fünf, sechs und sieben Toren, ehe es ab der 50. Minute dramatisch wurde. „Deutscher Meister – Flensburg-Handewitt“, grölten die Fans am Ende befreit.

          Mit Blick auf den Sommer 2018 war es eine komplett unerwartete Meisterschaft. Flensburg hatte sechs Spieler verloren und musste sich auf zentralen Positionen neu sortieren, am Kreis und im Tor. Dass Benjamin Buric, aus Wetzlar geholt, so durchgehend stark halten würde, konnte keiner annehmen. Er war nach Kiels Niklas Landin der beste Keeper der Saison. Am Kreis versahen die Neuen Johannes Golla und Simon Hald ihren Dienst. Halbrechts wurde der Norweger Magnus Röd zum besten Linkshänder der Saison. Und in der zweiten Saisonhälfte kam dann auch der zweite Spielmacher Göran Johannessen in Fahrt. „Den Umbruch auf diesem Level zu schaffen, ist beeindruckend“, sagte Machulla.

          Jim Gottfridsson und die SG Flensburg-Handewitt holten die Meisterschaft in der Handball-Bundesliga.

          Doch ohne die Siegermentalität eines Rasmus Lauge wäre die SG Flensburg niemals Meister geworden. Mit Biss, Wurfstärke, Anführer-Qualitäten und neu hinzugewonnener Abwehrklasse führte der 27 Jahre alte Däne die Norddeutschen zum Titel. Zu Recht wählte ihn die Liga zum Spieler der Saison. Es wird Machullas große Aufgabe, in der nächsten Saison ohne den nach Veszprem gehenden Lauge und Käpitän Tobias Karlsson (Laufbahnende) auszukommen. Immer ein bisschen unter dem Radar funkt der stille Schwede Jim Gottfridsson. Seine sechs Tore in Düsseldorf verdeutlichten auf den Punkt seinen Wert für die SG. Lauge und er trugen das Flensburger Angriffsspiel durch die gesamte Saison. Weitgehend unverletzt kam die SG durch – dank Machullas Augenmerk auf individuellem Krafttraining.

          Der ist nun tatsächlich erfolgreichster Trainer der Flensburger Historie. Und das in seinem zweiten Jahr. Anerkennung bekam der zurückhaltende Meistertrainer auch von Alfred Gislason, unter dem er einst in Magdeburg spielte: „Ich gönne es Maik“, sagte Gislason, der seine Karriere als Bundesligatrainer am Sonntagabend nach elf Kieler Jahren siegreich beendete. Auch wenn aus dem 21. THW-Meistertitel nichts wurde, kann Gislason mit Stolz gehen: Sein Team hatte die Saison mit Triumphen im DHB-und EHF-Pokal schon vorher veredelt. „Kiel hat ebenfalls eine fantastische Saison gespielt“, sagte Machulla, ehe er sich in die Feierlichkeiten stürzte. Am Pfingstmontag soll zunächst die Flensburger A-Jugend ab 12.00 Uhr für den ersten Meistertitel (gegen die Rhein-Neckar Löwen) auf dem Südermarkt geehrt werden. Dann sind die Profis dann.

          VfL Gummersbach: Erster Abstieg aus der Bundesliga

          Gründungsmitglied VfL Gummersbach ist erstmals in der 53-jährigen Geschichte aus der Handball-Bundesliga abgestiegen. Dem zwölfmaligen deutschen Meister reichte das 25:25 (13:14) im Saisonfinale bei Mitabsteiger SG BBM Bietigheim nicht zum Klassenverbleib, weil die Eulen Ludwigshafen nach einem 31:30 (14:15) gegen GWD Minden bei Punktgleichheit am Ende um ein Tor besser waren. Daher musste der VfL, der seit 1966 ununterbrochen in der Bundesliga spielte, auf dramatische Art und Weise den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

          Für den einst erfolgreichsten Handballverein der Welt ist damit das schlimmste Szenario eingetreten. Zwölf deutsche Meisterschaften, fünf Pokalsiege und elf Europacup-Triumphe feierte der Club. 1983 gelang den Gummersbachern sogar das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Sieg im Europapokal der Landesmeister. In den vergangenen Jahren aber befand sich der VfL im Sinkflug und konnte sportlich wie wirtschaftlich nicht mehr mit den Topklubs mithalten. Die sportliche Zukunft ist ungewiss, um seine wirtschaftliche Existenz hingegen müssen die Oberbergischen wohl nicht bangen. Die Lizenzbedingungen für die 2. Liga in der Saison 2019/2020 sind erfüllt worden. (dpa)

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