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Segel-Star Sir Ben Ainslie : „Segler wollen über das Wasser fliegen“

  • -Aktualisiert am

„So muss es in einem Raumschiff sein, das gerade abhebt“, sagt Sir Ben Ainslie (4.v.l.) Bild: mauritius images

Sir Ben Ainslie ist der beste Segler, den es bisher gegeben hat. Nun will er den America’s Cup zurück nach Großbritannien holen – und dominiert den ersten Tag der Regatta in Oman. Ein Gespräch über Freiheit auf dem Meer und rasende Hightech-Katamarane.

          8 Min.

          Sir Ben Ainslie, Sie sind der beste Segler, den es bisher gegeben hat. Sie haben alles erreicht. Vier Goldmedaillen, fast ein Dutzend Weltmeistertitel, den America’s Cup für Oracle gerettet und von der Queen geadelt. Und doch zieht es Sie immer wieder aufs Wasser. Was macht Segeln für Sie so faszinierend?

          Segeln ist ein sehr komplexer, ein sehr vielfältiger Sport. Er findet bei ständig wechselnden Bedingungen statt. Wetter, Wellen und Wind sind nie gleich. Es ist eine sehr taktische Angelegenheit. Sie müssen ständig ihren Gegner im Auge behalten und sich in eine begünstigte Position bringen. Und dann kommt die physische Komponente hinzu, ein Boot so schnell zu segeln, wie es geht. Du musst die ständige Herausforderung lieben, denn du wirst nie ein perfektes Rennen segeln. Du kannst immer noch besser sein. Es ist ein bisschen wie beim Golf: Es gewinnt derjenige, der die wenigsten Fehler macht.

          Gibt es für Sie noch Momente der Seefahrerromantik?

          Absolut. Ich erinnere mich noch immer an den Moment, als ich zum ersten Mal in ein Dinghi stieg, es war eine Optimist-Jolle, und ich war acht Jahre alt. Man hat es damals mit der Sicherheit etwas lockerer genommen. Mein Vater also hat das Dinghi einfach aufs Wasser gestoßen, mit mir drin, und ich habe zum ersten Mal diese unglaubliche Freiheit gespürt. Ich erinnere mich an die Faszination, über das Wasser zu gleiten. Ich werde diesen Moment nie vergessen.

          Harte Arbeit: Sir Ben Ainslie gehört zu den besten Seglern der Welt

          Was hat Ihre Leidenschaft immer wieder zum Glühen gebracht?

          Sie müssen diesen Sport wirklich lieben, um erfolgreich zu sein. Es braucht so viel Zeit. Sie müssen Ihre Ausrüstung in Ordnung halten, Ihr Schiff, und Sie müssen sich selbst ständig fitmachen. Es gibt jede Menge Härten: Das Wetter ist Mist, es ist eiskalt, du willst eigentlich nicht da raus aufs Wasser. Aber du weißt, du musst es, um noch besser zu werden. Schon als Junge war es meine Leidenschaft. Ich hatte keine einfache Zeit in der Schule, ich lebte weit weg und hatte Mühe, Freunde zu gewinnen. Ich war ein bisschen isoliert. Segeln hatte etwas Befreiendes für mich. Ich habe mich einem örtlichen Klub angeschlossen und fand dort Freunde. Wir hingen da rum und sind immer wieder raus aufs Wasser. Es war mein Leben. Als ich dann herausgefunden habe, dass ich in Wettfahrten gut sein konnte, dass ich also in etwas gut war, war ich so aufgeregt, dass es mein alleiniges Ziel wurde.

          Waren Sie viel mit Ihrem Vater auf dem Wasser?

          Ja, er war ein exzellenter Segler, war beim ersten Whitbread-um-die-Welt-Rennen 1973 dabei, als Skipper. Er hat mich angetrieben, er hat mich massiv unterstützt. Er hatte einen kleinen Cruiser, und manchmal hat er mich angehauen: „Ben, du musst heute nicht unbedingt zur Schule, lass uns aufs Wasser gehen.“ Und dann sind wir losgezogen, auf diese kleinen Segelexpeditionen. Einmal sind wir sogar bis nach Lissabon gekommen. Ich habe phantastische Erinnerungen daran, als Familie auf dem Meer groß geworden zu sein.

          Heute segeln Sie eine der spektakulärsten Maschinen auf dem Wasser: einen 13,5 Meter langen Katamaran, der von einem Flügel angetrieben auf Tragflächen dahinrast, sogenannten Foils. Wie schafft man es, bei 40 Knoten Geschwindigkeit, das ist schneller als die meisten Motorboote, die Kontrolle zu behalten?

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