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Jules Verne Trophy : Ein heißer Ritt durchs eisige Wasser

So ruhig und beschaulich ist es nicht immer auf dem Weg durch die Weltmeere. Bild: Picture-Alliance

Diese Rekordjagd hält die Segelwelt in Atem: Zwei Teams kämpfen mit völlig verschiedenen Konzepten um die schnellste Weltumrundung. Die Bedingungen sind extrem. Und mittendrin ist ein Deutscher.

          Die Uhr tickt, die Spannung steigt: Während es viele dieser Tage ruhiger angehen lassen, spielt sich im Atlantischen Ozean eine Rekordjagd ab, die die Segelwelt in Atem hält – und mittendrin ist der Deutsche Boris Herrmann. Zwei Teams kämpfen parallel um die Jules Verne Trophy für die schnellste Weltumrundung per Segelboot: die „Spindrift 2“ der italienischen Milliardärin Dona Bertarelli und die „Idec“ des Franzosen Francis Joyon mit Herrmann an Bord. Beide steuern derzeit mit Trimaranen, also Booten mit drei Rümpfen, durch die Weltmeere. Bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Regeln, die 1990 definiert wurden, sind denkbar einfach:  Das Boot darf nur durch Wind- und Körperkraft bewegt werden, die Umrundung muss nonstop sein, Hilfe von außen ist nicht erlaubt. Eine Beschränkung bei der Größe des Boots und der Crew gibt es nicht. Start und Ziel ist die Linie zwischen den Leuchttürmen Phare du Créac’h auf der französischen Insel Quessant nahe Brest und Lizard Lighthouse nahe dem südlichsten Punkt Großbritanniens. Umrundet werden müssen das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, das Kap Leeuwin in Australien und das Kap Hoorn in Chile.

          Das klingt einfach – und ist doch so schwer. Acht Weltrekord-Fahrten stehen sechzehn gescheiterte Versuche gegenüber. 1993 war Bruno Peyron erster Sieger der Trophy, die nach Jules Verne – 1864 Autor des Romans „Reise um die Erde in 80 Tagen“ – benannt wurde. Peyron benötigte „nur“ gut 79 Tagen. Seit 2012 hält sein Bruder Loïck Peyron mit der „Banque Populaire“ die Bestmarke, die die Boote, die nun auf der langen Zielgeraden durch den Atlantik von Südamerika Richtung Europa jagen, knacken wollen: 45 Tage, 13 Stunden, 42 Minuten, 53 Sekunden.

          „Das wird wohl die härteste Herausforderung überhaupt in meinem Seglerleben“, sagte Herrmann vor dem Start. Am 22. November ging es los für die Teams. Erst die „Idec“ mit Herrmann, gut zwei Stunden später die „Spindrift“ von Quessant aus. Um den Rekord zu knacken, muss die imaginäre Ziellinie am 6. Januar überquert werden. Eine Prognose ist schwierig. Die „Idec“ lag schon 800 Meilen zurück, doch eine gute Woche vor Heiligabend hatten beide Boote plötzlich Sichtkontakt im südlichen Pazifik. „Es ist cool, dass wir nicht alleine sind“, teilte Dona Bertarelli mit.

          Bei hohem Wellengang wird es auf der „Idec“ an Bord ganz schön nass. Bilderstrecke

          Dabei hatten sich die Teams vor dem Rekordversuch weitgehend ignoriert. Vor Weihnachten kam es bei der Nonstop-Weltumseglung aber zu einem ungewöhnlichen Manöver. Die sogenannten Router an Land besprachen, ihre Boote nicht auf die südliche Route zu schicken, die schneller, aber wegen der Eisberge auch deutlich gefährlicher war. Eine Kollision hätte wohl das Aus bei der Rekordjagd für beide bedeutet. Schließlich waren sie sich so nahe, dass sie dem Kontrahenten in Not hätten helfen können – ein Zeitverlust, der danach nicht mehr aufzuholen gewesen wäre.

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