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Tennis in Toronto : Die Tränen der Serena Williams

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„Es tut mir leid, dass es heute nicht ging. Ich habe es versucht“: Serena Williams Bild: AFP

Seit dem Titel bei den Australien Open 2017 und der Geburt ihrer Tochter hat Serena Williams kein Turnier mehr gewonnen. Nun ist sie ganz dicht dran. Doch der Tag endet unglücklich für den Tennis-Star.

          Serena Williams saß wie ein Häufchen Elend auf ihrem Stuhl. Das Finale beim Tennis-Turnier in Toronto war noch keine 20 Minuten alt, da musste sich die 37 Jahre alte Amerikanerin wieder einmal ihrem eigenen Körper geschlagen geben. Dieses Mal war es der Rücken, der Williams zu schaffen machte. Beim Stand von 1:3 gegen die 19 Jahre junge Kanadierin Bianca Andreescu kapitulierte Williams – und konnte ihren Frust über den abermaligen körperlichen Rückschlag nicht verbergen.

          „Mein kompletter Rücken ist verhärtet. So sehr, dass ich nicht mehr schlafen und mich kaum noch richtig bewegen konnte“, sagte Williams zwei Wochen vor Beginn der US Open tief enttäuscht. Ihren Oberkörper habe sie bewegen können, aber ihr Unterkörper sei völlig verkrampft gewesen, berichtete die 23-malige Grand-Slam-Turnier-Siegerin, die bei den in zwei Wochen beginnenden US Open unbedingt ihren ersten großen Sieg seit den Australian Open 2017 holen will. Damit würde sie mit der Australierin Margaret Court gleichziehen. Es ist das letzte große Ziel, das Williams immer noch Tennis spielen lässt.

          Finalgegnerin Andreescu war wie die Zuschauer völlig überrascht, als Williams ohne vorherige Behandlung durch den Turnierarzt das Finale der mit 2,8 Millionen Dollar dotierten WTA-Veranstaltung beendete. „Es tut mir leid, dass es heute nicht ging. Ich habe es versucht“, sagte Serena Williams am Stadionmikro. Ihre kanadische Gegnerin ging zu der auf ihrem Stuhl sitzenden Williams und kniete sich vor die Amerikanerin, um sich zu erkundigen, was passiert sei. Danach brachen beide in Tränen aus, Williams vor Enttäuschung und Schmerzen, Andreescu vor Freude über ihren zweiten Titel in diesem Jahr und vor Mitleid mit Williams.

          „Ich habe dich deine ganze Karriere lang verfolgt. Du bist so eine unglaubliche Kämpfernatur“, sprach Andreescu der 18 Jahre älteren Williams Mut für die kommenden Tage zu. Immerhin gab Williams mit Blick auf die US Open vorsichtig Entwarnung. „Ich hatte das schon früher. Es sind 24 oder 36 Stunden, in denen mein Rücken einfach unglaublich verkrampft ist und dann ist es wieder weg“, sagte die Amerikanerin, die im vergangenen Jahr in New York in einem denkwürdigen Finale der Japanerin Naomi Osaka unterlegen war.

          Während Williams vor dem letzten Saisonhöhepunkt dennoch wieder einmal Zweifel über ihre Fitness säte, zeigte sich Rafael Nadal bereits wieder in Topform. Beim ATP-Turnier in Montreal ließ er dem Russen Daniil Medwedew am Sonntag (Ortszeit) im Endspiel keine Chance und gewann 6:3, 6:0. „Ich denke, ich habe ein solides Match gespielt, zweifellos mein bestes Match in dieser Woche“, sagte Nadal zufrieden. Für Nadal war es insgesamt 35. Erfolg bei einem Masters-Turnier. Der Spanier legt mit Blick auf die US Open nun eine Pause ein und sagte für das Turnier in Cincinnati in dieser Woche ab.

          Für Nadal war es der fünfte Sieg beim im jährlichen Wechsel in Toronto und Montreal ausgetragenen Rogers Cup nach 2005, 2008, 2013 und 2018. Der Rekordsieger bei Masters-Turnieren baute seinen Vorsprung auf Novak Djokovic (33 Titel) und Federer (28), die beide in Montreal nicht am Start waren, aus. Wenige Stunden nach seinem Triumph erklärte Nadal, auf seine Teilnahme am beim Montag beginnenden Turnier in Cincinnati zu verzichten. Er wolle auf seinen „Körper aufpassen“ und versuchen so gesund zu bleiben, wie er es derzeit sei, teilte Nadal bei Facebook mit. Schon im vergangenen Jahr hatte er seine Teilnahme am Ohio River im Vorfeld der US Open (26. August bis 8. September) abgesagt.

          Für den Weltranglisten-Neunten Medwedew war es eine doppelte Niederlagen-Premiere: Erstmals stand er im Finale eines Turniers der 1000er-Kategorie, erstmals überhaupt traf er auf Nadal. Der Spanier war kampflos in sein 51. Masters-Endspiel eingezogen, da sein Halbfinal-Gegner Gael Monfils (Frankreich) wegen Knöchelproblemen nicht antrat. Medwedew hatte sich im ersten russischen Masters-Halbfinale überhaupt gegen Alexander Zverevs Bezwinger Karen Chatschanow mit 6:1, 7:6 (8:6) durchgesetzt.

          Die deutschen Routiniers Philipp Kohlschreiber und Andrea Petkovic habenunterdessen  den Sprung in das Hauptfeld beim Turnier in Cincinnati verpasst. Beide scheiterten am Sonntag (Ortszeit) jeweils in der Qualifikation. Kohlschreiber unterlag dem kroatischen Altmeister Ivo Karlovic 6:7 (4:7), 7:6 (7:1), 4:6. Karlovic ist damit an diesem Montag in der ersten Runde Gegner von Jan-Lennard Struff. Neben dem Sauerländer ist noch der Hamburger Alexander Zverev im Hauptfeld dabei, er hat zunächst ein Freilos beim mit gut 6,7 Millionen Dollar dotierten Herren-Turnier. Petkovic verlor 3:6, 0:6 gegen Ons Jabeur aus Tunesien, damit stehen bei den Damen aus deutscher Sicht nur Angelique Kerber und Julia Görges im Hauptfeld. Beide treten beim letzten großen Vorbereitungsturnier für die US Open zusammen im Doppel an. Die Damen-Konkurrenz der Hartplatzveranstaltung ist mit knapp drei Millionen Dollar dotiert.

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