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Profi-Segler Boris Herrmann : „Selbst Profi-Skippern kommen da manchmal die Tränen“

„Eine klare Aussage“: Boris Herrmann (r.) mit Greta und Svante Thunberg. Bild: dpa

Von Mittwoch an segelt Boris Herrmann mit Greta Thunberg über den Atlantik nach New York. Doch der Profi-Segler verfolgt noch höhere Ziele: Ein Gespräch über die härteste Regatta der Welt, die Einsamkeit auf See – und Whisky an Bord.

          Von Mittwoch an segeln Sie mit Greta Thunberg über den Atlantik und bringen die Aktivistin in zwei Wochen zur Klimakonferenz nach New York. Wollen Sie ein politisches Zeichen setzen?

          Greta ruft zu globalem Umdenken in der Klimapolitik auf und fordert, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur drohenden Klimakatastrophe endlich ernst zunehmen. Ihre Botschaft zu unterstreichen und ihr bei ihrem Ziel zu helfen ist für mich und unser Team eine klare Aussage. Auf unserer Yacht „Malizia“ steht der Schriftzug „Unite behind the science“ (deutsch: Vereint hinter der Wissenschaft). Als rational denkende Menschen wären wir verrückt, diesem weltweiten wissenschaftlichen Konsens nicht zu folgen.

          Sie nehmen nächstes Jahr als erster Deutscher an der Vendée Globe teil – eine der härtesten Segelregatten überhaupt, die nonstop und Einhand um die Welt führt. Ist die Überfahrt für Sie und Ihr Team „Malizia“ ein Training?

          Unsere Aufgabe ist es, Greta die Reise so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten. Einen Wettkampf können wir dabei nicht simulieren. Wir haben uns aber mithilfe der besten Meteorologen und Mediziner noch akribischer als sonst auf die Reise vorbereitet und unsere Notfallpläne überarbeitet. Die abermalige Professionalisierung hilft immens bei der Vorbereitung auf die Vendée Globe und das Ocean Race, bei dem wir 2021 starten wollen.

          Die Vorbereitung zum Start der Vendée Globe im November 2020 dauert fast vier Jahre. Wie halten Sie die Spannung?

          Bei der Vendée scheiden meist ein Drittel bis die Hälfte der Teilnehmer aus. Unser Ziel ist daher, mit dem sichersten Boot an den Start zu gehen. Dazu muss ich die Yacht so viel segeln wie möglich und sie genau kennen. In den letzten beiden Jahren sind wir etwa 25 000 Seemeilen gesegelt – was der Länge der Regatta entspricht. Außerdem brauchten wir Zeit, um unser Team solide und nachhaltig aufzubauen und absolute Verlässlichkeit bei Technik, Logistik und Management zu garantieren. Trotzdem könnte es meinetwegen gerne schon diesen Herbst losgehen.

          Die „Malizia“ ist etwa zwanzig Meter lang, acht Tonnen schwer – und völlig komfortbefreit.

          Ein Großteil der Regatta entscheidet sich also während der Vorbereitung?

          Das ist natürlich nicht einfach, weil ich am Start auf deutlich modernere und potentiell schnellere Yachten treffen werde. Aber selbst mit dem größten Budget und dem modernsten Schiff ist es keine Regatta, die man einfach so segelt. Um ins Ziel zu kommen, ist viel Erfahrung und Glück nötig. Für mich erfüllt sich mit der Teilnahme an der Vendée ein Lebenstraum, den ich träume, seit ich 16 Jahre alt bin. Die Plazierung ist am Ende erst einmal zweitrangig – obwohl: die Top Fünf sollten es schon sein.

          Für die drei Monate auf See benötigen Sie Ausdauer, mentale Fitness und einen flexiblen Biorhythmus. Wie trainieren Sie das?

          Das Schlimmste an Bord ist es, zu wenig zu essen oder ein Schlafdefizit anzuhäufen. Dann kann man keine klaren Entscheidungen mehr treffen. Die Ernährung war für mich bislang kein Problem, und für die Erholung habe ich mir bereits Pläne gemacht: In den Stunden nach dem Start werde ich mich erst für zwei Minuten und etwas später für fünf Minuten ausruhen können. In der ersten Nacht komme ich zu zehn Minuten Schlaf. Ein Rhythmus wird sich dann einstellen, wenn keine Kollisionsgefahr mehr zwischen den Teilnehmern besteht. Dann schlafe ich tagsüber bis zu zwanzig Minuten und nachts mehrere Blöcke von einer Dreiviertelstunde. Trotzdem spürt man irgendwann eine tiefe mentale Erschöpfung, weil auch im Schlaf alle Sinnesorgane permanent im Alarmzustand sind. Falls ich doch einmal zu müde sein sollte, habe ich einen sehr lauten Wecker, den ich auf maximal 60 Minuten einstellen kann.

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