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Berühmte Segelregatta : Die lange Schlacht um den America’s Cup

Fliegende Einrumpf-Yacht – die Crew von „American Magic“ beim Training. Bild: © Amory Ross / NYYC American Mag

Bis zum Start der ältesten Segelregatta der Welt dauert es zwar noch. Doch unter den America’s Cup-Teilnehmern gibt es schon jetzt Streit. Und brisante Bilder versetzen Fans und Experten in Aufruhr.

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          Wenn es um den America’s Cup geht, ist Streit im Grunde programmiert. In der mittlerweile 169 Jahre währenden Historie des ältesten und prestigeträchtigsten Segelwettbewerbs der Welt, ist es schließlich immer wieder zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen um die Fest- und Auslegung des Regelwerks gekommen. Etwas mehr als ein Jahr vor dem 36. Wettstreit um die 68 Zentimeter hohe Silberkanne, der in der Bucht der neuseeländischen Hafenstadt Auckland ausgetragen wird, ist das nicht anders.

          Zuletzt konnten sich Titelverteidiger Team New Zealand und der erste Herausforderer, die italienische „Luna-Rossa“-Crew nicht auf die zulässigen minimalen und maximalen Windbedingungen für die im März 2021 anstehende Regatta einigen. Erst mithilfe eines Schiedsgericht wurde nun nach mehr als drei Monaten eine maximale Windgeschwindigkeit von 23 Knoten (etwa 42,5 Kilometer in der Stunde) festgelegt. Dazu versetzen von einem Segelportal aus Italien veröffentlichte Bilder von der „Luna-Rossa“-Yacht sowie dem Boot der britischen „Ineos“-Crew Fans und Experten in Aufruhr. Die Ende Januar aufgenommenen Fotos sollen beide Teams bei einem Training vor der sardinischen Küste zeigen – und das, obwohl gemeinsame Einheiten oder Testrennen gegeneinander laut Reglement strikt verboten sind.

          Der Sound eines vorbeirasenden Elektroautos

          Zwar haben die beiden übrigen Konkurrenten aus Neuseeland und den Vereinigten Staaten bislang noch nicht öffentlich gegen die verdächtigen Aufnahmen protestiert. Doch die PR-Schlacht um die tollsten Bilder, das beste Image und die vermeintlich härteste Vorbereitung hat trotzdem längst begonnen: So inszenierte der neuseeländische Cup-Verteidiger um seinen Star und Steuermann Peter Burling – der im Sommer auch noch gemeinsam mit Teamkollege Blair Tuke sein olympisches Gold im 49er verteidigen will – die Taufe einer kleinen Test-Yacht in den sozialen Netzwerken wie den Beginn einer neuen Segel-Ära. Zudem veröffentlichte das Team ein spektakuläres Video von seiner Yacht, die direkt über die schwimmende Kamera hinwegschießt und vom Sound her an ein vorbeirasendes Elektroauto erinnernt.

          Die in Italien beheimatete „Luna-Rossa“-Crew ließ sich dagegen bei knallhartem Kraft- und Fitnesstraining filmen, die Briten des „Ineos“-Teams kommentierten eine Szene aus dem Training, bei der die Crew um Teamkapitän Sir Ben Ainslie kurzzeitig die Kontrolle über ihr Boot verlor, gezielt lapidar mit dem Spruch „Pushing the limits“, also „Grenzen austesten“. Und das Team von „American Magic“ garnierte sein bislang letztes Filmchen mit den Schlagwörtern „Respekt“, „Vertrauen“ und „Zusammenarbeit“.

          Die unterschwellige Botschaft ist klar: Die Crews haben keine Zeit zu verlieren. Bereits in diesem Frühjahr steht innerhalb der „America’s Cup Weltserie“ das erste offizielle Kräftemessen an. Auf Sardinien werden die Teams am letzten Wochenende im April erstmals unter Beweis stellen, mit welcher Geschwindigkeit sie ihre 20 Meter langen und 26 Meter hohen Einrumpf-Yachten auf den sogenannten Foils über das seichte Mittelmeer vor der Inselhauptstadt Cagliari fliegen lassen können. Und damit auch einen ersten Hinweis liefern, ob der umstrittene Wechsel auf die Monohull-Yachten ebenso viel Spektakel verspricht, wie die Duelle der zweirumpfigen Katamarane bei den beiden vergangenen Cup-Regatten.

          Mastbruch: Die „Luna Rossa“-Crew hat beim Training auf Sardinien mit einem schweren Schaden zu kämpfen.
          Mastbruch: Die „Luna Rossa“-Crew hat beim Training auf Sardinien mit einem schweren Schaden zu kämpfen. : Bild: LunaRossa/Carlo Borlenghi

          Im Juni und Dezember folgen dann weitere Auftritte innerhalb der Weltserie im britischen Portsmouth sowie in Auckland, bevor dort Anfang 2021 im sogenannten Prada Cup der endgültige Herausforderer für den Titelverteidiger ermittelt wird. Ihn erwartet dann eine echte Mammutaufgabe, hatten die Neuseeländer doch beim vergangenen Cup auf den Bermudas den Amerikanern des „Team Oracle“ keine Chance gelassen und acht von neun Rennen für sich entschieden.

          Vor allem für den ersten Anwärter auf diese Rolle, der gleichzeitig Gastgeber auf Sardinien ist, dürften die ersten Rennen mittlerweile früher kommen als gewünscht. Kurz nach den verdächtigen Aufnahmen von einem möglichen Training mit den Briten brach der von Skipper Max Sirena und dem zweimaligen Cup-Gewinner Jimmy Spithill angeführten „Luna-Rossa“-Crew nämlich während einer Einheit der Mast ihrer Yacht. Zwar ließen die Italiener nach dem Crash ausrichten, dass man die Grenze des Möglichen nur kennenlerne, wenn man hart arbeite und dass Zuversicht herrsche, so schnell wie möglich aufs Wasser zurückzukehren. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein solcher Schaden das Team in seiner eng getakteten Vorbereitung auf die Weltserie sowie den Cup ziemlich durcheinander gebracht hat.

          Seit dem vergangenen Wochenende ist es den Teams zwar erlaubt, ein zweites wettkampftaugliches Boot zu Wasser zu lassen und damit zu trainieren. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass diese Yachten frühestens in der zweiten Jahreshälfte zum Einsatz kommen werden, um deren Design mithilfe der Erfahrungen bei den ersten Rennen der Weltserie noch anpassen zu können. Entscheidend ist dann vor allem, welches Team bei seiner Yacht die Formen des Rumpfes sowie der Foils noch bedeutend verändert. Ziel ist es, den Widerstand des Wassers zu jeder Zeit des Rennens so gering wie möglich und das Boot so stabil wie nötig zu halten. In diesem Punkt gibt es ausnahmsweise mal keinen Streit unter den Beteiligten. Bislang jedenfalls.

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